Grüner WegNeue Nachbarn fürs Vulkan-Gelände

Hinter der Grenzmauer sind die Gebäude der früheren „Vulkan“-Fabrik zu erkennen.
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Ehrenfeld – Auf dem „Vulkan“ geht die Sorge um. Nicht vor einem möglichen Ausbruch sondern eher vor dem Gegenteil. Im Gewerbeareal auf dem Gelände der ehemaligen Leuchtenfabrik „Vulkan“ an der Lichtstraße fürchtet man wegen eines größeren Wohnungsbauprojekts in unmittelbarer Nachbarschaft härtere Auflagen beim Lärmschutz.
Der Hintergrund: Unmittelbar neben dem Vulkan-Gelände ist eine neue Siedlung geplant. Die Wohnungsbaugesellschaft GAG als Bauherrin will elf Häuser errichten. Die jeweils unterschiedlich gestalteten Gebäude sollen mit drei bis acht Etagen ausgestattet werden. Mitte 2013 soll der Bau dieser Häuser, die in den unteren Geschossen auch eine gewerbliche Nutzung oder Büros erlauben, beginnen. 300 Wohnungen sind geplant; ein Viertel davon als öffentlich geförderter Wohnungsbau. Es ist ein ambitioniertes Projekt, das bereits jetzt als Vorbild bezeichnet wird für künftige Umnutzungen von ehemaligen Industrieflächen in der Nachbarschaft oder anderen Kölner Stadtteilen.
Vor kurzem wurde der Bebauungsplan für das 20 000 Quadrameter große ehemalige Industriegelände zwischen Weinsbergstraße, Melatengürtel und Vogelsanger Straße öffentlich vorgestellt. Dabei hatten die Bürger Gelegenheit, Einsprüche gegen das Projekt vorzubringen.
Die zahlreichen Bedenken, die dabei vor allem von Gewerbetreibenden aus der Nachbarschaft geäußert wurden, wies die Stadtverwaltung aber zurück. Es sei nicht zu erwarten, dass es für das vorhandene Gewerbe Einschränkungen geben werde. Geplant sei außerdem kein reines Wohngebiet, sondern ein Mischgebiet, in dem ebenfalls gewerbliche Nutzung erlaubt sein soll.
Ruhig und ländlich abgeschieden, wie man bei der Adresse „Grüner Weg“ vermuten könnte, werden die Wohnverhältnisse also dort bestimmt nicht werden. Das Gebiet ist – wie ein städtisches Gutachten bestätigt – dem Lärm vom Schienen- und Straßenverkehr sowie von Gewerbe und Freizeitbetrieben in der Umgebung ausgesetzt. Die Grenze zur Gesundheitsgefährdung sei aber noch weit entfernt, heißt es. Dennoch gibt es im Bebauungsplan Vorgaben zum passiven Lärmschutz. Fenster müssen bei bestimmten Lärmbedingungen grundsätzlich geschlossen bleiben. Die Belüftung – insbesondere von Schlaf- und Kinderzimmern – soll dann über schallgedämmte Lüftungsanlagen erfolgen.
Als „wohnlastiges Mischgebiet“, bezeichnet das Planungsbüro „Astoc – Architects and Planners“ das Projekt. Das Gesamtkonzept realisiert Astoc mit den beiden Kölner Architekturbüros Lorber und Paul Architekten sowie Molestina Architekten. Der öffentliche Raum wird durch das Büro Scape Landschaftsarchitekten aus Düsseldorf geplant. Das Baugelände ist vom Nachbargrundstück durch eine Mauer abgetrennt. Dahinter befinden sich Gebäude, in denen Studios und Ateliers betrieben werden. Jenseits dieser Mauer ist geplant, einen Gebäuderiegel zu bauen, der sich mit diesen Bauten gewissermaßen verbindet. Dieser Riegel soll Gewerbe- und Lofteinheiten für die „Kreativwirtschaft“ beherbergen. Er dient – so steht es im Bebauungsplanentwurf – gleichzeitig als Lärmabschirmung gegenüber der Veranstaltungshalle auf dem Vulkangelände.
Das somit dicht bewohnte Gebiet soll dennoch einen „grünen“ Charakter bekommen. Balkone und Loggien, Dachterrassen und Dachgärten sowie zahlreiche Bäume und Beete zwischen den Häusern werden das Viertel prägen. Schon jetzt wachsen im Rahmen des Partnerprojekts „Obsthain Grüner Weg“ auf einer abgezäunten Parzelle die Apfelbaum-Schösslinge heran, die später einmal im Wohngebiet ihren endgültigen Standort bekommen. Den künftigen Bewohnern soll damit – so der Grundgedanke des Obsthain-Projekts – eine „urbane Agrikultur“ nähergebracht werden.
Noch nicht grün genug
Den Ehrenfelder Grünen war das alles noch nicht grün genug. Sie schlugen erneut vor, dass auf den Dächern der Gebäude Photovoltaik-Anlagen installiert werden. Damit kann aus Sonnenlicht Strom erzeugt werden. Die Stadtverwaltung möge entsprechend auf die Bauherrin einwirken. Im Rat fand der Vorschlag indes keine Mehrheit. Auch die GAG selbst – wo es inzwischen durchaus Erfahrungswerte mit Photovoltaikanlagen auf den Dächern von Wohngebäuden gibt – zeigt keine Bereitschaft. „Unser Energiekonzept für den Grünen Weg sieht den Einsatz von Fernwärme für die Heizung und Warmwasserversorgung vor“, erläutert GAG-Pressesprecher Jörg Fleischer. Im übrigen sei geplant, auf den Dächern Gärten anzulegen, wovon man sich eine deutliche Aufwertung der Wohnqualität im neuen Viertel verspreche.
Der Autoverkehr gelangt über eine etwa 120 Meter lange Verlängerung der Stichstraße Grüner Weg in die Siedlung. Dort wird die Zufahrt zu den Tiefgaragen angelegt, so dass weite Teile autofrei bleiben können.
