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Zeichen gegen Diskriminierung
Toleranzwagen im Düsseldorf Rosenmontagszug – und Köln?

Jacques Tilly (l.) mit dem Entwurf des Toleranzwagens

Jacques Tilly (l.) mit dem Entwurf des Toleranzwagens

Köln – Haben die Düsseldorfer da etwa die Pappnase ganz weit vorn? Schließlich wollen dort Juden, Christen und Muslime erstmals mit einem gemeinsamen Karnevalswagen am Rosenmontagszug teilnehmen. Das hat es in der Geschichte des Karnevals bisher noch nicht gegeben. Passend zum Düsseldorfer Sessionsmotto „Gemeinsam jeck“ wollen die evangelische und die katholische Kirche, die Jüdische Gemeinde und der Kreis der Düsseldorfer Muslime so ein Zeichen gegen Antisemitismus und Diskriminierung setzen.

Tilly in Köln

Satire heißt nicht einfach nur Draufhauen, Verspotten und Verletzen um jeden Preis. Satire sollte sich durch eine innere Haltung auszeichnen,“ sagt der Düsseldorfer Wagenbauer Jacques Tilly. In einem Vortrag für die Giordano-Bruno-Stiftung stellt er die gegenwärtigen Feinde der offenen Gesellschaft bloß. Er basiert auf dem soeben erschienenen Buch „Despoten. Demagogen. Diktatoren.“ Das Vorwort schrieb Kabarettist Jürgen Becker.

Despoten. Demagogen. Diktatoren – Bildervortrag mit Jacques Tilly,17. Januar, 19 Uhr, Das kleine Stapelhäuschen, Fischmarkt 1-3,Eintritt frei

„Toleranzwagen“ heißt der Wagen, den Künstler und Wagenbauer Jacques Tilly entworfen hat und mit seinem Team bauen will. Noch ist die Finanzierung nicht gesichert. Einen Teil der rund 65.000 Euro Kosten für den Wagen soll über Crowdfunding-Spenden zusammenkommen. Am Mittwoch stellte Tilly nun seinen Entwurf vor, der jeweils einen Vertreter der vier Religionsgemeinschaften und einen zugehörigen Kirchenbau zeigt. „Toleranz wird hier endlich mal vorgelebt“, sagte Tilly. „Ich kritisiere gern Religionen. Aber wer Religionen einschränkt, bekommt es mit mir zu tun. Dieser Wagen ist eine Absage an jeglichen religiösen Fundamentalismus.“ 

Auch die Karnevalsoffiziellen sind sehr angetan. „Wir freuen uns sehr über den Toleranzwagen“, sagte Hans-Jürgen Tüllmann, der Geschäftsführer des Comitees Düsseldorfer Carneval. „Er ist eine Bereicherung für unseren Rosenmontagszug.“

Umsetzung in Köln nicht leicht

In Köln ließe sich solch ein Projekt nicht so einfach umsetzen. „Unser Zoch ist doch ganz anders strukturiert und organisiert “, sagte Rosenmontagszugleiter Alexander Dieper. Während in Düsseldorf Gruppen und Festwagen teils über Sponsoren und über Werbung finanziert werden, bezahlt in Köln das Festkomitee. Dieper: „Wir machen den Zoch für unsere Karnevalsgesellschaften.“ Externe Gruppen, wie jetzt die Religionsgemeinschaften in der Landeshauptstadt, werden in Köln nur zu ganz besonderen Anlässen zur Teilnahme am Rosenmontagszug eingeladen.

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So zuletzt der Zentral-Dombau-Verein und der Kölner Männer-Gesangverein jeweils zu ihrem 175-jährigen Bestehen. „Der Düsseldorfer Toleranzwagen ist sicher eine gute Idee. Aber die ist kurzfristig so nicht nach Köln übertragbar oder umsetzbar. Wenn man diese Thematik angehen will, braucht das Vorlauf. Das müsste man dann auch alles erst ausführlich mit den entsprechenden Institutionen besprechen.“

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