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Ausstellung in KölnStudierende zeigen ihre Werke zum Thema Selbst- und Fremdbild

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Ein Bild mit weißen Wachsflecken auf weißem Grund hängt an einer Wand.

„Fingerspitzengefühl“ heißt das Werk von  Yue Cao. Die Chinesin arbeitete mit Wachs auf Papier. 

Im Belgischen Viertel sind Werke junger Künstler zu sehen. Sie sind „known to others“, eine Referenz an das kommunikationstheoretische Modell des „Johari-Fensters“.

„Der schönste Raum ist ganz oben/Man sieht also verglast auf allen Seiten/hoch zum Wintergarten und durch die Dusche/wie im Maarweg vor drei Jahren/den Himmel/steht man da/und wir liegen im Bett/jemals gegenüber der Badewanne/in wie vielen wie kalten Laken/die du immer wolltest/dann“, beschreibt Ella Kühn in „Rohbau (Abschnitt 8)“ in lyrischen Zeilen innere und äußere Impressionen über ein Objekt, das als unscheinbare Fotografie einer Fassade mit Wahrnehmung oder Unmerklichkeit spielt. Kaum übersehbar als auch überhörbar erscheint dagegen Luca De Marcos mechanische Konstruktion „Attention Span“ („Aufmerksamkeitsspanne“), dessen zweiköpfige Skulptur im zeitlichen Intervall mit Wucht auf zwei Smartphones schlägt.

Kunsthochschule für Medien zeigt Ausstellung zum Johari-Fenster

Die Exponate gehören zur aktuellen Ausstellung von 14 Studierenden der Kunsthochschule für Medien Köln (KHM) in der DOD Gallery. Die umfangreiche Werkschau „Known to others“ („Anderen bekannt“) markiert den zweiten von vier Teilen einer wissenschaftlichen Darstellung unter der Leitung von Professor Johannes Wollseifer. Im Fokus steht dabei das sogenannte „Johari-Fenster“ – ein sozialpsychologisches Modell, das Selbst- und Fremdwahrnehmung visualisieren soll. Neben Objektkunst, Fotografien, Malereien, Drucken und Zeichnungen ergänzen Videos, Skulpturen sowie Textil- und Wachsarbeiten das Repertoire. Als wesentliche Aufgabe sollten die Teilnehmer des Projekts künstlerische Haltungen und Ausdrucksweisen verdichten, diese im Arbeitsprozess jedoch auch mit anderen teilen und weiterentwickeln.

Ich interessiere mich für das Traumhafte im Alltäglichen.
Saioa Fischer Abaigar

Frei in den Darstellungsformen entwickelten die zukünftigen Hochulabsolventen im kurzen Zeitrahmen ein Spektrum an figürlichen, gegenständlichen und abstrakten Kreationen. „Ich habe schon bei der Auftaktveranstaltung ‚Not known to self‘ im letzten Jahr mitgewirkt. Damals ging es darum, was man nicht sieht“, berichtet Saioa Fischer Abaigar. Mit ihren Pastell-Malereien „Ripples“ („Kräuselungen“/„Kleine Wellen“) kippt die Künstlerin Welten und lässt Passanten in ungewöhnlicher Perspektive an einem rosafarbenen Strand flanieren.

Zwei Bilder in Rottönen hängen nebeneinander.

„Ripples“, Saioa Fischer Abaigar, zeigt verfremdete Strandszenen, Pastell auf Papier, 2025.

„Es ging mir einerseits darum, vertraute Szenen zu zeigen, andererseits interessiere ich mich für das Traumhafte im Alltäglichen“, erklärt die Studentin. Kommilitonin Yue Cao verwob im Zuge des Projekts Kindheitserinnerungen mit der Gegenwart: „Mein Lieblingswort im Deutschen ist ‚Fingerspitzengefühl‘. Ich denke dabei an die Zeiten, in denen ich meine Finger immer in das heiße Wachs einer brennenden Kerze getunkt habe“, so die gebürtige Chinesin. Für die Ausstellung schuf Cao eine Sammlung einzigartiger Abdrücke ihrer Fingerkuppen, die durch ein Performance-Video komplettiert werden. Zukünftig möchte die junge Frau sich auch verstärkt mit den Möglichkeiten der Klangkunst beschäftigen. Den Abschluss des Zyklus bilden Folgeausstellungen im Mai und Endes dieses Jahres. 


Die Kunsthochschule für Medien wurde 1989 gegründet. Die Eröffnung erfolgte ein Jahr darauf. Das Studium „Mediale Künste“ umfasst die Fächergruppen „exMedia“ (Animation/3D, Experimentelle Informatik, Räume als Prozesse, Sound und Transformation Design, Literarisches Schreiben), „Film und Fernsehen“, „Kunst“, „Kunst und Medienwissenschaften“. Der Studiengang wird mit einem Diplom oder der Promotion abgeschlossen. Jährlich sind an den sechs Kölner Einrichtungen (Hauptgebäude: Heumarkt 14) rund 400 Personen eingeschrieben. 

„Known to others“, DOD Gallery, Lütticher Straße 44, 50674 Köln, Mit Arbeiten von Camille Batteux, Thilo Brämer, Yue Cao, Sihan Chen, Jeongan Choi, Saioa Fischer Abaigar, Johannes Hoffmann, Thea Kleinhempel, Alysha Lahner, Luca De Marco, Ahona Mukherjee, Selin Bahar Sarikaya, Hannah Uszball, 17171717171717, Johannes Wohnseifer, bis Freitag, 27. März, Öffnungszeiten: Mittwoch bis Samstag 16 bis 19 Uhr, Eintritt frei, www.dodgallery.com