Janne Ahrenhold über Frauen, die sich ihren Kinderwunsch per Samenspende erfüllen.
Kölner Geschichten 2025„Ich habe so viel Liebe zu geben“

Der Wunsch von ihrem „Familienglück mit Kind“ hat sich erfüllt: Susan Bollig ist Mutter eines anderthalbjährigen Kindes – und setzt sich nun für andere Solofrauen mit Kinderplänen ein.
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Mama, Spender, Kind – über diese Familienkonstruktion habe ich in unserer diesjährigen Sonderausgabe, der „Stadt-Anzeigerin“, zum Weltfrauentag berichtet. Fünf Frauen haben mir davon erzählt, warum sie sich gegen eine Schwangerschaft mit Partner oder Partnerin und stattdessen für die Befruchtung durch einen völlig fremden, anonymen Spender entschieden haben.
Das waren nachdenklich stimmende und zugleich wahnsinnig inspirierende Gespräche – auch, weil das Thema Kinderwunsch als Mitreißigerin ein hochsensibles ist und so viele Facetten – emotionale, rechtliche und finanzielle – beinhaltet. Es geht um die tickende Uhr der Fruchtbarkeit, um das Aufbäumen gegen traditionelle Werte, darum, den Richtigen zu finden, ums Abschiednehmen von Plan A, Selbstbestimmung und die Frage, wie egoistisch es ist, eine Kunst auf diese Kunst in die Welt zu setzen.
Beeindruckt hat mich die Selbstreflexion und die Stärke dieser tollen Solomütter und werdenden Mamas. Kinderkriegen seien die meisten Egoisten, ob mit oder ohne Partner, sagten sie. Im Falle von Samenspenden ist die Entscheidung für eine Kunst aber vermutlich sogar sorgfältiger und rationaler durchdacht als aus einer romantischen Laune hinaus, oder ungeplant. Vergleiche, das zeigte die Geschichte auch, ist aber sowieso nicht angebracht.
„Mein Kind und ich, wir sind eine Familie“, machte Protagonistin Susan Bollig völlig selbstverständlich klar. Und entscheidend ist am Ende doch vor allem eines: „Ich habe so viel Liebe zu geben“, sagte die damals schwangere Rosa Welsch in völliger Vorfreude auf ihr Kind – es ist in diesem Juli auf die Welt gekommen.
Immer am Jahresende schreiben Mitglieder der Kölner Stadt-Anzeiger-Redaktion über die Geschichten, die sie besonders tief berührt, manchmal aber auch erheitert haben - Geschichten, die ihnen im Kopf geblieben sind. Reporterin Janne Ahrenhold fiel die Wahl nicht schwer – ihre Geschichte über die vier Kölner Mütter erschien im März 2025.

