Sitzen statt ParkenAus Kölner Parkplätzen werden Hochbeete

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 Laura Sahm und Klaus Harzendorf im Gespräch auf der Zwirnerstraße. 

  • Aktivisten haben in Abstimmung mit der Stadt sechs Parkplätze im Vringsveedel und im Pantaleonsviertel kreativ umgebaut.
  • Ob Hochbeet, Sitzgelegenheit oder Bühne für Musiker — die Ideen sind vielfältig.
  • Das Projekt „Mut zur Lücke“ stößt allerdings nicht bei allen auf Gegenliebe.

Südstadt – „Mut zur Lücke“ haben alle bewiesen, die an dem Projekt gleichen Namens beteiligt waren: Anwohner, Aktivisten der Agora und nicht zuletzt die Mitarbeiter der Stadtverwaltung. Denn in Köln – und dann auch noch in der Südstadt – Parkplätze in Sitzgelegenheiten mit Hochbeeten umzuwandeln, ist ein Unterfangen, das nicht ausschließlich auf Gegenliebe stößt.

Martin Herrndorf von der Agora, einem Netzwerk aus 160 Initiativen, die unter anderem den Tag des guten Lebens organisiert, erklärt, worum es geht: „Wir wollen, dass der öffentliche Raum vielfältiger und bunter genutzt wird. Dafür sollen Plätze für gemeinsame Aktivitäten geschaffen, Außengastronomie gefördert und Flächen für Mobilität neu verteilt werden.“

Dazu haben die Aktivisten sechs Parkplätze im Vringsveedel und im Pantaleonsviertel kreativ umgebaut. Auf der Dreikönigenstraße am Bürgerhaus Stollwerck sind ein Barfuß-Pfad und eine provisorische Bühne entstanden. Nicola Wähner engagiert sich dort: „Ich gebe im Stollwerck Kindertanzkurse. In Corona-Zeiten ist es schwierig, Auftrittsmöglichkeiten zu bekommen. Ich werde die Lücke für Auftritte mit meinen Kindern nutzen.“

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Nicola Wähner testet den Barfußpfad auf der Dreikönigenstraße.

Kreativ geht es auch zu auf dem ehemaligen Parkplatz an der Zwirnerstraße in Nähe der Grundschule. Laura Sahm ist hier aktiv. „Wir haben hier einen Tausch-Schrank für Kinderbücher sowie eine Pumpe für Fahrräder. Und Gemüse wie Kürbisse und Tomaten in den Hochbeeten.“ Sitzen kann man dort auch gemütlich. Eine professionelle Musikerin hat angeboten, ein Konzert zu geben. „Das findet besser bei euch statt wegen des Lärms“, sagt Laura Sahm zu Nicola Wähner. Man ist bestens vernetzt.

Anwohner befürchten Lärmbelästigung

Lärm ist ein Thema für einen Anwohner der Zwirnerstraße. „Ich schlafe drei Meter von der Bank entfernt. Die steht vor meinem Schlafzimmer-Fenster. Das Projekt ist gut, aber nicht an dieser Stelle.“ Das greift Herrndorf sofort auf: „Wir wollen ja niemanden verärgern. Gut möglich, dass wir uns eine andere Stelle auf der Zwirnerstraße suchen.“

Die enge Abstimmung mit den Anwohnerinnen und Anwohnern ist der Agora wichtig. Zu Beginn des Jahres hatte es Spaziergänge und Workshops mit den Südstädtern gegeben, auf denen die sechs Plätze festgelegt wurden. Neben Zwirnerstraße und zwei Plätzen am Stollwerck findet man „Mut zur Lücke“ noch auf dem Martinsfeld mit zwei Parkplätzen, im Moment am „Baui“ und vor der Kartäuserkirche.

Die Kosten betragen pro Platz 1000 Euro. Das Geld stammt aus Fördermitteln des Bundes. Klaus Harzendorf, Leiter des Amtes für Straßen und Verkehrsmanagement, hofft, „dass das ein tolles Projekt und von den Leuten angenommen wird“. Er verweist darauf, dass „Mut zur Lücke“ am 31. Oktober verabredungsgemäß endet. „Dann werten wir die Erfahrungen aus und schauen mal, ob wir das fortsetzen.“

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