Die 14‑jährige Höhenbergerin Leylana Veselaj füllt ihre Freizeit mit literarischen Arbeiten und debütiert mit ihrer Erzählung „Weyden Hall“.
Achtklässlerin schreibt BuchKölner Jung-Autorin arbeitet an Debüt-Erzählung „Weyden Hall“

Autorin Leylana Veselaj freut sich über die Fortschritte ihres Debüts, „Weyden Hall“.
Copyright: Thomas Dahl
„Systeme kippen nicht durch Gewalt. Sie kippen, wenn jemand anfängt, sie zu verstehen“, beschreibt Leylana Veselaj in ihrer Erzählung „Weyden Hall“ die Erkenntnis einer jungen Frau, die in einen Sog aus Manipulation, Macht und Gewalt gerät – erzählt in präzisen, fast philosophischen Monologen. Was dabei sofort auffällt: Hinter den kraftvollen Worten steckt keine erfahrene Autorin, sondern eine 14‑jährige Schülerin aus Höhenberg. Noch erstaunlicher wird es, wenn man weiß, dass sie erst im November vergangenen Jahres überhaupt mit dem Schreiben begonnen hat.
Vom Lesen zum Schreiben inspiriert
„Ich habe vorher nie viel gelesen und erst recht nicht geschrieben, außer Märchen in der Schule, die aufgrund der begrenzten Zeit aber recht schnell enden mussten. Die Begeisterung kam erst durch meine Oma, die mir Bücher aus ihrer Sammlung ausgeliehen hat. Sie hat mich motiviert“, berichtet die Achtklässlerin mit einem Faible für realistische Romance-Stories und die Malerei.

Großmutter Kerstin Baumgarten (l.) und Mutter Sabrina Acar-Veselaj (r.) unterstützen Leylana in ihrem Wunsch, Schriftstellerin zu werden.
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Als Szenerie für das Debüt schuf sie mit dem Elite-Internat „Weyden Hall“ eine schillernde Fassade, an der die Protagonisten Livia und Aiden aufeinandertreffen. Die Schülerin fühlt sich in der noblen Bildungsstätte eingeengt und dem Willen sowie den Plänen ihres Vaters unterworfen. Der Wunsch nach Ausbruch in eine freie, selbstbestimmte Zukunft bringt beide Jugendlichen in Gefahr, aber auch einander näher.
Ja, man kann sagen, ich träume Geschichten
Auf bisher rund 280 Seiten lässt die Autorin ihre Figuren in einem temporeichen Drama fliehen, vermeintlich in der Sehnsucht ankommen und sich doch wieder verlieren. Die Inspiration für das Geschehen findet die Schülerin an einem unerschöpflichen Ort: „Ich schlafe viel und nehme eine Menge daraus mit. Ja, man kann sagen, ich träume Geschichten, aber auch wenn ich Musik höre, rausgehe oder einfach nur aus dem Fenster schaue, entstehen Ideen. Es ist alles ausgedacht und hat eigentlich nichts mit mir zu tun“, so der Teenager im Gespräch mit dieser Zeitung.
Das Schreiben gestalte sich für sie darüber hinaus zu einer Form der Entspannung: „Wenn ich schreibe, kann ich runterkommen. Dann werde ich ruhig“, erklärt sie. Den Traum einer Veröffentlichung ihres Werkes lässt Leylana gerne zu, behält dabei aber auch ihren Schulabschluss im Blick. Nach dem Abitur soll demnach ein Jurastudium erfolgen. Ihrem Wunsch nach Gerechtigkeit in der Gesellschaft will die Schülerin später als Richterin nachgehen, das Schreiben jedoch nicht vernachlässigen.
„Schriftstellerin ist mein Traumberuf. Die Vorstellung, dass jemand irgendwo auf der Welt mein Buch liest, ist einfach berauschend“, sagt die Kölnerin. Angst vor Kritiken im Zuge einer Publikation habe sie nicht. „Meine Geschichten sind mir wichtig, aber sie machen mich nicht aus. Das bin ich nicht. Mich würde nur der Gedanke beunruhigen, dass nach einem Erfolg andere Autoren kommen, gegen die ich ausgetauscht werde“, sinniert die Schülerin.
Unterstützung in ihrem Bestreben erfährt die Jung-Autorin sowohl durch ihre Familie als auch durch die Schule. „Ich ermutige Leylana, sich zu verwirklichen, egal welchen Weg sie gehen möchte“, zeigt sich Sabrina Acar-Veselaj von der Leidenschaft ihrer Tochter begeistert. Großmutter Kerstin Baumgarten ist nach Einblicken in „Weyden Hall“ von der reifen Stilistik beeindruckt und freut sich auf die kommenden Werke der Enkelin. Deutschlehrerin Büsra Göksu zeigt sich von der Entwicklung der 14-Jährigen bewegt. An der Bildungseinrichtung sei man bemüht, besondere Stärken auch abseits der klassischen Fächer zu fördern, berichtet die Pädagogin.
„Wir sind gerade dabei, den Arbeitskreis Kultur auszubauen und somit jungen Menschen die Möglichkeit zu geben, mittels Workshops oder Wettbewerben ihre Talente zu entfalten. Ich würde mich sehr freuen, wenn Leylana ihr Buch mit der Öffentlichkeit teilt“, so die Pädagogin. Derweil trägt die Autorin bereits den Stoff ihres zweiten Werkes in sich, wie sie verrät: „Es wird sehr krass. Eine Liebesgeschichte. Zumindest könnte man das annehmen. Es ist Dark-Fantasy.“
