Hifi EinsEine neue Dimension der Musik

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Dirk Effelsberg vom Geschäft Hifi Eins will bei seinen Kunden Hörgenuss erzeugen.

Dirk Effelsberg vom Geschäft Hifi Eins will bei seinen Kunden Hörgenuss erzeugen.

Köln  – Es gibt viele Stellen in Köln, an denen man sich vollere Lippen, mehr Oberweite oder eine hübschere Nase zulegen kann, aber wohl nur einen Ort, an dem sich binnen Sekunden der Eindruck verfestigt, man habe ein neues Paar Ohren erhalten. Dabei wendet Dirk Effelsberg vom Geschäft Hifi Eins weder Skalpell noch sonstige chirurgischen Hilfsmittel an. Das einzige, womit er gerne arbeitet, ist die Nadel, die sich mit geradezu menschlichem Gespür auf eine Vinylscheibe herablässt.

Was sonst noch erforderlich ist, um die auf Schallplatte gepressten Informationen in einer Weise zum Trommelfell weiterzuleiten, dass man glaubt, den Konzertflügel förmlich in sich zu tragen, wäre zu kompliziert zu erklären. Da könnte man mit der Konstruktion des Plattenspieler-Tonarms beginnen und mit den mehr als daumendicken Stromkabeln aufhören. Weil die Technik so ausgefeilt ist, dass Otto Normalkunde sich bei der Erläuterung geschlagen geben muss, greift Effelsberg gerne ein Zitat von Altkanzler Helmut Kohl auf: „Entscheidend ist, was hinten herauskommt.“ Und das ist ein Klang, der sich kaum in Worte fassen lässt.

„Ich glaube, es gibt viele Menschen, die gar nicht wissen, dass man in dieser Dimension Musik hören kann“, sagt der Inhaber. Damit meint er nicht, dass kaum jemand über ein ausreichend geschultes Gehör verfügt, sondern dass die Qualität der einzelnen Komponenten – egal, ob Verstärker, Plattenspieler, CD-Player oder Boxen – unendlich von den Geräten abweicht, die etwa in Elektronikmärkten zu finden sind.

Wie das Gros seiner Kunden ist Effelsberg jemand, der Musik zelebriert – ähnlich, wie man das mit einem guten Essen oder Wein tut. Damit hat er auch schon früh begonnen und seinerzeit außer dem Studium an der Sporthochschule als Aushilfe im ehemaligen Hifi-Atelier an der Breite Straße gejobbt.

1999 fing er als Angestellter in seinem heutigen Geschäft an der Severinstraße an, 2006 hat er es vom Vorbesitzer übernommen und dem Standort die Treue gehalten. Längst verfügt der 45-Jährige über so viel Fachwissen, dass er Vorlesungen über Trägermedien und Kabelverbindungen halten könnte. Viel größer ist der Aha-Effekt indes, wenn er vor den Augen des erwartungsvoll im Ledersessel sitzenden Kunden zu einer der Anlangen schreitet, sich die Baumwollhandschuhe überstreift, was seine Wertschätzung gegenüber dem Gerät ausdrückt, ein paar Regler betätigt und lächelnd einer Reaktion harrt. Dabei hat der Ausdruck der Freude in der Mimik des Händlers wenig mit dem Preis der Anlage zu tun.

Hörgenuss für die Kunden

Der Hifi-Experte verkauft mit genauso viel Leidenschaft Geräte im unteren Preissegment. Er möchte, dass sich bei seinen Kunden Hörgenuss einstellt, was seiner Meinung nach weder passieren kann, wenn man Musik übers Smartphone aufnimmt, noch, wenn man ein paar Testsieger-Geräte miteinander verkoppelt. Er müsse viel über den Raum, die Hörbedürfnisse und die optischen Vorstellungen des Kunden wissen, um ihn optimal beraten zu können, sagt Effelsberg.

Wie viele seiner Stammkunden zieht er selber die Schallplatte jeder CD vor und ist überzeugt, dass Letztere wieder verschwinden wird, während die Vinylscheibe bleibt. „Die Schallplatte nimmt einen anderen Status ein. Sie entschleunigt, denn sie zwingt einen dazu, mal 20 Minuten still zu sitzen.“

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