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Nach dem BrandViele wollen einfach nur helfen

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Könnte ganz Ehrenfeld versorgen: Kita-Leiterin Sylvia Horn.

Ehrenfeld – Malbücher, Stofftiere und Spiele stapeln sich im Flur der Kindertagesstätte Ansgarstraße. Ein Junge geht langsam an den Spielsachen vorbei, sieht sie sich an und steigt die Treppen rauf. Er weiß, die neuen Dinge sind für Kinder, die keine Spielsachen mehr haben, weil alles verbrannt ist. „Kinder brauchen kurze, klare Antworten“, sagt Sylvia Horn, die Leiterin der Kita. Also hat sie ihnen nach dem Großbrand in der Lansstraße am vergangenen Freitag erklärt, dass es jetzt Menschen in der Nachbarschaft gibt, die noch nicht einmal mehr eine Gabel haben.

Seit Sylvia Horn verkündet hat, dass sie Spenden sammelt, steht das Telefon in ihrem Büro nicht mehr still. „Es ist wirklich rührend“, sagt die 60-Jährige. „Eine 85-jährige Frau kam extra aus Lövenich, sie musste mehrmals umsteigen – nur, um uns ein Köfferchen voller Kleidung zu bringen.“ Im Flur stapeln sich Kinderschuhe, Bettwäsche und Handtücher. Es gibt mehr Kleidung als in einem Second-Hand-Laden. „Wir könnten mittlerweile Alt- und Neuehrenfeld damit versorgen“, sagt Sylvia Horn und lacht.

Draußen hängt deshalb jetzt ein Schild, auf dem steht, dass keine Kleiderspenden mehr angenommen werden können. „Aber die Leute brauchen Möbel und Hausrat.“ An der Wand kleben Zettel: „Babybett zu verschenken“ oder „Couchgarnitur abzugeben“. Auch die Kinder zweier betroffener Familien gehen in die Kita in der Ansgarstraße. Deshalb wollten Sylvia Horn und ihre Kolleginnen etwas tun. „Nicht helfen? Das könnte ich gar nicht“, sagt sie. Das Telefon klingelt wieder – die normale Arbeit bleibt liegen. „Aber ich habe ein tolles Team.“

Maren Krüger hat von der Sammlung in der Kita gehört. Sie kommt vorsichtig herein. Viele haben zunächst Hemmungen, die Kleiderspenden anzunehmen. Ihre Freundin hält eine Hose in die Höhe. „Größe 38, die ist doch super.“ Maren Krüger lebte mit ihrem Freund und Hund Pauline in dem Haus mit der Nummer 9, im zweiten Stock. „Über uns brach im Dachgeschoss das Feuer aus“, sagt die 51-Jährige. Ihre Freundin hält ihr eine Winterjacke an, dann eine Bluse. „Passt doch“, sagt sie und packt alles in eine Reisetasche.

Maren Krüger sagt: „Wir wissen im Moment gar nicht, wie wir uns organisieren sollen – es fehlt doch alles, wir haben nichts mehr.“ Manchmal fehlen ganz schlichte Dinge wie eine Nagelfeile, ein Rasierapparat. Und manchmal bricht einfach alles über ihr zusammen. „Heute wusste ich auf einmal nicht mehr, wo ich mein Fahrrad abgestellt hatte“, sagt sie. „Ich stand da, ich heulte und dachte: Nein! Nicht auch noch mein Fahrrad.“ Sie hat es zum Glück wiedergefunden. Es wird aber noch lange dauern, bis sie wieder ein richtiges Zuhause hat.

Spendenkonto der Wohnungsgenossenschaft „Die Ehrenfelder"

Auch „Die Ehrenfelder Gemeinnützige Wohnungsgenossenschaft" hat ein Spendenkonto eingerichtet.