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Subbelrather Straße in Köln Kult-Café „Frau Meffert“ in Neuehrenfeld schließt

Kein „Knalltütengehabe“ – Frau Meffert beim Abschied

Kein „Knalltütengehabe“ – Frau Meffert beim Abschied

Neuehrenfeld – Das Café Frau Meffert auf der Subbelrather Straße in Neuehrenfeld ist Kult. Oder besser gesagt: war Kult. Denn nun hat Frau Meffert geschlossen. Nicht nur für ein paar Wochen, wie im Frühling, als sich die Wirtin mal ein paar Wochen Auszeit gegönnt hat. Sondern für immer.

Auf der Facebookseite „Der Lenauplatz“ hat ein Gast voll Bedauern geschrieben: „Neuehrenfeld verliert die charmanteste Kaffeeheldin.“

Das sagen die Gäste

Liebenswürdig

Eines der liebenswürdigsten Cafés in Köln. Ich bewundere die stoische Ruhe und den geheimnisvollen Humor von Frau Meffert.

Warmherzig

Ich schätze die warmherzige und familiäre Atmosphäre hier. Bin hier gerne zum Kaffee trinken, Zeitung lesen und Leute treffen.

Grantig

Die Bedienung ist immer so herrlich grantig.

Mit Charme

Das Cafe wirkt nicht so aus dem Ei gepellt, das Interieur ist wild zusammengewürfelt. Hat Charme.

Superkaffee

Ich komme extra aus Leverkusen ins Cafe Meffert, um meine alte Freundin Melodi zu besuchen. Einen Superkaffee gibt’s hier.

Das Besondere an Frau Meffert war Frau Meffert selbst. Die vielen Talente der Wirtin haben dem Café sein Flair verliehen. Bevor sie selbst Wirtin wurde, hat Melodi Meffert neun Jahre lang hinter dem Tresen des „Weißen Holunder“ gestanden. Lange Jahre arbeitete sie auf dem Bau oder renovierte als Selbstständige Wohnungen.

Im Café Franck legt sie seit vielen Jahren Platten auf. Und so spiegelten Wesen und Lebenserfahrung der Frau Meffert sich auch in der besonderen Atmosphäre ihres Cafes wider: Einfach, aber originell, mit selbstgezimmerter Theke und uneinheitlicher Möblierung.

Kinderwagen, Hunde und Laptops verboten

Der Plattenspieler und ein paar Kisten alter LPs standen auf einem Regal mitten im Raum – die Gäste legten sich ihre Lieblingsscheiben selbst auf. Gäste, die krank oder traurig waren, wurden schon mal mit geheimen Extras bekocht.

Es gab selbstgebackenen Kuchen und selbstgekochte Gemüse-Suppe, belegte Brote sowie Spiegel- und Rühreiergerichte, die Frau Meffert oftmals nach dem individuellen Wünschen der Gäste zubereitete. Wenn man sie nett fragte.

Eins nämlich mochte Frau Meffert überhaupt nicht: Wenn man unverschämt wurde oder ihre Grenzen nicht beachtete. Und so war das Ungewöhnlichste am Café Frau Meffert vielleicht das: Es gab Verbote. Und das waren Kinderwagen, Hunde und Laptops.

„Die Idee, als ich im März 2011 eröffnete, war: Leute sollten zusammenkommen, möglichst unterschiedlicher Natur, Jung wie Alt. Und dann eben: Schallplatten, guter Kaffee und das alles ohne Chichi“, sagt Frau Meffert. „Chichi“ bedeutet, kurz zusammengefasst: „Knalltütengehabe.“

Dazu zählen das unentwegte Starren auf Laptops oder das Abspielen lauter Videos auf dem Handy. „Was die Kinderwagen angeht“, sagt Frau Meffert, „musste man nur einen Blick ins Cafe werfen, um zu sehen: Es ist zu klein für Kinderwagen.“

Kinder allerdings waren – entgegen anderslautender Gerüchte – immer gerne gesehen. Sie habe, sagt Frau Meffert, darauf Wert gelegt, dass das Café kein Szeneladen wird. „Die Leute kamen, weil alles total normal war .“

Ein bisschen Pause

Zu den Gästen zählte auch die alte Frau Entz. „Dieser Tisch ist reserviert für Frau Entz, wann immer sie kommt“, stand am Fenstertisch direkt neben der Tür. Im vorletzten Jahr ist Frau Entz gestorben, seitdem hing ein Bild von ihr an der Wand, zur Erinnerung.

Und dann war da noch Jakob, der Rollifahrer. „Der wohnte im jüdischen Wohnheim an der Ottostraße und kam immer mit seinem E-Rollator und hat Geschichten erzählt.“ Zu seinem 87. hat Frau Meffert eine Party für ihn ausgerichtet. „Ich hab zum Jakob gesagt, zu Deinem Geburtstag machen wir eine schöne Party, und er sagte: »Ja ist gut, du bringst die Leute, ich bring das Essen.«

Wer in Neuehrenfeld oder Ehrenfeld ein Ladenlokal, das sich für Frau Mefferts Zwecke eignet, weiß oder selbst vermietet, schreibt an cafe.fraumeffert@gmail.com. Außerdem nimmt Frau Meffert jederzeit Platten und Plattenspieler entgegen, die sonst weggeworfen würden.

Sie habe dann die „Rollator-Ladys“ aus dem Seniorenhaus der Cellitinnen für ihn eingeladen. Auch viele der jüngeren Stammgäste waren da. Beim Gedanken an Jakobs Party lacht Frau Meffert mit ihrer warmen Altstimme.

Dennoch: „Es hat vieles nicht so funktioniert, wie ich mir das vorgestellt habe“, sagt Meffert. Deshalb wollte sie den Laden kleiner machen – mehr im Stil einer Espressobar. „Ich wollte nicht mehr zwischen den Tischen rennen, wo beleidigte Leute sitzen, weil du nicht innerhalb einer halben Minute die Bestellung aufnimmst.“

Nach ein bisschen Pause will sie einen neuen Standort suchen – in einem kleineren Laden in Neuehrenfeld zum Beispiel, irgendwo zwischen Venloer und Nussbaumerstraße. Und dort – soviel steht fest – werden wieder dieselben Bedingungen herrschen wie im alten Frau Meffert.

Bis sie ein geeignetes Ladenlokal gefunden hat, veranstaltet Frau Meffert Tanztees im Cafe Herzlich an der Subbelratherstraße 15. Und zwar für – ausdrücklich in dieser Reihenfolge – „Leute, die nicht tanzen können, und für die, die es können“.