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Mehr EigenbedarfskündigungenKölner Mieterverein mit Rekord – „Krise des Wohnungsmarkts wird deutlich“

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Die Geschäftsführerin Sarah Primus (links) und Geschäftsführer Hans Jörg Depel (rechts) stellen mit Vorstandsvorsitzendem Franz-Xaver Corneth die Bilanz des Mietervereins 2025 vor.

Geschäftsführerin Sarah Primus (links) und Geschäftsführer Hans Jörg Depel (rechts) stellen mit dem Vorstandsvorsitzenden Franz-Xaver Corneth die Bilanz des Mietervereins 2025 vor.

Mehr als 1500 Anliegen bearbeiten die Juristen pro Woche. Die Eigenbedarfskündigungen nehmen zu.

Der Kölner Mieterverein hat so viele Mitglieder wie noch nie: 70.260 Haushalte. „Dadurch wird die Krise des Wohnungsmarkts deutlich“, sagt Geschäftsführerin Sarah Primus. Sie zog Bilanz für das Jahr 2025. Die Mitgliederzahl entspricht etwa 12 Prozent aller Kölner Haushalte. Primus sagt, in der Regel wenden sich die Menschen an den Mieterverein, die ein Problem auf dem Mietmarkt haben, und das seien den Mitgliederzahlen nach beachtlich viele.

Die 56 Kölner Mitarbeitenden des Vereins erreichen in der Woche 1500 bis 2000 Anliegen. Sie beraten im Schnitt 175 Kölner Mieterinnen und Mieter am Tag, beantworten 300 Mails und nehmen 350 Telefonate entgegen. Aktuell sei Hoch-Zeit der Sorgen der Mieter, sagt Primus. Allein zwischen dem 30. Dezember und 4. Januar seien 1123 Mailanfragen beim Verein eingegangen.

Anliegen Nummer eins: die Betriebs- und Heizkostenabrechnungen. Sie machten 35 Prozent der Themen aus, wegen derer sich die Mitglieder an den Verein wenden. „Die Menge der Anfragen wegen Nebenkosten nimmt seit ein paar Jahren zu. Daran könnte man ablesen: Das Geld der Leute wird knapper“, sagt Primus.

Kölner Mieterinnen und Mieter sorgen sich wegen Nebenkosten

22 Prozent der Anfragen betreffen Wohnungsmängel wie zum Beispiel Schimmel. „In einer anderen Kommune würde man einfach die Wohnung wechseln. Auf dem Kölner Markt geht das nicht“, sagt Primus. Auf Platz drei der unerfreulichen Themen-Hitliste des Mietervereins stehen Mieterhöhungen. Rund 6 Prozent der Anfragen betreffen Kündigungen, das waren 1750 insgesamt im Jahr 2025. Primus rechnet vor, dass statistisch jeden Tag fünf Kölner Haushalten die Wohnung gekündigt wird – allein von den Fällen ausgehend, die dem Mieterverein gemeldet werden. 

Die Hälfte der Kündigungen wurde mit Eigenbedarf begründet. Hans Jörg Depel, weiterer Geschäftsführer des Mietervereins, sagt, die Beratungen des Mietervereins zu Eigenbedarf haben in den vorigen fünf Jahren um 25 Prozent zugenommen. „Es verwundert“, sagt Depel. Die Fälle seien sicherlich nicht alle rechtens; die Zunahme zeige aber auch, wie angespannt der Markt sei: Suchen Eltern mit Eigentum in Köln eine Wohnung für ihre erwachsenen Kinder oder Angehörige, gehen auch sie in Köln leer aus und machen eben die in ihrem Besitz frei.

Mieterverein kritisiert Kölner Politik für Bruch ihrer Wahlversprechen

Der Mieterverein kritisierte die Kölner Politik, die im Wahlkampf im Herbst bezahlbares Wohnen als zentrales Thema propagierte, jetzt aber nicht ernst mache: „Wirksame politische Maßnahmen blieben aus.“ Im Gegenteil, eine der ersten Entscheidungen des neuen Stadtrats und von Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) war es, die Grundsteuer zur Verbesserung der städtischen Haushaltslage anzuheben. Parallel stiegen zum Jahreswechsel auch die Abwasser- und Abfallgebühren – mehrere Kostenpunkte, die Wohnen in Köln teurer machen.

Der Mieterverein verweist auf einen Marktbericht der Kreissparkasse, nach dem die durchschnittliche Angebotsmiete 2025 14,99 Euro betrug. Die Leerstandsquote liegt laut Zahlen der Stadt bei 0,9 Prozent. Nach Depels Einschätzung bräuchte es für einen funktionierenden Mietmarkt  3 Prozent.

Neubauten, die für Entspannung auch des Mietmarkts sorgen könnten, wurden kaum fertig. „Es muss schneller und mehr gebaut werden“, so Depel. „Wir brauchen bis 2040 70.000 neue Wohnungen in Köln“, sagte Depel basierend auf Prognosen, nach denen Köln als Schwarmstadt mit Anziehungskraft aus dem Umland weiter wachsen wird.