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Hildegardis-KrankenhausIn der Klinik mit Norovirus angesteckt

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Krankenhauszimmer (Symbolbild)

Lindenthal – Ein 80 Jahre alter Kölner hat sich bei seinem Zimmernachbarn mit dem hochinfektiösen Norovirus angesteckt, weil im Lindenthaler Hildegardis-Krankenhaus sämtliche Zimmer belegt waren. Der Norovirus verursacht eine Magen-Darm-Erkrankung, die besonders für ältere und gesundheitlich angeschlagene Menschen gefährlich sein kann.

Der demenzkranke Mann wurde ursprünglich wegen eines fiebrigen Infekts in die Klinik eingeliefert. „Direkt am ersten Tag bekam sein Bettnachbar Durchfall, und die Schwestern kamen nur noch mit Mundschutz in das Zimmer“, sagt die Frau des 80-Jährigen. Aufgrund der ohnehin angegriffenen Gesundheit ihres Mannes habe sie sofort die Verlegung in ein anderes Zimmer gefordert. „Ich hatte die Befürchtung, dass es sich um das Norovirus handeln könnte“, sagt die Frau. Doch das Pflegepersonal habe nicht reagiert.

Reaktion auf Druck der Angehörigen

Bereits am nächsten Morgen durfte auch die Ehefrau den Raum nur noch mit Schutzkleidung betreten. Von der Schwiegertochter des Zimmernachbarn habe sie erfahren, dass es sich um das Norovirus handelt. Erneut forderte sie vergeblich eine Verlegung in einen anderen Raum. Die zuständige Ärztin habe ihr geantwortet, dass kein Zimmer frei sei. Daraufhin verständigte die Frau ihre Tochter, die als Medizinerin in einem anderen Krankenhaus arbeitet.

„Ich habe angerufen und der Kollegin gesagt, dass ich diesen Umgang für falsch halte, zumal mein Vater ohnehin extrem geschwächt ist“, berichtet die Tochter. Kurz darauf wurde ihr Vater in ein Einzelzimmer auf der urologischen Station verlegt. Doch diese Maßnahme kam zu spät, der 80-Jährige hatte sich bereits mit dem Norovirus angesteckt. „Ich halte es – abgesehen davon, dass es zu lange gedauert hat – nicht für eine gute medizinische Versorgung, wenn man erst auf Druck der Angehörigen reagiert“, sagt seine Tochter.

Verlegung war nicht vertretbar

Das Hildegardis-Krankenhaus räumt auf Anfrage ein, dass es jahreszeitlich bedingt zurzeit einige Patienten gibt, die mit einer Norovirus-Erkrankung aufgenommen werden müssen. Nicht immer sei das jedoch im Voraus erkennbar. Der 80-Jährige wurde laut Pressesprecherin Eva Keller vorübergehend mit einem zweiten Patienten gemeinsam in einem Zimmer untergebracht, da nach Einschätzung der Klinik-Mitarbeiter eine Weiterverlegung in ein anderes Krankenhaus nicht vertretbar gewesen wäre. „Darüber hinaus war zu diesem Zeitpunkt – aufgrund der vollständigen Belegung des Hauses – kein Einzelzimmer verfügbar“, teilt Keller in einer Stellungnahme mit.

Die Mitarbeiter seien für notwendige Schutzmaßnahmen sensibilisiert und angewiesen, diese zum Schutz der Patienten sowie zum Selbstschutz stets einzuhalten. Sofern ein Verdacht auf Noroviren bestehe, werden diese Maßnahmen laut Keller bei der Behandlung durchgeführt. „Wir bedauern, dass es uns nicht gelungen ist, den Patienten und ihren Angehörigen diesen komplexen Sachverhalt angemessen zu vermitteln“, erklärt Keller. Den Vorfall nehme das Hildegardis-Krankenhaus „ernst und zum Anlass, die Mitarbeiter weiter für die Kommunikation mit Patienten und Angehörigen zu sensibilisieren und diese weiter zu verbessern“.