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NaturschutzbundDas Füttern will gelernt sein

3 min

Gerd Joeken (Mitte) zeigt Kindern und Eltern, wie man Meisenknödel herstellt.

Müngersdorf – „In nur einer frostigen Nacht verliert die Kohlmeise zehn Prozent ihres Körpergewichts. Entsprechend geschwächt ist sie und froh, wenn sie dann nicht lange nach Futter suchen muss“, sagt Vogelschützer Gerd Joeken zu Beginn des Seminars „Artgerechte und sinnvolle Vogelfütterung im Winter“. Ein kleines Mädchen seufzt, als es hört, was der Experte vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) da schildert, steckt sich schnell eine Erdnuss und gleich noch einen Mandelkeks in den Mund.

Zahlreiche Eltern sind mit ihren Kindern gekommen und freuen sich auf einen spannenden Nachmittag in der historischen Liegehalle des Geländes der Freiluft- und Gartenschule (Freiluga). Futterstellen für Vögel werden gebastelt und Meisenknödel zubereitet. Veranstaltet wird das Seminar vom Förderverein der Freiluga.

Nüsse und Mandeln schmecken nicht nur uns Menschen. Viele der wildlebenden Vögel in unseren Parks und Gärten mögen sie ebenfalls, wie Joeken erzählt. Er nimmt eine Stricknadel und durchsticht damit einige Erdnüsse, die noch in der Schale sind. Dann fädelt er sie auf eine Kordel. „Die könnt ihr jetzt aufhängen und beobachten, wer damit seinen Speiseplan bereichert. Was glaubt ihr?“ fragt er die Kinder. „Meisen und Eichhörnchen“, schallt es aus der Runde. Die Mandeln kommen zerstoßen ins Vogelmüsli, aus dem Joeken mit den Kindern Meisenknödel macht. Außerdem sind darin Sonnenblumenkerne und Haferflocken, um dem Knödel eine feste Konsistenz zu geben.

Während das Pflanzenfett auf einer Herdplatte erhitzt wird, versorgt der Landschaftswart seine kleinen und großen Zuhörer mit Hintergrundinformationen. Im Winter ergebe es durchaus einen Sinn, den Vögeln mit Futter auszuhelfen. Von einer Fütterung das ganze Jahr hindurch hält Joeken allerdings nicht viel. „Denn im Sommer sollen die Singvögel doch die Schadinsekten aus den Bäumen fressen, zum Beispiel die Blattläuse.“ Wichtig sei eine Vielfalt im Futterangebot. „Etwas Obst, ein Apfel beispielsweise, oder Rosinen, das wird von den Vögeln gerne genommen“, weiß Joeken. Aber immer in kleinen Portionen. Lieber öfter mal nachlegen, besonders wenn es sehr kalt ist, denn durchgefrorenes Obst rührt kein Vogel an.

Hygiene von großer Bedeutung

Ein wichtiges Thema bei der Fütterung von Meisen, Amseln, Rotkehlchen und Co. ist die Hygiene. „Um die Übertragung von Krankheiten von Vogel zu Vogel zu verhindern, müssen die Futterstellen aber peinlich sauber gehalten werden. Eine regelmäßige Reinigung der Futtergefäße und Futterstellen ist Pflicht“, mahnt der Fachmann.In der Zwischenzeit ist das Fett weich geworden. Joeken rührt Körner und Flocken hinein. Und die Kinder reichen ihm die Zutaten. Dann stehen sie Schlange, um sich einen Blumentopf damit füllen zu lassen.

Vorher hatten sie einen Stock aus dem Wald durch das Abzugsloch des Topfes gesteckt. Auf der anderen Seite ragt er mehrere Zentimeter über den Topfrand hinaus. „An dem können sich die Vögel festkrallen, wenn der Topf später kopfüber an einer geeigneten Futterstelle aufgehängt wird“, erklärt Joeken den Mädchen und Jungen und verspricht: „Jeder und jede von euch darf einen Futtertopf mit nach Hause nehmen.“

Als sie das hören, hält es die Jungen und Mädchen kaum mehr in der Liegehalle. Schnell wollen sie nach Hause, um im Garten, auf dem Balkon oder im Hof ihre Futterstation aufzuhängen. Und auf die gefiederten Kostgänger zu warten.

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