Geschichtsträchtiges ArealStadt Köln will KHD-Gelände in Mülheim durch Kauf retten

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Rund 250 Meter lang ist die ehemalige Hauptverwaltung von KHD an der Deutz-Mülheimer Straße

Rund 250 Meter lang ist die ehemalige Hauptverwaltung von KHD an der Deutz-Mülheimer Straße

Köln – Mit einem einstimmigen Votum hat der Liegenschaftsausschuss des Stadtrates eine Rettungsaktion für das so genannte „Otto und Langen-Quartier“ in Mülheim gestartet. Das Areal, auf dem einst der Otto-Motor erfunden wurde und später Klöckner Humboldt Deutz seine weltweiten Geschäfte verwaltete, soll nicht wie die umliegenden Gebiete zu Höchstpreisen an Private verkauft werden. Es besteht die Chance zu einer vorbildlichen Quartiersentwicklung sowie zum Erhalt von Industriedenkmälern.

Eingriff ins Eigentumsrecht

Der einstimmige Beschluss ist bemerkenswert – nicht nur weil es in beginnenden Wahlkampfzeiten gelang, eine parteiübergreifende Einigung zu erzielen. Mit dem Beschluss bekunden die Stadtpolitiker auch, dass sie den Umgang mit wertvollem Grund und Boden in der Stadt nicht nur dem freien Markt überlassen wollen.

Das Instrument, das die Stadtverwaltung zur Rettung des geschichtsträchtigen Quartiers vorschlägt, ist das so genannte „besondere Vorkaufsrecht“. Die Stadt erklärt, dass die Grundstücke kaufen will und behindert so eine Einigung zwischen privaten Verkäufern und Käufern. Der Eingriff ins Eigentumsrecht wird mit dem allgemeinen Interesse und dem Wohl der Allgemeinheit begründet. Um bestimmte Planungsziele zu erreichen, dürfen Kommunen „Schlüsselgrundstücke“ erwerben und eine Veräußerung an Dritte vorläufig verbieten. Der Stadtrat soll in seiner Sitzung am 26. März einen entsprechenden Satzungsbeschluss fassen.

Das Gelände zwischen Deutz-Mülheimer Straße und Auenweg gehört drei verschiedenen Eigentümern. Der Handlungsdruck war entstanden, weil der Eigentümer der ehemaligen KHD-Hauptverwaltung mit ihrer imposanten Backsteinfassade angekündigt hatte, seinen Besitz verkaufen zu wollen. Den Künstlern der Initiative „Raum13“, die das  Haus in den vergangenen Jahren in das „Zentralwerk der schönen Künste“ verwandelt haben, hatte er gekündigt.

Verhandlungen mit dem Land

Hinter dem Verwaltungstrakt liegt ein Areal mit mehreren alten Fabrikhallen, das der Landesgesellschaft NRW Urban gehört. Im Liegenschaftsausschuss sagte die zuständige Dezernentin Andrea Blome, dass man sich in guten Verhandlungen mit dem Land befinden würde. Sie sei zuversichtlich, dass man sich  einigen könnte. Danach hatte es in den vergangenen Monaten nicht ausgesehen, weil das Landesfinanzministerium einen Verkauf zu hohen Marktpreisen durchsetzen wollte. Das Landes-Bauministerium bestätigte auf Anfrage des „Kölner Stadt-Anzeiger“, dass man nun „lösungsorientierte Gespräche“ mit der Stadt führe.

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 „Wir sind stolz und glücklich, dass sich Politik und Verwaltung einvernehmlich dafür entschieden haben, das Quartier zu kaufen“, sagte Marc Leßle von „Raum13“ nach dem politischen Beschluss. Nun könne ein „zukunftsweisendes  Stadtentwicklungsprojekt“ möglich werden. Bei einer Kunst- und Solidaritätsaktion am kommenden Freitag, 13. März, um 19 Uhr sollen die „Zukunftschancen“ in dem Haus an der Deutz Mülheimer Straße 147- 149 als „Performance“ inszeniert werden. Der Eintritt ist frei.

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