Das Ensemble Elsa Artmann/Sanfte Arbeit zeigt in „A Change is as Good as a Rest“ in der Kölner TanzFaktur, wie Arbeit und Erholung verschmelzen.
Bewusst gegen den TaktTanzperformance in Köln hinterfragt die Rhythmisierung von Arbeit und Leben

Anne-Lene Nöldner (l.) und Diana Treder in „A Change is as Good as a Rest“.
Copyright: Robin Junicke
„Your rest is more work for me … “ („Deine Erholung bedeutet mehr Arbeit für mich …") heißt es in der Performance „A Change is as Good as a Rest“ des Ensembles Elsa Artmann/Sanfte Arbeit. Das englische Zitat entspricht dem Leitsatz „Abwechslung tut gut“ und wurde zur Grundlage für eine Live-Audio-Tanz-Aufführung, die laut Auskünften der Künstlerischen Leiterin mit herkömmlichen Mustern der Theatralik bricht.

Choreografin und Tänzerin Elsa Artmann befürwortet Ausbrüche aus dem Alltäglichen.
Copyright: Thomas Dahl
„Wir beschreiben das Stück von innen heraus poetisch. Es wird eine ästhetische Besonderheit, die visuell nicht unbedingt erkennbar ist“, erklärt Choreografin und Tänzerin Elsa Artmann den finalen Akt einer Tetralogie, die zwischen 2022 und 2025 bereits drei Werke auf die Bühne brachte. Die aktuelle Produktion erlebt ihre Köln-Premiere nun am 17. April in der Deutzer TanzFaktur. Das Werk ist für ein sehendes wie für blindes und sehbehindertes Publikum zugänglich. In der rund 70-minütigen Performance beschäftigen sich die Macherinnen des Projekts kritisch mit dem Themenkomplex Zeit und Arbeit im Kulturkapitalismus.
Der Titel des Stücks ist in Bezug auf die Arbeit als Freiberuflerin eine verführerische Lüge.
Sie könne sich sehr gut einreden, dass selbst ihre Regenerationszeit noch kreativ gestaltet werden müsse, denn diese sei auch immer Gegenstand und Produkt ihrer Arbeitswelt, erklärt Artmann. Demnach gehöre die Freiberuflichkeit zur Selbstentfaltung und bejahe in vielerlei Hinsicht die vorherrschenden Strukturen des Arbeitsmarktes. Die Frage nach Ruhephasen und deren Einhaltung fließe unmittelbar in die nächste Entscheidung ein, welche Arbeit man unterbrechen und wie oder wo man diese fortsetzen könne. „Der Titel des Stücks ist in Bezug auf die Arbeit als Freiberuflerin daher auch eine verführerische Lüge“, erklärt die Künstlerin. Die Aufführungen gleichen einer „Rhythmisierung des Alltags inklusive der Suche nach möglichen Ausbrüchen“.
Drei Tänzerinnen und eine Sound-Artistin sollen für spürbare Bewegung sowie die Vertonung der Texte sorgen. „Ich sehe, dass ich fast nur beruflich unterwegs bin, obwohl ich meine Zeit auch anders nutzen könnte, beispielsweise, um an einer Demo teilzunehmen. Es geht um das Erleben von Wirklichkeit. In diesem Sinne ist das Stück auch politisch“, sagt Artmann. Gleichzeitig sei „A Change …“ aber auch gesundheitliche Fürsorgearbeit.
„A Change is as Good as a Rest“, Elsa Artmann/Sanfte Arbeit, 17./18. April 19 Uhr, TanzFaktur, Siegburger Straße 233w, 50679 Köln, 30. April/1. Mai 20 Uhr, tanzhaus nrw, Erkrather Straße 30, 40233 Düsseldorf (weitere Termine in Planung), Künstlerische Leitung/Tanz: Elsa Artmann, Tanz/Co-Kreation: Amelia Uzategui Bonilla, Anne-Lene Nöldner, Diana Treder, Komposition/Live-Vertonung: Annie Bloch, Access-Dramaturgie für blindes und sehbehindertes Publikum: Lilian Korner, Dramaturgie: Valerie Wehrens, eine Co-Produktion von tanz haus NRW und TanzFaktur, www.sanfte-arbeit.de

