Schwarze Bahn in KlettenbergNach dem Wirtschaftswunder kam das Aus

Die Kreuzung von Rhöndorfer Straße und Klettenberggürtel in den 50er Jahren
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Klettenberg – Einst verband die Schwarze Bahn das Industriegebiet Hürth-Knapsack mit Sülz. Entlang der Rhöndorfer Straße verliefen Gleise bis zum ehemaligen Sülzer Güterbahnhof – wo heute das Justizzentrum steht. Mehr als 50 Jahre lang prägten die Züge der Köln-Bonner-Eisenbahn mit Kohlenwaggons und Personenabteilen das Straßenbild. Heute verläuft im ehemaligen Gleisbett zwischen Drachenfelsstraße und Gottesweg ein breiter Radweg mit Grünstreifen. Damit die Industriegeschichte des Veedels nicht in Vergessenheit gerät, wird nun mit einer etwa zwei Meter hohen Stele – an der Kreuzung Gottesweg und Rhöndorfer Straße aufgestellt – an die Schwarze Bahn erinnert.
„Es ist wichtig, dass wir solche Orte sichtbar machen, die noch etwas über die Industriekultur aussagen können“, sagte die Lindenthaler Bezirksbürgermeisterin Helga Blömer-Frerker, die sich mit ihren Kollegen aus der Bezirksvertretung für das Denkmal stark gemacht hat. Gemeinsam mit Walter Buschmann vom Verein Rheinische Industriekultur stellte sie die Stele nun vor. Und gut 60 Bürger waren gekommen. Alte Fotos und ein kurzer Text auf der Stele informieren über den historischen Ort.
Von 1920 an war die rund zwölf Kilometer lange Strecke in Betrieb. Sie verlief vom Bahnhof Sülz an der Luxemburger Straße entlang über die Bahnhöfe Efferen und Hermülheim bis nach Berrenrath und in das Industriegebiet Hürth-Knapsack. Sie führte also im Stadtgebiet auch durch bewohnte Straßen. Deshalb wurde 1925 der Personenzugverkehr von Sülz nach Berrenrath aufgenommen und der Haltepunkt an der Rhöndorfer Straße/Ecke Gottesweg eröffnet. In dunkelgrünen Personenwaggons wurden vor allem Arbeiter zu ihren Arbeitsplätzen nach Hürth und zurück transportiert.
Schwarze Fracht
Größere Bedeutung hatte die Schwarze Bahn jedoch für den Güterverkehr und besonders für den Kohletransport aus dem Braunkohletagebau Berrenrath in die Stadt hinein. Die schwarze Fracht gilt auch als eine Erklärung für den Namen der Bahn. Eine weitere besagt, dass der Name sich von den zunächst mit Kohle (später mit Diesel) betriebenen Lokomotiven herleitet, die mit erheblicher Rußentwicklung fuhren. Im Gegensatz dazu hatte die mit elektrischen Triebwagen ausgestattete Vorgebirgsbahn nämlich die Bezeichnung Weiße Bahn.
In den 1960er Jahren begann der Niedergang der Schwarzen Bahn. Dank des Wirtschaftswunders konnten sich immer mehr Menschen ein eigenes Auto leisten. Der Personenverkehr fuhr Verluste ein, die bald nicht mehr durch die Gewinne des Frachtverkehrs aufgefangen werden konnten. So wurde zunächst der Personenverkehr auf dieser Strecke eingestellt und wenig später auch der Frachtverkehr. Der letzte Güterzug rollte am 18. Juni 1974.
Die Güterzüge hat Joachim Vogel noch über die Rhöndorfer Straße fahren sehen. Für die FDP war Vogel jahrelang in der Bezirksvertretung Lindenthal und hat dort auch für das Denkmal gestimmt. „Die ersten Züge fuhren um sechs Uhr morgens und haben dann immer laut gebimmelt, da war ich dann wach“, erzählt Vogel.
Umso schöner findet er es, dass nun die Stele an die Geschichte erinnert. Denn neben der ehemaligen Bahnmeisterei an der Rhöndorfer Straße 61 zeugt nur noch ein stählernes Geländer von der ehemaligen Bahnstrecke. Zwischen Klettenberggürtel und Drachenfelsstraße verläuft es parallel zum Radweg und besteht zum Teil aus alten Bahnschienen.
Die Schwarze Bahn ist Teil der Via Industrialis. Eine Route, die der Verein Rheinische Industriekultur zusammengestellt hat, und an der mehrere Industriedenkmäler und Standorte versammelt sind. Etwa der ehemalige Flughafen am Butzweilerhof in Ossendorf und der Rheinauhafen im Kölner Süden. www.via-industrialis.de
