Die SpezialistenWollige Schafe auf Kufen

Dieter van Dillen und sein Neffe Leonard Fuchs
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Lindenthal – Dieter van Dillen verkauft Plüschlöwen, Frotteehasen, Kuschelbären, Schnüffeltücher und was sonst noch zum Liebhaben dient. Er hat Lego-Bausätze, Experimentierkästen, furchterregende Urzeit-Tiere, Holzschwerter, Schutzschilde und alles, was Ritter außerdem benötigen. Ferner führt er Puppen samt Spazierwagen aus Korbgeflecht, Kaufläden aus Erlenholz, Mini-Herde und Waschmaschinen im Babyformat.
Das Spielwarengeschäft van Dillen liegt am Lindenthalgürtel/Ecke Bachemer Straße 156 in 50931 Köln, Telefon: 02 21/40 95 16. Öffnungszeiten: montags bis freitags von 9 bis 13 und 15 bis 18.30 sowie samstags von 10 bis 14 Uhr. Dieter van Dillen hat keine Homepage und kein Gerät für Kartenzahlung. (she)
Zu behaupten, dass der gebürtige Lindenthaler ein Fachgeschäft für Kinderspielzeug betreibt, wäre dennoch unangemessen. Sein Sortiment besteht zwar fast ausschließlich aus Spielzeug, doch die Zielgruppe hat Grundschulzeit und Pubertät mitunter deutlich überschritten. Etliche Kunden sind sogar älter als van Dillen selbst. Für diese Klientel hat der 72-Jährige ein eigenes Eckchen eingerichtet, in dem die Großväter mit leuchtenden Augen vor dem Karton mit der Dampfmaschine stehen.
Seit genau 30 Jahren betreibt der Kölner sein Geschäft am Lindenthalgürtel. Er hat sich daran gewöhnt, dass die meisten Kunden mit einem Lächeln hereinkommen, neuerdings aber leider immer häufiger mit leeren Händen hinausgehen. „Das Internet ist für uns kleine Geschäftsleute vernichtend.“ In spätestens zehn Jahren, befürchtet van Dillen, werde es Läden wie seinen nicht mehr geben, „sondern nur noch die großen Ketten“.
Durststrecken sind für ihn indes nicht neu. Nachdem ihm IHK und Einzelhandelsverband seinerzeit den Kölner Ortsteil Bickendorf schöngeredet hatten, musste er erfahren, dass eine kinderreiche Gegend nicht zwangsläufig volle Kassen bedeutet. Drei Jahre kämpfte er ums geschäftliche Überleben, dann machte er sich da auf die Suche, wo er aufgewachsen war, und fand in einer ehemaligen Drogerie an der Ecke Bachemer Straße seine neue Heimat.
Grell geschminkte Barbie-Puppen muss man haben
Die Schubladen, in denen er die kleinen Gummi-Echsen oder Saurier aufbewahrt, tragen heute noch die Namen von Gewürzen. Auch die Holzregale stammen zum Teil vom Vorbesitzer und bilden einen herrlichen Kontrast zu den grell geschminkten Barbie-Puppen, die van Dillen natürlich haben muss, obwohl sein Herz für anderes Spielzeug schlägt.
Vor seiner Selbstständigkeit im Spielzeugbereich und seiner langjährigen Tätigkeit in einem Großhandelsunternehmen für Motorenteile hat er nämlich eine Ausbildung zum Uhrmacher absolviert. Das kommt ihm nun insofern zugute, als er nahezu jedes aus Einzelteilen bestehende Spielzeug zusammenbauen – und dabei mitunter sogar technische Verbesserungen vornehmen kann. Wofür Väter Stunden brauchen, benötigt der alte Tüftler nur ein paar Minuten. Kein Wunder also, dass er sich nicht das herkömmlichen Bobbycar ins Regel stellt, sondern das, was ein Sebastian Vettel seinem Nachwuchs schenken würde.
Van Dillen legt Wert auf Qualität. Deswegen sind seine Plüschtiere Markenware, das Holzspielzeug hat Schreiner-Qualität. Abgesehen davon hat er „die wohl größte Schaukelpferd-Auswahl in Deutschland“, wobei man das mit der Tiergattung nicht so wörtlich nehmen darf. Mitunter kommen auch Kamele oder wollige Schafe auf Kufen daher. Mädchen wollen was zum Streicheln haben, meint der Mann, der sich in seiner Kindheit mit einem Stabilo-Baukasten, einem Holzsegelschiff und einer Schubkarre begnügen musste und bis heute eindeutig lieber liest als spielt. Was letztlich wo unterm Christbaum landet, weiß van Dillen übrigens noch lange nicht. „Früher begann das Weihnachtsgeschäft zwei Monate im Voraus.
Dann war es ein Monat, jetzt sind es 14 Tage. Sie müssen also Mitte Dezember sämtliche Ware vorrätig haben, weil vom Großhandel kriegen Sie nichts mehr. Der ist dann entweder total ausverkauft oder restlos überfordert.
