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Genießer aus KölnIm Ehrenfelder Whiskyzirkel wird nichts aus dem Supermarkt getrunken

Lesezeit 4 Minuten
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Torsten Rathke macht sein Hobby zum Beruf.

Köln-Ehrenfeld – Torsten Rathke hält die Nase in ein Whiskyglas, schwenkt die goldbraune Flüssigkeit und nimmt einen kleinen Schluck: „Ja, doch, ein Hauch von Meeresbrise”, sagt er und beäugt noch einmal die Flasche vor ihm. Seinen Ausführungen zum Thema Whisky merkt man schnell an, dass der Mann im Anzug nicht nur ein Genießer, sondern auch ein Kenner ist: „Ich bin jemand, der seine Hobbys gerne zum Beruf macht”, sagt Rathke und stellt das Glas auf dem massiven Holztisch ab.

Der gebürtige Wattenscheider gründete 1999 den Ehrenfelder Whiskyzirkel – kurz EWZ –, einen Zusammenschluss „befreundeter Genießer, die sich im privaten Kreis dem flüssigen Genuss verschrieben haben”. Parallel zu den privaten Clubtreffen bietet der Zirkel inzwischen aber auch moderierte Verkostungen für Nicht-Mitglieder an: „Ich habe mich schon als Student mit Freunden zu Tastings getroffen”, erzählt er, „aber damals war man froh, wenn man sich nur eine gute Flasche leisten konnte.”

Eine Flasche Rum war für den Kölner der Startschuss

Rathke ist promovierter Archäologe, die Idee zum Whiskyzirkel kam ihm ausgerechnet in der ägyptischen Wüste, wo er in den 90ern an Ausgrabungen einer antiken Siedlung beteiligt war. „Wir waren mitten im Nichts, das nächste Dorf war sehr weit weg, es gab keinen Strom”, erzählt er – und Spirituosen gab es erst recht nicht. „Irgendwann aber hat der Grabungsleiter eine Flasche Rum mitgebracht, und das war dann quasi der Startschuss”, erinnert sich der 54-Jährige, „da haben wir uns gesagt: Wenn wir wieder in Köln sind, gründen wir einen Club.”

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Zurück in Deutschland rief Rathke mit Gleichgesinnten dann den EWZ ins Leben, dessen Mitglieder da noch rein privat Wein, Whisky und andere Gaumenfreuden verkosteten: „Damals gab es noch keine geführten Degustationen, wie es sie heute gibt”, erzählt er, „das musste sich zunächst noch etablieren.” Während er in seiner Freizeit gutes Essen und Getränke genoss, wurde die Archäologie zunehmend zu einem harten Brot – die finanzielle Aufmerksamkeit für die Ausgrabungen nahm ab, die Aufträge waren stets zeitlich begrenzt: „Mir wurde bewusst, dass ich davon auf Dauer nicht leben kann”, erzählt Rathke, der sich inzwischen ein umfassendes Wissen zu Whisky und anderen Spirituosen angeeignet hatte. Schließlich rieten ihm Freunde dazu, seine Fachkunde zu nutzen und zum Hauptberuf zu machen – eine Bar oder einen Laden eröffnen aber wollte Rathke nicht. Stattdessen fing er damit an, Whisky-Seminare in seinem Wohnzimmer anzubieten: „Die Veranstaltungen kamen sehr gut an”, erzählt er lachend, „nur bei meiner Frau auf Dauer nicht so ganz.”

Seminare mit hochwertigen Schnäpsen und Likören

Also sah sich Rathke nach einer anderen Location um und wurde nach mehreren Stationen in der Heliosstraße 6a fündig: Seit 2018 treffen sich hier die Mitglieder des EWZ einmal im Monat, um zusammen zu genießen – sowohl Whisky, Gin und Rum als auch Zigarren und gutes Essen.

In den Räumen des Clubs bieten Rathke und seine Kompagnons auch die Seminare an, bei denen die Teilnehmer nicht nur hochwertige Schnäpse und Liköre probieren, sondern auch einiges über die Spirituosen lernen können. Dabei ist es den Mitgliedern besonders wichtig, den Teilnehmenden Neues zu zeigen.

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Was es im Supermarkt zu kaufen gibt, wird man beim EWZ vergeblich suchen: „Neben der Qualität ist auch das unser Anspruch”, erklärt Rathke, der noch einmal betont, dass den Mitgliedern des Zirkels am verantwortungsvollen Konsum gelegen ist: „Es geht nicht um das Rauschtrinken, sondern um den Genuss. Auch wenn unsere Treffen sonntags stattfinden, ist am Montag jeder da, wo er zu sein hat.”  

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