Nach einem Marderangriff vor einem Jahr leben wieder Hühner im Sozialpsychiatrischen Zentrum Innenstadt in der Loreleystraße. Auch dank Spenden von Ford.
Hühner in der SüdstadtAnlaufstelle in der Loreleystraße hat tierische Bewohner

Robert Schlappal (l.) und SPZ-Mitarbeiter Birger Kilian freuen sich über das neue Gehege und seine Bewohner.
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In der Loreleystraße gackert es wieder: Sechs Hühner sind im April ins Sozialpsychiatrische Zentrum Innenstadt (SPZ) eingezogen. Frida, Gretel, Jeanny und ihre drei Artgenossinnen leben dort in einem neuen und sichereren Gehege.“ Wir hatten schon länger überlegt, ein neues Gehege zu bauen, aber dafür fehlte erst einmal das Geld und die Manpower“, sagt SPZ-Leiter Robert Schlappal.
Seit 2015 hält das SPZ Hühner. Was zunächst vor allem wegen der Eier begann, entwickelte sich schnell zu einem wichtigen sozialen Projekt. „Unsere Besucher und die Nachbarn, die sich um die Hühner kümmern, haben eine Bindung zu den Tieren aufgebaut“, erzählt Schlappal. Die Hühner seien so zu einem Teil eines niedrigschwelligen Angebots zur Förderung von Teilhabe, Tagesstruktur und Selbstwirksamkeit für Menschen mit psychischen Erkrankungen geworden. Psychisch, chronisch kranke Menschen und ihre Angehörigen können das SPZ an fünf Tagen in der Woche nutzen. Sie erhalten hier Unterstützung, ohne die sie oft nicht in der Lage sind, am gesellschaftlichen und beruflichen Leben teilzuhaben. Laut Schlappal besuchen das SPZ täglich zwischen 20 und 40 Menschen.
Marder tötete Hühner
Vor rund einem Jahr war die Hühnerhaltung abrupt beendet worden: Ein Marder drang nachts ins Gehege ein und tötete alle Tiere. „Das war furchtbar, wir waren alle entsetzt“, erinnert sich Schlapal. Aufgrund des Schrecks habe zunächst niemand daran gedacht, erneut Hühner anzuschaffen, schildert er. Doch die Tiere fehlten im Alltag der Einrichtung. Unterstützung kam von Ford: Eine ehrenamtliche Hühnerbetreuerin brachte die Idee in ihren Betrieb ein. Der Autobauer unterstützte das Projekt mit 2000 Euro, zudem halfen Mitarbeitende bei mehreren Arbeitseinsätzen mit.
So entstand ein neues Gehege mit Hühnerhaus, Rückzugsmöglichkeiten und einer zweiten Ebene. Fertiggestellt wurde es bereits im Herbst vergangenen Jahres. Mit der Anschaffung neuer Tiere wartete das SPZ allerdings bis zum Frühjahr. „Es sollte erst wärmer werden“, erklärt Schlappal. Die neuen Hühner stammen von einer Hobbyzüchterin aus Much. „Die Tiere haben sich prima eingelebt und sind ganz zutraulich.“ Das Gehege bietet Platz für bis zu 15 Tiere.

Nachbarsmädchen Edda betreut ehrenamtlich die Hühner im SPZ.
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Auch die zehnjährige Edda aus der Nachbarschaft ist glücklich über die neuen Hühner. Sie gehört seit einigen Jahren mit ihrer Mutter zu den ehrenamtlichen Hühnerbetreuern, die die Tiere füttern und das Gehege säubern. „Ich mag die Hühner total gerne. Es macht mir Spaß, mich um sie zu kümmern. Man kann sie auch streicheln und auf den Arm nehmen, das ist total schön“, freut sich das Mädchen. Sie hat auch ein Patenhuhn: Frida.
