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Eine schlagkräftige Genossenschaft

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Georg Brombach (in blauer Jacke) , Sonja Franke und Ralf Leppin vertreten die Mietergenossenschaft Kalscheurer Weg.

Georg Brombach (in blauer Jacke) , Sonja Franke und Ralf Leppin vertreten die Mietergenossenschaft Kalscheurer Weg.

Zollstock –  Die Indianer-Siedlung am Kalscheurer Weg soll wachsen: um bis zu 250 Bewohner. Seit einigen Jahren arbeiten die Siedler an einem Bauvorhaben, für das der Rat nun zwei wichtige Verfahren auf den Weg gebracht hat. Aus dem Grünstreifen zwischen der Straße und dem Häusergewirr der einst wild gewachsenen Siedlung soll Bauland werden. Dafür müssen der Flächennutzungsplan geändert und ein Bebauungsplan aufgestellt werden. Die Bezirksvertreter in Rodenkirchen und der Stadtentwicklungsausschuss haben die Verwaltung genau damit nun beauftragt. Entlang des Kalscheurer Wegs sollen, so die aktuellen Pläne, fünfzehn dreistöckige Wohnhäuser mit Gemeinschaftsräumen und eine fünfzügige Kita entstehen. Die seit Jahren als Dorfplatz genutzte Weide in der Mitte des Baugebiets soll erhalten bleiben. Davon abgesehen bringt das Vorhaben gravierende Veränderungen für den idyllischen Flecken mit sich. Die Siedler, die sich vor Jahren in einer Genossenschaft zusammengeschlossen haben, haben die Entwicklung selbst angestoßen. Träger des Bauvorhabens soll eine weitere, 2017 neu gegründete Mietergenossenschaft mit inzwischen 170 Mitgliedern werden. Georg Brombach und Ralf Leppin stehen derzeit der alten und der neuen Genossenschaft als Geschäftsführer vor. Sie blicken auf Erfahrung aus mehreren Jahrzehnten zurück, verweisen auf ihr Wissen im Umgang mit Banken, Behörden und Vorgaben. Wenngleich nicht jeder in der Siedlung mit dem Bauvorhaben einverstanden ist: Der Großteil steht hinter dem Projekt. Das zeigen die Beschlüsse der Mitgliederversammlung. Trotz „einiger schlafloser Nächte“, die das 20-Millionen-Projekt ihnen bereitet habe: Leppin und Brombach sind zuversichtlich. Ende des Jahres sollen die rechtlichen Voraussetzungen vorliegen, das Grundstück den Eigentümer gewechselt haben. Derzeit gehört es noch der Stadt. Dank Ratsbeschluss verhandelt sie exklusiv mit der neuen Genossenschaft über einen Verkauf. Im Herbst soll das abgeschlossen sein. Gelingt dann auch die Finanzierung, steht dem Projekt der jungen und vergleichsweise kleinen Genossenschaft nichts mehr im Wege. Dabei hatte bereits ein großer Investor ein Auge auf die Fläche geworfen, die lange Jahre für eine Erweiterung des Südfriedhofs frei gehalten wurde. Behutsam soll die Veränderung gestaltet werden. „Wir wollen ein integratives Erweiterungsprojekt“, sagt Leppin. Aus zwei Genossenschaften müsse „eine Siedlung“ werden. Und ihr Anspruch geht darüber hinaus: Die Wohnungen sollen in Gänze als Sozialwohnungen errichtet werden. Ein Teil des Eigenkapitals für das Millionenprojekt soll durch Mitarbeit der künftigen Bewohner eingebracht werden. Die Siedler wollen auch auf Flüchtlinge zugehen, um sie zu beteiligen. Die Unterkunft, die derzeit in der unmittelbaren Nachbarschaft entsteht, begrüßen sie. Die Interessenten, die bereits Anteile an der neuen Genossenschaft erworben haben, kommen aus der ganzen Stadt, aber auch aus der Siedlung. Viele der Kinder, die hier aufgewachsens sind, suchen inzwischen nach eigenen Wohnungen und könnten sie durch die neuen Häuser direkt vor der Türe ihrer Eltern finden. „Uns geht es auch um Partizipation in der Nachbarschaft“, sagt Sonja Franke. Sie wohnt in der Siedlung und ist eine von vier jüngeren Bewohnern, die in den Beirat der Mietergenossenschaft gewählt wurden. Sie freut sich, dass die Siedler die Verdichtung ihrer Umgebung selber gestalten können. Ein Investor, der vor ihrer Nase teure Eigentumswohnungen errichtet hätte, wäre sicher nicht im Sinne der nachfolgenden Generation gewesen, sagt sie.

Ralf Leppin, Mietergenossenschaft Kalscheurer Weg

AUF INDIANER-ART

„Sozialer Wohnungsbau auf Indianer-Art“: Mit diesem Motto wirbt die Mietergenossenschaft Mitglieder. Die neuen Häuser sollen für Menschen sein, die auf dem Wohnungsmarkt benachteiligt sind: junge Familien, Studenten, Menschen mit Behinderung, Senioren und Geflüchtete. Ebenso gesucht werden Menschen, die das Projekt finanziell unterstützen wollen. Einlagen sind möglich ab 500 Euro. (phh) www.mieterkoeln.de

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