In unserer Serie „Köln früher und heute“ stellen wir wichtige Bauwerke, Plätze und Siedlungen in Köln vor. Diesmal: die Frankfurter Straße in Mülheim.
Köln früher und heuteWie die Frankfurter Straße in Mülheim die Buchheimer Straße ablöste

Blick in die Frankfurter Straße vom Mülheimer Bahnhof aus – ein Bild aus dem Jahr 1915
Copyright: Mülheim-Archiv
Das Kölner Stadtbild ist voll von Brüchen, verursacht durch den Krieg und die Moden der Zeit. Alt und neu, öde und ansehnlich wechseln sich munter ab, so wie an der Kreuzung von Frankfurter Straße, Vincenzstraße und Montanusstraße in Mülheim. Das gründerzeitliche Eckhaus auf der linken Seite des aktuellen Fotos hat die Jahrzehnte erstaunlich originalgetreu überstanden, während sein Gegenüber nur auf den zweiten Blick preisgibt, dass es im Kern noch dasselbe Gebäude ist wie auf der Ansichtskarte aus dem Jahr 1915.

Die Kreuzung von Frankfurter Straße, Montanusstraße und Vincenzstraße ist ein Sammelsurium an alt und neu, schön und öd.
Copyright: Tobias Christ
Die ursprüngliche Dachlandschaft ist heute verschwunden, die einst neobarocke Gestaltung von historisierendem Zierrat befreit, wie es von den 1920er bis in die 1970er Jahre gängige Praxis war. Der Risalit, der vorspringende Gebäudeteil in der Mitte der Fassade, ist nur noch in Ansätzen vorhanden. „Das ist eigentlich heute langweilig“, sagt der frühere Kölner Stadtkonservator Ulrich Krings. Postmodern cool dagegen das dunkle Wohn- und Geschäftshaus auf der anderen Straßenseite.
Mit Fertigstellung der Mülheimer Brücke wurde die Frankfurter Straße zur Hauptgeschäftsstraße
Hätte sich der damalige Fotograf um 180 Grad gedreht, wäre der Mülheimer Bahnhof von 1909 sein Motiv gewesen. Die Bahngleise wurden in dieser Zeit aus dem Mülheimer Zentrum an die Montanusstraße verlegt, wo den Reisenden ein stattlicher Jugendstilbau zur Verfügung stand. Der neue Bahnhof sorgte auch für einen Entwicklungsschub der Frankfurter Straße, die mit großstädtischen Gründerzeitbauten flankiert wurde. In der Nähe entstand der Stadtgarten samt umliegenden Straßen mit guten Wohnadressen. „Das ist ein riesiger Stadtumbau gewesen“, so Ulrich Krings.
Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs war es damit vorbei. Erst 1929 wurde fertig, wozu sich die Kölner schon bei der Eingemeindung Mülheims am 1. April 1914 verpflichtet hatten: die erste feste Mülheimer Brücke. Was gut war für Autofahrer, war schlecht für die Geschäfte an der Buchheimer Straße parallel zur Brücke. Als Einkaufsstraße büßte sie an Attraktivität ein. Die Frankfurter Straße hingegen, die geschichtsträchtige Handelsroute von Mülheim Richtung Frankfurt, entwickelte sich zur Hauptgeschäftsstraße des Stadtteils.

