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Finanzierung unklar40 Jahre Selbsthilfe in Köln – Kontaktstelle verzeichnet große Nachfrage

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Fachkraft Öznur Naz (l.) und Kreisgruppengeschäftsführerin Claudia Reischauer koordinieren mit ihren Teams die Selbsthilfe Kontaktstelle in Köln.

Fachkraft Öznur Naz (l.) und Kreisgruppengeschäftsführerin Claudia Reischauer koordinieren mit ihren Teams die Selbsthilfe Kontaktstelle in Köln.

Die Einrichtung des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Nordrhein-Westfalen wurde 1986 gegründet und umfasst zurzeit rund 250 Gruppen.

Depressionen, Ängste, Essstörungen, posttraumatische Belastungsstörungen, Borderline, Missbräuche, ADHS, Einsamkeit, Drogensüchte und Tod gehören seit Beginn der Dokumentation im Jahre 1995 zu den zehn meistangefragten Themenkomplexen in der Selbsthilfe Kontaktstelle Köln. Zurzeit zählt die Einrichtung in Trägerschaft des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes NRW rund 250 verschiedene Gruppen, in denen Menschen mit unterschiedlichsten Problemen regelmäßig zusammenkommen, um über ihre Erfahrungen zu sprechen. So konnten alleine im vergangenen Jahr zehn neue Gruppierungen, darunter auch Bindungs- und Entwicklungstraumata, das Thema hochbegabte Erwachsene sowie Trauer um Haustiere, realisiert werden.

Haus am Marsilstein wird zur festen Größe

Nahezu 17.200 Kontakte über die Zentrale (ohne Berücksichtigung sozialer Medien) belegen für 2025 eine hohe Nachfrage nach den Angeboten. 2026 blickt die Einrichtung auf ihr 40-jähriges Bestehen zurück und wagt vorsichtige Blicke in die Zukunft. „Der Beginn des Unterfangens war noch recht stockend. Es hat etwas gedauert, bis die Idee einer sich tragenden Selbsthilfegruppe durchsetzen konnte, denn der Personalstand war damals sehr klein“, berichtet Öznur Naz über die Gründertage. Mittlerweile gehöre das Haus am Marsilstein zu den größten von 38 Adressen im nordrhein-westfälischen Verband des Paritätischen.

Das Prinzip des Selbstkümmerns sei weiterhin der tragende Gedanke im Konzept, so die Diplom-Pädagogin. Neben den Vermittlungen gehören Beratungen und Kooperationen mit bestehenden Fachstellen aus dem Sozial- und Gesundheitsbereich zu den Offerten des Kontaktbüros. So konnte die Zusammenarbeit mit Hochschulen oder Berufskollegs sukzessive ausgebaut werden. Mithilfe einer etwa 100 Adressen umfassenden Raumkartei unterstützen die Mitarbeiter Gruppen bei der Findung eines kostenlosen oder niedrigpreisigen Treffpunkts.

Obgleich die Inhalte der verschiedenen Gruppierungen vielfältig sind, bleibt die konkrete Nutzung seit Dekaden in puncto Geschlecht einseitig: „Man muss ganz klar sagen, dass Selbsthilfe vor allem weiblich besetzt ist. Männer sind in der Minderheit. Auch fällt auf, dass Menschen mit Migrationshintergrund eher selten dabei sind“, berichtet Öznur Naz. Unabhängig davon blicken die Initiatoren mit Sorge auf die langfristige Fortsetzung der Arbeit: „Bisher kann man von einer vorbildlichen Unterstützung durch die Kommune sprechen. Aber wir bieten Kann- und nicht Mussleistungen an, die von Einsparungen im Haushalt schwer betroffen werden können“, erklärt Kreisgruppen-Geschäftsführerin Claudia Reischauer. Um auf die Wichtigkeit der Austauschmöglichkeiten und gegenseitigen Stärkungen in persönlichen Krisen aufmerksam zu machen, steht unter anderem Oberbürgermeister Torsten Burmester auf der Gästeliste für die Jubiläumsfeierlichkeiten im kommenden Herbst.


Der Paritätische Nordrhein-Westfalen, Selbsthilfe-Kontaktstelle Köln, Marsilstein 4–6, 50676 Köln, Telefon: 0221 95154223, Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag 09 bis 16 Uhr, Freitag 09 bis 12.30 Uhr, www.selbsthilfe-koeln.de