Abo

Betrügerbande in Köln vor GerichtFalscher Polizist muss ins Gefängnis

Lesezeit 3 Minuten
Landgericht Köln

Landgericht und Amtsgericht Köln. (Symbolbild)

Köln – Als „Auge und Hand der Hintermänner“ bezeichnete Wolfgang Otten, Vorsitzender Richter am Kölner Landgericht, am Montag Nituene K., nachdem er das Urteil verkündet hatte: fünf Jahre und neun Monate Haft wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs, dem im September und Oktober 2018 mehrere Senioren zum Opfer gefallen sind.

Der 27-jährige, von Cannabis abhängig, wird für drei Jahre in einer Entziehungsanstalt untergebracht. Zwei weitere Männer, die ihm bei den Taten als Fahrer gedient hatten, wurden zu sechs- beziehungsweise siebenmonatigen Bewährungsstrafen verurteilt und müssen je 600 Euro an den Deutschen Kinderhospizverein zahlen. Der vierte Angeklagte ist wegen Beihilfe zu 2400 Euro Geldstrafe verurteilt und der fünfte freigesprochen worden.

Nach Überzeugung der 9. Großen Strafkammer hat sich Folgendes abgespielt. Im Gefängnis lernte Nituene K., der einschlägig vorbestraft ist und ein Geständnis abgelegt hat, einen Mithäftling kennen, der ihn anwarb, an der Betrugsmasche der „falschen Polizisten“ mitzuwirken.

Hintermänner in der Türkei

Die Hintermänner, die in der Türkei sitzen und gut Deutsch sprechen, rufen Senioren in Deutschland an und machen ihnen weis, bei einer festgenommenen rumänischen Einbrecherbande sei ein Zettel gefunden worden, auf dem der Name des Angerufenen stehe. Er müsse damit rechnen, beraubt zu werden; zur Sicherheit solle er Schmuck und Bargeld an einem vereinbarten Ort deponieren, wo alles von einem Polizisten abgeholt werde. Zudem sollten die Senioren Geld von Konten und Sparbüchern abheben und dazugeben, denn betrügerische Bankmitarbeiter würden mit den Tätern unter einer Decke stecken.

„Abenteuerlich“ nannte Otten diese Geschichte. Bei den Zeugenvernehmungen habe sich gezeigt, wie sehr sich die Opfer schämten, hereingefallen zu sein. Das lag auch am hartnäckigen, trickreichen Vorgehen. So spielten die Hintermänner ihnen vermeintliche Telefonmitschnitte mit Äußerungen von angeblichen Bankangestellten vor oder nutzten Rufnummern, die auf 110 endeten. Nituene K. kundschaftete die Tatorte aus, holte das Geld ab und gab es an den ehemaligen Mithäftling weiter. Dafür bekam er 500 bis 1000 Euro; mit dem Geld finanzierte er seinen Drogenkonsum.

Mehrfach Summen über 20 000 Euro ergaunert

In Leverkusen-Schlebusch legte eine 76-jährige Frau in einem Wendehammer 32 500 Euro hinter einen Lkw-Reifen. In Aachen deponierte ein 90-Jähriger 22 000 Euro in einem Stromkasten. Ein 80-jähriger Mann aus Erkrath verkaufte Aktien, hob von mehreren Konten Geld ab und mietete ein Bankschließfach an, um sein Barvermögen dort zu lagern: 100 000 Euro. Die steckte er dann in einen Mülleimer einer Parkanlage. In Köln ergaunerten die Täter mehrfach Summen über 20 000 Euro.

Am 25. Oktober 2018 schlug die Polizei zu, die inzwischen K.s Telefon überwachte. Eheleute um die 80 hatten 22 000 Euro bereitgelegt, doch der Mann tat nur so, als ob er das Geld in einen Müllcontainer werfen würde. Nituene K. erschien – und wurde festgenommen.

Der Haupttäter sei ein „Rädchen im Gesamtgetriebe“ gewesen, sagte Richter Wolfgang Otten, „ohne das es nicht funktionierte“.

KStA abonnieren