FDP macht „Speeddating“ in Köln„Wir wollen aus eigener Stärke gewinnen“

Im „Speeddating“ mit der Kölner Innenstadt: Der prominent bestetzte FDP-Stand mit Volker Wissing (r.) und Yvonne Gebauer (2.v.l.)
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Köln – Ein „Speeddating“ mit Politikern hat die FDP an ihrem Wahlkampfstand am Neumarkt versprochen. Und wie das so ist beim Speedating – es geht schnell, und die gestellten Fragen sind mitunter ungewöhnlich. „Wir dürfen an der Schule nicht mehr bauchfreie Klamotten tragen. Warum ist das so?“, damit konfrontieren zwei Mädchen NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer. Am Tisch nebenan quizzt derweil ein junger Mann FDP-Generalsekretär Volker Wissing zu den finanzpolitischen Vorhaben der Freidemokraten. Das ist dann schon eher die Domäne der FDP und vor allem des ehemaligen rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministers Wissing, Kleidungsfragen behandelt die Politik bekanntlich eher nachrangig.
Der Pfälzer Wissing könne gut mit den Kölnern, der Rhein, der durch NRW und Rheinland-Pfalz fließt, „vermittelt ein ähnliches Lebensgefühl“, sagt er. Zumal die Region Köln/Bonn ein wichtiger Wirtschaftsraum für den südlichen Bundeslandsnachbarn sei. Dass die FDP in den Umfragen derzeit auf der Stelle tritt und vom Abschwung der CDU kaum profitiert, ist ihm egal, so zumindest die Botschaft. „Wir wollen aus eigener Stärke gewinnen und nicht von der Schwäche anderer abhängig sein“, sagt er.
„Wir müssen unsere Freiheit zurückbekommen“
Corona ist ein häufig diskutiertes Thema am „Infotainer“, einem gelb-blauen Container, den die FDP schon bei vielen Wahlen am Neumarkt positioniert hat. „Wir müssen unsere Freiheit zurückbekommen und gleichzeitig die Krankheit ernst nehmen“, sagt Reinhard Houben, Direktkandidat für die Innenstadt, Kalk und Porz. Auch der Verkehr, in dem die Kölner FDP den Autos im Vergleich zu fast allen Parteien am wenigsten Einschränkungen zumuten will, wird oft angesprochen. „In Köln ist man mit dem derzeitigen Öffentlichen Nahverkehr aufgeschmissen“, kritisiert Houben. Ohne das Auto, zumal für Pendler, gehe es einfach noch nicht.
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FDP-Mitglieder aus den Kölner Bezirksverbänden schlendern unterdessen vor dem Infotainer auf und ab und versuchen sich im klassischen Straßenwahlkampf: Flyer verteilen, Menschen ansprechen. Das gelingt mäßig bei Passanten mit Tunnelblick auf die nächste Boutique an der Schildergasse. Da helfen auch weder Gummibärchen, Feuerzeuge noch Malstifte mit FDP-Logo.
FDP in Köln: Yvonne Gebauer wird erkannt
Schulministerin Gebauer, die aus Köln kommt, hat es da noch am leichtesten. Sie wird erkannt, „vor allem seit den vergangenen eineinhalb Jahren“, hat eine jungliberale Wahlkämpferin beobachtet. Die Corona-Regeln in den Schulen, dem Kernressort Gebauers, werfen immer wieder Fragen auf. Beispiel Luftfilter: Rund 90 Millionen Euro können die Kommunen NRWs für deren Anschaffung abrufen. „Die Geräte werden aber das Lüften nicht ersetzen, auch nicht im Winter“, sagt sie. Und wenn Räume nicht richtig zu lüften seien, dürfte man sie nicht für den Unterricht nutzen. Sie müsse bei den Menschen viel Aufklärungsarbeit leisten, dabei hülfen solche Gespräche wie die am Neumarkt. Denn: „Auch eine liberale Ministerin steht unter Zwängen. Zum Beispiel durch die Auflagen des Robert-Koch-Instituts.“
Schließlich hat sie auch für die Mädchen, denen die Schule die Bauchfreiheit untersagte, einen Rat: „Sucht das Gespräch mit Lehrern und Schulleitung. Lasst euch erklären, warum sie das angeordnet haben.“ Vielleicht müsse es ja nicht gleich ein kategorisches Verbot solcher Kleidung sein. Verbote, sagt ein FDP-Mitglied an einem Stehtisch, sei eh Sache der Grünen.


