Protest an der Münstereifeler StraßeEltern in Sülz kämpfen um Bolzplatz

Investor Stephane Zinnikus (Mitte) stellte sich bei der Protestaktion auf dem Bolzplatz den Fragen der Bürger-Vertreterin Daniela Hesse und des stellvertretenden Bezirksbürgermeisters Roland Schüler.
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Sülz – „Bolzplatz muss bleiben, sonst müssen wir leiden.“ So und ähnlich stand es auf zahlreichen Plakaten, die Kinder und Erwachsene in den Himmel reckten. Aus Angst um ihren Bolzplatz an der Münstereifeler Straße trafen sich dort rund 200 Menschen, um für seinen Erhalt zu demonstrieren. Eingeladen hatten sie auch Vertreter aus Politik und Verwaltung. Die Lindenthaler Bezirksvertreter kamen zahlreich. Doch kein einziger Mitarbeiter der Stadt war zu sehen. „Vier Ämter haben wir angeschrieben. Niemand ist erschienen“, sagte die enttäuschte Elternvertreterin Daniela Hesse. Gerade von der Verwaltung hatte man sich eine Klärung der Situation, möglicherweise eine kölsche Lösung erhofft, um den bestehenden Konflikt zu lösen: Bolzplatz oder Tiefgarage.
Auf den Bolzplatz wollen die Bürger auf keinen Fall verzichten. Noch besser aber fänden sie beides: „Bolzen und parken – null problemo“ stand auch auf einem der mitgebrachten Plakate.
Der private Investor Stephane Zinnikus möchte eine Quartiersgarage mit 40 Plätzen bauen, und die Sülzer könnten sie gut gebrauchen. Er war auch zur Protestaktion gekommen und beteuerte: „Ich baue die Tiefgarage nur, wenn der Bolzplatz erhalten bleibt.“ Dafür erhielt er Applaus.
Keine neue Baugenehmigung
Doch die Verwaltung behauptet, genau das geht nicht. Weil es für die Neuanlage des Bolzplatzes auch eine neue Baugenehmigung brauche. Die aber könne nach aktueller Rechtslage nicht mehr erteilt werden. Der Bolzplatz befinde sich dafür zu dicht an der Wohnbebauung. So hatte man Zinnikus mitgeteilt.
„Wir können auf den Bolzplatz an dieser Stelle auf keinen Fall verzichten und hatten uns im Rahmen der Ämterbeteiligung daher gegen die Tiefgarage ausgesprochen“, bestätigt Susanne Müllers von der Abteilung Kinderinteressen im Jugendamt auf Nachfrage des „Kölner Stadt-Anzeiger“. Wenn überhaupt, dann könnte nur das für die Genehmigung zuständige Bauverwaltungsamt den Konflikt lösen.
„Letztlich ist es doch eine Frage der Interpretation, ob man die Wiederherstellung des Platzes Sanierung oder Neuanlage nennt. Findet einen Weg, beides möglich zu machen“, appellierte Roland Schüler, Lindenthals stellvertretender Bezirksbürgermeister, bei der Bürgerversammlung an die abwesenden Verwaltungsfachleute. Zumal der Platz ohnehin dringend einen neuen, geräuschärmeren Belag benötige. Zinnikus bot gegenüber den Bürgern an, sich an den Kosten zu beteiligen.
Nach Aussage von Inge Schürmann, Pressesprecherin der Stadt, gibt es zwar keinen Interpretationsspielraum – der Bolzplatz würde seinen Bestandsschutz verlieren, wird er erstmal abgebaut. Die Bezirksvertretung will dennoch einen Versuch wagen und Vertreter der Bürger, den Investor und Verwaltung zu einem klärenden Gespräch an einen Tisch holen.
Schall schluckender Kunststoffbelag
Einen Stadtteil weiter, in Klettenberg, wird derweil mit der Sanierung des Bolzplatzes an der Linzer Straße begonnen. Für 90 000 Euro erhält der Platz anstelle des pflegeaufwändigen Rasens einen Schall schluckenden Kunststoffbelag.
Dafür brauchte es keine Baugenehmigung. Der Platz sei ja nicht verschoben oder entfernt worden, begründete Müllers. „Aber glauben sie mir, wir haben auch darum gerungen, dass er bei dem Neubau der angrenzenden Kita nicht angefasst wurde. Denn dann hätten wir dasselbe Problem gehabt, wie an der Münstereifeler Straße. Eher hätten wir versucht, den Kita-Neubau zu verhindern. Wir müssen die wenigen Freiflächen zum Spielen in der Stadt schützen.“
