Vergangenes Jahr schloss der Galerist nach 60 Jahren seine Galerie. Sein Leben widmete er der Kunst.
„Leben geprägt durch die Kunst und für die Kunst“Kölner Galerist Knut Osper gestorben

Knut Osper in seiner Galerie in der Pfeilstraße, die er 2025 nach 60 Jahren aus Altersgründen schloss.
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Es fiel ihm schwer, seine Galerie-Räume abzugeben. „Ich müsste 20 Jahre jünger sein, dann würde ich weitermachen“, sagte er noch bei einem Besuch vor einem Jahr. Knut Osper schloss Ende Mai vergangenen Jahres seine Kunsthandlung in der Pfeilstraße nach 60 Jahren. In all der Zeit sei ihm nie in den Sinn gekommen, Köln zu verlassen. Auch nicht, als die Mauer fiel und viele Galeristen nach Berlin abwanderten, das neue Zentrum der deutschen Kunstszene sich allmählich vom Rhein in die Hauptstadt verschob.
Ein Jahr nach der Schluss-Ausstellung „Schatzsuche“ ist Knut Osper am 11. Mai im Alter von 81 Jahren gestorben. Seine Familie erinnert an ihn mit den Worten: „Ein Leben geprägt durch die Kunst und für die Kunst ist zu Ende gegangen.“

Der Galerist als junger Mann: Knut Osper (r.) mit Künstler Bruno Bruni Ende der 1980er Jahre
Copyright: Gakerie Osper
Osper eröffnete seine Kunsthandlung, da war er gerade 20 Jahre alt. Der junge Kunsthändler glaubte fest daran, dass Köln der richtige Standort ist – vor allem aus wirtschaftlicher Sicht. „In Köln und im Rheinland gibt es viel altes Geld“, sagte er. Kaufkräftige Kunden aus Industrie und Wirtschaft, für die das Kunstsammeln zum Statussymbol und zum Selbstverständnis wird. Osper erzählte bei jenem Besuch, dass es rundum die heute hippe Einkaufsmeile Ehrenstraße damals alles andere als mondän und schick zugegangen sei. Die Gegend sei eher heruntergekommen gewesen, mit vielen Kneipen und Bordellen in der Brinkgasse.
Knut Osper konzentrierte sich auf Kunst nach 1945
Osper stammte aus einer Bocholter Kaufmannsfamilie und arbeitete zunächst bei einem Kunstverlag. Doch er wollte sich selbständig machen und übernahm die Räume in der Pfeilstraße. Die Begegnung mit dem legendären Galeristen und Sammler Heinz Berggruen prägte den Kunsthändler, Berggruen gab ihm bei einem Besuch in Paris 24 Picasso-Grafiken in Kommission und bewies so sein Vertrauen in den Kölner Galeristen.
Bis in die 80er-Jahre hinein fuhr Osper regelmäßig nach Paris und beschaffte Werke von Mirò, Matisse, Chagall und Picasso. Bald fokussierte er sich auf die „Klassische Moderne“, also Kunst nach 1945. Zu seinem Portfolio gehörten auch der Kölner Künstler Anton Räderscheidt, Georg Baselitz, Markus Lüpertz sowie die Künstlerin Niki de Saint Phalle.
Und: Gerhard Richter, von dem das Bild stammte, das er vor neun Jahren für 8,7 Millionen Euro an einen privaten Sammler verkaufte. Es war der höchste Verkaufspreis in Ospers Karriere. Noch vergangenes Jahr schmückte ein Richter-Gemälde im Wert von 900.000 eine Wand in seinem Büro.
Zuhause in Lövenich umgab sich Knut Osper mit Gemälden von Karel Appel, mit dem er befreundet war, außerdem von Baselitz, Anton Räderscheidt und Bernd Schwarzer; er erzählte von den Skulpturen von Hannes Helmke in seinem Garten. Die schillernde Persönlichkeit Osper verband Kunstgeschäfte häufig mit Genuss, Kundengespräche fanden nicht selten bei gutem Wein und Essen statt. Für ihn galt Zeit seines Lebens das Motto: Netzwerken und Vertrauen schaffen.
