In diesem Jahr dreht sich bei Deiner Sitzung alles um die Schweiz – und natürlich Mett.
Deine SitzungBeschnittene Mettbrötchen und ganz viel Käse im Kölner Brunosaal

Ebasa, der Meister, und Mirja Boes führen bei Deine Sitzung durchs Programm.
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Nicht nur geopolitisch gerät diese Welt aus den Fugen. Der Veganismus greift um sich, immer seltener können Liebhaber des durchgedrehten Schweinefleischs genussvoll speisen, ohne mit abfälligen Bemerkungen oder Belehrungen über gesundheitliche Risiken konfrontiert zu werden. Für sogenannte „Mettisten“ oder „Mettarier“ braucht es eine Schutzzone. Am Wochenende wurde diese im Klettenberger Brunosaal eingerichtet, wo die drei ersten Ausgaben von Deine Sitzung stattfanden.
Was 2003 im kleinen Kreis begann, hat sich längst zur gefragten und etablierten Karnevalssitzung der alternativen Art entwickelt. Da hier das Hohelied aufs Mett gesungen wird, lautet die Saalrakete denn auch „Backen, Hacken und Mett!“
Deine Sitzung feiert Premiere in Köln-Klettenberg
Hatte das Ensemble vor zwei Jahren Frankreich mit dem „Hack de Triomphe“ als Oberthema auserkoren, hieß es am Samstagabend „Helvetia helau“: Der Brunosaal ging diesmal in die Schweiz, aufs „Metterhorn“ - ob von hinten, von vorn, oder unter einem „Eiger Vorwand“. Comedienne und Schauspielerin Mirja Boes führte als Sitzungspräsidentin durch das Programm – gemeinsam mit Sebastian Pallada, der vom jecken Volk nur als „Ebasa, der Meister“ gefeiert wird. Warum, zeigt der studierte Jazz-Trompeter gleich mehrfach an diesem Abend. Höhepunkt war wie in den Vorjahren, als er inmitten des Publikums sein meterlanges Alphorn erklingen ließ: Als sei es ein Leichtes, spielte er die rasante Melodie von „Hück oder nie“ von Querbeat.

Jürgen Becker stieg in die Bütt.
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Zu diesem Zeitpunkt hatte das begeisterte Publikum schon manchen Gipfel des jecken Geschmacks erlebt und einigen Käse verdaut. Das Land von Heidi, Beatrice Egli und Roger Federer lobt Mirja Boes vor allem deshalb, weil es „Menschen bei sich aufnimmt, die bei uns unerwünscht sind: Alice Weidel.“ Neben dem Ensemble, zu dem das famose Orchester der Liebe mit bekannten Musikern wie Till Kersting und Peggy Sugarhill zählt, treten im Wechsel verschiedene Gäste auf. Ausnahme sind die Pink Poms. Die männliche Cheerleadergruppe ist von Beginn an mit ihren Puscheln dabei und läutet das Finale ein.
Gast-Auftritt von Jürgen Becker
Zuvor stieg am Samstagabend der Mitbegründer der Stunksitzung in die Bütt, den Boes als Ikone des alternativen Karnevals adelte: Jürgen Becker. „Was macht man, wenn der Strom ausfällt? Tennisspielen“, stichelte der Kabarettist gegen Berlins Regierenden Bürgermeister, der kürzlich im Blackout seinem Hobby nachging. Die aktuelle weltpolitische Lage sei schwer zu ertragen, so Becker: „Ich kenne Leute, die gucken jeden Abend Horror-Filme, um mal ein bisschen heile Welt zu sehen.“ Und der Chinese hängt uns bei allen zukunftsweisenden Technologien ab. Becker: „Dagegen wird bei VW seit Jahren daran getüftelt, wie man die Abgaswerte bei Elektroautos manipulieren kann.“ Liedermacher Dan O' Clock sagte später nach seinem Auftritt, Deine Sitzung sei in der heutigen Zeit ein „Safe Space für gute Gedanken“.
Was dieses Format so besonders macht, ist die musikalische Qualität. Mirja Boes, die aus dem Helau-Land Viersen stammt, machte zu Lionel Ritchies „Hello“ Köln eine Liebeserklärung: „Erst Alaaf macht mich zur Frau.“ Peggy Sugarhill begeisterte unter anderem als Jodlerin oder im Duett mit Till Kersting, das zum Duell voller „Nettigkeiten“ ausartete: „Wärst Du das letzte Kölsch auf der Welt – ich hätte Wasser bestellt.“ Ebenso riss die Nummer „DJ und Bobo“ viele Jecke von den Stühlen. Zum Hit „There's a Party“ wurde „Stääne“ von den Klüngelköpp umgedichtet: „Wenn im Kopf die Stääne danze und d'r Dom schwankt hin und her. Un ich weiß nit, wo ich daheim bin, trink ich mehr und mehr.“

Das Orchester der Liebe
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Dass auch türkische, armenische und kurdische Einflüsse mit dem rheinischen Brauchtum hervorragend harmonieren, zeigte Özgür Cebe. „Nur für Björn Höcke werde ich immer ein Kümmeltürke bleiben“, meinte der Stand-up-Comedian. „Konvertiere ich halt zum Christentum, dann bin ich ein Kreuzkümmeltürke.“ Für Cebe gab es stehende Ovationen – und auch mit einem Mettbrötchen kann er sich anfreunden: „Es ist ja beschnitten – und mit Sicherheit halal.“
Weitere Termine: Für den Brunosaal gibt es nur noch am 18. Januar Karten. Danach zieht „Deine Sitzung“ in die Balloni-Hallen nach Ehrenfeld. Tickets sind für Donnerstag, 22. Januar, Sonntag, 25. Januar, Donnerstag, 29. Januar, und Sonntag, 1. Februar, erhältlich.

