Angeln als DisziplinOlympiade für Bewohner von Kölner Seniorenheim

Die Olympiasiegerinnen: Die Silbermedaille geht an Magdalena Dresen (v.l.), 95, Gold holt Gisela Junk, 84, und die Bronzemedaille erringt Else Hoßdorf, 83.
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Köln-Lindenthal – Ein Zehnkampf für Senioren sieht natürlich anders aus als die gemeinhin bekannten Disziplinen in der Leichtathletik. Bei der Senioren-Olympiade im Katharina-von-Bora-Haus der Diakonie Michaelshoven ist jede der fünf Stationen mit je zwei Disziplinen auf die kognitiven und motorischen Fähigkeiten seiner 51 Bewohner zugeschnitten – da kommt zum Beispiel die Suche nach versteckten Bildern zum Torwand-Schießen hinzu oder der Pyramiden-Bau zum Angelspiel.
Schon zum achten Mal erproben sich die Senioren während des zweitägigen Wettkampfs, bei dem es vor allem darauf ankommt, sich Zeit zu lassen. „Natürlich könnten wir das Programm ohne Probleme an einem Tag schaffen“, sagt Einrichtungsleiter Klaus Paffendorf, „aber das Gesellige ist uns wichtig und dass viel Zeit zum Erzählen bleibt.“
„Das Angeln fand ich sehr interessant“
So kommt auch kein Stress an den Stationen auf, jeder der Senioren agiert im eigenen Tempo. Schnell kristallisieren sich die individuellen Vorlieben der betagten Olympioniken heraus. Erika Steppat, eine der Bewohnerinnen im Katharina-von-Bora-Haus, hat einen eindeutigen Favoriten: „Das Angeln fand ich sehr interessant, obwohl es schwierig war. Das Dosen-Werfen mochte ich nicht so.“

Auch Angeln war eine olympische Disziplin,
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Christa Dressel vom Sozialen Dienst sieht den durchweg positiven Effekt der spielerischen Herausforderung an Körper, Geist und Sinne: „Da kann jeder ausprobieren, was er oder sie noch so kann, und jeder hat Spaß daran.“ Der Spaßfaktor stellt sich bei einer Station wie dem Sprichwörter-Raten ganz von selbst ein. „Langes Fädchen...“, wartet nicht lange auf seine Vervollständigung. Jeder, der in der Jugend mit Nadel und Faden umzugehen lernte, hat es noch im Ohr: „... faules Mädchen“ erschallt die Auflösung prompt.
Im Haus ist das ganze Jahr übe etwas los
Überhaupt sind gute Stimmung und ein humorvolles Miteinander an der Tagesordnung. Ehrenamtler Helmut Prinz weiß die spezielle Atmosphäre zu schätzen: „Die Zuwendung ist toll. Hier wird wirklich ein Dienst am Menschen geleistet.“ Auch Judith Kempkes, die 20 Jahre im Katharina-von-Bora-Haus ein- und ausgegangen ist, fühlt sich den Menschen auf besondere Weise verbunden. Nachdem ihre Mutter erst kürzlich gestorben ist, nimmt sie wie selbstverständlich am Fest teil.
Seit Klaus Paffendorf die Leitung vor zehn Jahren übernahm, hat sich vieles geändert. So ist das ganze Jahr über etwas los im Haus, angefangen bei Weihnachtsfeier und Sektempfang an Silvester über den Besuch des Porzer Dreigestirns an Karneval bis zu Festivitäten an Mutter- und Vatertag. Es gibt Ausflüge und Wellness-Angebote und sogar eine eigene Seniorenband.
Bei der Olympiade sind es in diesem Jahr drei Damen, die sich durchsetzen können. Klaus Paffendorf spricht zu Recht von geballter Frauenpower, als er zur Siegerehrung schreitet. Else Hoßdorf, 83, schafft es zum dritten Mal auf den dritten Platz. Magdalena Dresen, 95, erringt die Silbermedaille und mit Gold geht Gisela Junk, 84, aus dem Wettkampf hervor. Sie finde die Idee der Senioren-Olympiade ganz toll, meint Gisela Junk, die zum ersten Mal mitgemacht hat. Nächstes Jahr will sie ihren Titel verteidigen. „Alle sind Gewinner“, stellt Klaus Paffendorf fest – ein Gedanke, der das Mitmachen und Austesten der eigenen Fähigkeiten zum Mittelpunkt macht.
