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GhanaEine afrikanische Königin aus Köln

Lesezeit 4 Minuten
Sonja Liggett-Igelmund und ihr Mann Markus mit Begleitung bei der Krönungszeremonie in Havé, Ghana, West-Afrika.

Sonja Liggett-Igelmund und ihr Mann Markus mit Begleitung bei der Krönungszeremonie in Havé, Ghana, West-Afrika.

Sülz – Königin Sonja hat blonde Locken und trinkt gern in Sülzer Cafés einen Kaffee – wenn sie nicht gerade einem kleinen Kölner auf die Welt hilft oder bei ihrem Volk in Afrika weilt. In dem ghanaischen Dorf Havé wurde die selbstständige Hebamme, die auch im Krankenhaus der Augustinerinnen in der Innenstadt arbeitet, vor einigen Wochen zur Königin gekrönt. „Das kann ich eigentlich niemandem erzählen“, sagt sie leise und grinst dabei. Sie glaubt es ja selbst kaum. Eigentlich wollte die Sülzerin Sonja Liggett-Igelmund in Havé nur den Inhalt eines Hilfscontainers abgeben, einen Krankenwagen, mehrere Rollstühle, Gehhilfen, ein Krankenhausbett, Wärmebetten für Säuglinge, Schulranzen, Schulbücher und viele andere Dinge. Sie sammelt für die Hebammenstation, das Krankenhaus und die Schulen in dem kleinen afrikanischen Ort, seitdem sie vor drei Jahren dort für zwei Wochen arbeiten durfte. Der WDR hatte eine Hebamme gesucht, die ihren Beruf einmal unter ganz anderen Bedingungen, nämlich in Afrika ausüben will.

In dem Entwicklungsland stieß Liggett-Igelmund nicht nur auf kompetente Kolleginnen, sondern fand Freundinnen, die Hebamme Annie, Patience, die Chefin, und Kinderkrankenschwester Joyce, mit denen sie gemeinsam in der Hebammenstation arbeitete. Sie war beeindruckt, wie hart die Frauen unter den schwierigen Bedingungen an einem Ort arbeiten, wo die tropische Schwüle jede Bewegung erschwert und es an essenziellen Dingen mangelt, die auf Entbindungsstationen vorhanden sein sollten. Sie erlebte die Geburt eines Kindes, das ihr zu Ehren einen deutschen Namen bekam: Bismarck. Ein Grund mehr, noch einmal wiederzukommen.

16 Tage in Ghana

„Meeting Bismarck“ ist der Name des Hilfsprojektes, das sie damals startete. Ein reger Austausch mit den Menschen in dem kleinen Ort Havé begann. Ein Krankenwagen war ihr größter Wunsch. Den konnte Sonja Liggett-Igelmund ihnen nun erfüllen. Von Spenden hatte sie einen gebrauchten Wagen gekauft und noch viele Dinge mehr. 16 Tage war sie mit ihrem Mann Markus in Ghana, um alles persönlich zu übergeben. Sie benötigte Zeit, um die Geschenke zu verteilen, und war Tag und Nacht beschäftigt – bis es zu einer unerwarteten Unterbrechung im Programm kam.

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„Ich hörte, wie Markus draußen vor dem kleinen Haus, in dem wir in Havé wohnten, verzweifelt mit einem riesigen rechteckigen Stofftuch kämpfte. Afrikaner zeigten ihm, wie er das traditionelle afrikanische Gewand anlegen musste – zur Feier des Tages.“ Was denn gefeiert werden sollte, wollte Liggett-Igelmund wissen. „Na, du wirst morgen zur Königin gekrönt“, antwortete ihr Mann. Sie lachte. Sie glaubte an einen Witz, bis sie dann selbst in ein buntes afrikanisches Gewand mitsamt Kopfbedeckung gekleidet wurde, erst einmal probehalber. Danach mussten die beiden die Kleider vorübergehend wieder abgeben.

Von nun an König und Königin

Am nächsten Tag fuhren sie mit einem feierlichen Konvoi zum Ort des Geschehens, dem Platz vor dem Krankenhaus. Die Hebamme und ihr Mann im Krankenwagen und vor ihnen ein Pick-Up, auf dem eine Brass Band spielte. 800 Menschen strömten zur Feierlichkeit herbei.

Unsicher nahm das deutsche Ehepaar in der ersten Stuhlreihe Platz, direkt gegenüber dem Ältestenrat, der bereits mit Zeptern Stellung bezogen hatte. Im Publikum saß ein besonderer Gast: Der mittlerweile zweijährige Bismarck. „Er hatte leider ein bisschen Angst vor mir“, erzählt Liggett-Igelmund.

Von einem weiblichen und einem männlichen Mitglied des Ältestenrates, Assemblyman und Assemblywoman, bekamen sie und ihr Mann feierlich ihre Königsgewänder übergeben. In der Klinik sollten sie sich getrennt voneinander anziehen und als König und Königin wieder herauskommen. „Ja, klar, normal. Dann komme ich mal eben als Königin wieder irgendwo heraus“, sagt Liggett-Igelmund und lacht, während sie im Sülzer Café aufgeregt einen Schluck Wasser trinkt. Doch so absurd ihr der Gedanke zunächst erschien, verstehen kann sie die Menschen doch. „Das ist eben die Art und Weise, wie sie sich am allermeisten bei uns bedanken konnten. Ich habe die Ehre stellvertretend für alle die Menschen, die uns geholfen haben, in Empfang genommen.“

Mama ist gut für uns

Mit dem obersten Chef der Region, Paramount-Chief, übergaben die Kölnerin und ihr Mann feierlich den Krankenwagenschlüssel an Chefhebamme Patience. Die Helferin aus dem Rheinland erhielt einen neuen Namen: Mama Enjonam. „Mama ist in Ghana die respektvollste Anrede für eine Frau. Enjonam bedeutet: Ist gut für uns“, erklärt die frisch gekürte Königin. Welche Aufgaben sie nun hat in ihrem kleinen Staat? „Dort eigentlich keine. Ich bin so etwas wie eine Queen of Development, eine Entwicklungskönigin.“

Die Arbeit einer solchen Königin findet in Deutschland statt, wo Sonja Liggett-Igelmund weiter fleißig Spenden sammelt für ihr Volk in Ghana. Ihr Hilfsprojekt hat sie gerade in eine feste Form gebracht. Sie hat einen Verein gegründet namens: „Meeting Bismarck – Gododo Ghaha Geburts-und Kinderhilfe in Ghana e.V.“ Was Königin Sonja gerade in dieser Zeit von anderen Menschen unterscheidet, ist ein Gefühl: „Mir kommt es so vor, als ob Weihnachten schon vorbei ist. Ich habe ja schon Geschenke verteilt“.

http://meeting-bismarck.blogspot.com

www.meeting-bismarck.de

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