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Vor 25 JahrenRedner startet in den Kölner Karneval – Heute ist er in der Bütt ein Top-Star

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Beim Festkomitee stellte sich Martin Schopps vor, indem er unter anderem die Bühnenfigur seines Vaters „Et Rumpelstilzje“ parodierte.

Beim Festkomitee stellte sich Martin Schopps vor, indem er unter anderem die Bühnenfigur seines Vaters „Et Rumpelstilzje“ parodierte.

Talent allein reicht nicht, man muss es wirklich wollen und einen langen Atem haben – sagt Martin Schopps, der im Kölner Karneval seit 25 Jahren auf der Bühne steht.

Es gibt Künstler, die feiern alle fünf Jahre. Zehnjähriges, 15-Jähriges, 20-Jähriges. Hinzu kommt der Kölsch-Faktor, wenn auch eine elfjährige Bühnenpräsenz zu einem Jubiläum deklariert wird. Aus Marketing-Gesichtspunkten ist das durchaus geschickt. Das weiß auch Martin Schopps. „Ich mache das definitiv völlig falsch“, ist sich der 51-Jährige darüber im Klaren, dass er die Zahl 25 in diesem Jahr nicht hervorhebt. „Ich bin aber einfach nicht so ein Winkemännchen.“ Dass Schopps seit nunmehr einem Vierteljahrhundert als Redner im Kölner Karneval unterwegs ist, will er nicht an die große Glocke hängen –  ist aber Fakt.

Martin Schopps: 25 Jahre im Kölner Karneval aktiv

Schopps zählt neben Guido Cantz, Volker Weininger, Marc Metzger und Bernd Stelter zu den gefragtesten Solo-Künstlern in der Bütt. Er habe sich „mühsam nach vorne gearbeitet“, sagt er. Einfach nur Witze aneinanderreihen, ist nicht das Ding des Sohns von Fritz Schopps, der als „Rumpelstilzje“ jahrzehntelang im Karneval gefeiert wurde und 2022 verstarb.

Fritz Schopps stand zum erstenmal gemeinsam mit seinem Sohn Martin zusammen auf der Buehne.

2010 stand Martin Schopps mit seinem Vater Fritz Schopps gemeinsam auf der Bühne.

„Ich habe mitbekommen, wie mein Vater gearbeitet hat und fand das auch immer sehr gut. Eine Rede muss aktuell und bissig sein – und natürlich selbst gemacht – das hat er stets gesagt und hat das 40 Jahre auf der Bühne so durchgezogen.“ Schopps junior sagt, dass es nicht gemein klingen soll, aber zur damaligen Zeit habe es auch Kollegen gegeben, die sich aus der Neuen Revue den ältesten Witz ausgeschnitten und den dann im Saal gebracht hätten. „Es ist mein Anspruch, dass es lustig, aber nicht flach, sondern geistreich ist“, sagt Schopps. „Gerne schwingt auch mal eine zweite Ebene oder eine Kritik in dem Gag mit.“ Sein Vater habe ihm damals gesagt: „Wenn du im Karneval Fuß fassen willst, dann musst du dir Gedanken machen, das ist Arbeit. Harte Arbeit.“

Zuvor erprobte sich Martin Schopps als Klassenclown. „Ich habe als Schüler viel Zeit auf dem Flur verbracht.“ Mehr Zeit im Klassenraum verbrachte er später als Lehrer. „Seitdem ich auf der Bühne das Extrovertierte auslebe, bin ich im Privaten ruhiger geworden“, meint Schopps. Mit 18 Jahren hat er zum Karneval gefunden. Als er seinen Führerschein hatte, fuhr er seinen Vater von Saal zu Saal. „Und da habe ich mitbekommen, wie nett die Menschen in diesem Metier sind, wie warmherzig das alles abläuft und mit was für einem Strahlen mein Vater von der Bühne gekommen ist, wenn es gut gelaufen ist.“

Martin Schopps steht seit nunmehr 25 Jahren auf der Bühne.

Martin Schopps steht seit nunmehr 25 Jahren auf der Bühne.

Mit einem Freund stellte sich Schopps beim „Treffpunkt Nachwuchs“ des Festkomitees vor. Mit einer Parodie auf die eigene Zunft räumten die beiden ab. „Die Rednerschule“ hieß die Nummer, bei der Schopps den „Weltenbummler“ Gerd Rück, Willibert Pauels, Hans Süper und seinen Vater, „Et Rumpelstilzje“ mit deren typischen Stil- und Verhaltensweisen mimte.

In den Anfangsjahren stellt sich der Erfolg nur im Umland ein. „Bei den großen Kölner Gesellschaften kam ich nicht gut an, die wollten ihre Topstars haben“, blickt Schopps zurück. „Und nur, wenn einer von denen mal ausgefallen war, konnte man als Newcomer einspringen.“ Insofern waren gerade in den Anfangsjahren die Vorstellabende besonders wichtig. Aus dem Zwiegespräch wurde dann die Solokarriere, der Beruf des Partners ließ nicht jeden Auftritt zu, doch Schopps wusste, dass er jeden Auftritt annehmen musste, um weiterzukommen: „Ich habe gerne auf den Rat meines Vaters gehört, auch dass er mir geraten hat, ebenso bei den Gagen klein anzufangen.“

„Die Rednerschule“: Darin parodierte Martin Schopps unter anderem Horst Süper, Fritz Schopps, Gerd Rück und Willibert Pauels.

„Die Rednerschule“: Darin parodierte Martin Schopps unter anderem Hans Süper, Fritz Schopps, Gerd Rück und Willibert Pauels.

Vormittags war Schopps Lehrer, abends „Schüler“ in der Bütt – zunächst. 2017 waren inzwischen die Auftrittszahlen auf einem Level, dass der Job in der Schule dran glauben musste. Schopps Vater dagegen hatte seinen Lehrerberuf bis kurz vor der Pensionierung durchgezogen. „Ich habe allerhöchsten Respekt, wie er das geschafft hat“, blickt Schopps zurück und erzählt, wie oft er seinen Vater erschöpft daheim auf dem Sofa hat liegen sehen. „Der ist teilweise von der Schule zum Auftritt gefahren und umgekehrt.“

Auf die Frage, ob der Vater als erfolgreicher Büttenredner eher Fluch oder Segen war, sagt Schopps: „Er war sicherlich ein Türöffner zum Gürzenich, aber durchgehen muss man selbst. Und es lacht keiner, weil du der Sohn von XY bist.“ Sein Vater habe gesehen, dass da Talent vorhanden ist. „Noch wichtiger für ihn war jedoch zu sehen, dass bei mir auch der Wille da ist, das konsequent durchzuziehen.“

Der Karneval sei in den vergangenen Jahren regelrecht explodiert. Die Sitzungssäle sind voll, Martin Schopps ist nach der Session mit sienem Soloprogramm „Elternabend“  unterwegs, im Dezember bilden die beiden mit JP Weber das „Herrengedeck“. Was das Publikum bei dem in Bergisch Gladbach beheimateten Redner bei jedem Auftritt besonders feiert, ist das Krätzchen „Leider nicht“.  Die Idee dazu kam ihm, als er mit seinen Künstlerkollegen Guido Cantz, Klaus Rupprecht und Oliver Blum in Kärnten auf einer Skihütte ein Programm für eine interne Sitzung geschrieben hat. „Das nannte sich Karnevalsaustausch, war aber letztendlich ein großes Besäufnis mit netten Kollegen.“

Hängen geblieben ist das Krätzchen, bei dem es anfangs um Organspenden ging, die man definitiv nicht haben wollte. „Zum Beispiel die Lunge von Helmut Schmidt“, erzählt Schopps. Dass die Zuhörer die Reime stets mit „leider nicht“ vollenden, sei in vielfacher Hinsicht schön: „Du beziehst die Leute mit ein, die Spaß am Mitmachen haben. Zudem nimmst du das Tempo raus. Für mich ist es die perfekte Abschlussnummer. Und ich glaube, für das Publikum auch.“