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Pipeline in Köln-SülzIllegal Hunderte Liter abgezapft

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Die für Wartungsarbeiten freigelegte Pipeline im Äußeren Grüngürtel

Sülz – Der oder die Täter haben ganze Arbeit geleistet. Der Schlauch, mit dem sie Rohbenzin aus einer Pipeline im Äußeren Grüngürtel abzapften, hat eine Länge von zehn Metern. „Da muss sich jemand sehr lange mit beschäftigt haben“, sagt ein Polizeisprecher. Tatort ist eine Baugrube zwischen A4 und Decksteiner Weiher. Mitarbeiter einer Spezialfirma arbeiten am Donnerstag dort, wo zwei Tage zuvor möglicherweise ein größerer Umweltschaden verhindert werden konnte. Benzingeruch liegt in der Luft, am Bauzaun verweist ein Schild auf Grabungen im Zuge von Wartungsarbeiten.

An zwei Stellen liegt die Pipeline, die in knapp zwei Metern Tiefe verläuft, derzeit frei. Die Täter hatten offenbar die routinemäßige Wartung genutzt und das Rohr angezapft. Nach bisherigen Ermittlungen sieht es so aus, als ob die Zapfanlage und der Schlauch schon vor längerer Zeit installiert wurden. „Es wurden einige hundert Liter abgezapft“, sagt der Sprecher. Die Polizei ermittelt wegen Benzindiebstahls und Umweltdelikten gegen unbekannt und sucht Zeugen.

525 Kilometer lang ist die Rohrleitung, deren Betreiber die Rhein-Main-Rohrleitungstransportgesellschaft (RMR) mit Sitz in Godorf ist. Die zwischen 1966 und 1972 gebaute Pipeline mit 45 bis 60 Zentimetern Durchmesser verbindet die deutsch-niederländische Grenze mit den Chemiestandorten in Frankfurt am Main und Ludwigshafen. Sie ist an ein Tanklager in Niehl und Raffinerien in Godorf und Wesseling angeschlossen.

Von Godorf aus wird die Leitung Tag und Nacht überwacht. Sie transportiert verschiedene Mineralölprodukte: Superbenzin, Dieselkraftstoff, Kerosin und Rohbenzin (Naphtha). Letzteres entsteht bei der Destillation von Erdöl und wird bei der Benzinproduktion und als Rohstoff in der Petrochemie eingesetzt. (jp)

Denkbar – aber nach Aussage der Polizei Spekulation – ist, dass die Täter auf der Suche nach Benzin, Diesel oder Kerosin waren, die durch die Mehrproduktleitung transportiert werden. Stattdessen stießen sie auf Naphtha (Rohbenzin), ein Rohstoff, der vor allem in der Petrochemie verwendet wird.

Die ausgetretene Flüssigkeit ist giftig. „Eine geringe Menge“ ist, so Bernd Kiefer, Leiter der Unteren Wasserbehörde, in das Erdreich gelangt, ein größerer Umweltschaden habe aber verhindert werden können. „Man kann sicher sein, dass das Rohbenzin nicht ins Grundwasser gelangt ist“, sagt Kiefer. Die Betreiberfirma Rhein-Main-Rohrleitungstransportgesellschaft mit Sitz in Godorf habe schnell reagiert und die Behörden alarmiert, Mitarbeiter einer Fachfirma reparierten noch am Dienstagabend den Schaden an der Rohrleitung.

50 Kubikmeter Erdreich haben die Mitarbeiter des städtischen Umweltamtes abgetragen, um weitere Untersuchungen anzustellen. „Wir wollen ganz sicher sein“, sagt Kiefer. Zudem werde untersucht, „ob in der Vergangenheit weitere Flüssigkeit durch den illegalen Eingriff ausgetreten ist“. Davon sei aber nicht auszugehen.

Hinweise nimmt die Polizei unter Telefon 0221/229-0 oder per E-Mail entgegen.