EU-RichtlinieNeuer Verlauf und Fische für die Strunde

Am Thurner Hof soll die Strunde nach Wunsch der Stadtentwässerungsbetriebe künftig kein Wasser mehr führen.
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Mülheim/Dellbrück – Stirnrunzeln erzeugte auf der jüngsten Sitzung der Bezirksvertretung ein Konzept der Stadtentwässerungsbetriebe (StEB), die fließende Gewässer im Stadtgebiet ökologisch aufwerten wollen. Insbesondere stören sich die Mitglieder daran, dass die Strunde in Dellbrück und Holweide renaturiert werden soll. Das Gremium beschloss einstimmig, das Thema zu verschieben und die Unterlagen genau zu überprüfen.
Das Konzept beinhaltet, dem Bach auf dem Abschnitt zwischen der Stadtgrenze zu Bergisch Gladbach über Dellbrück und Holweide bis nach Buchheim mehr Freiräume zu verschaffen. Grundlage ist eine europäische Richtlinie zur Verbesserung der Gewässerqualität. Das bedeutet unter anderem, den Bachlauf an einigen Stellen in die Talsohle zu verlagern oder ihn schlängelnd zwischen der Stadtgrenze zu Bergisch Gladbach und dem Schulzentrum Dellbrücker Mauspfad durch das Thurner Kamp und am Sportplatz des TV Dellbrück vorbei in Mäandern fließen zu lassen. Das Bachbett am Thurner Hof wäre dann trocken. Darüber hinaus sind an der alten Baumwollbleicherei und am Gut Iddelsfeld in Holweide Fischtreppen vorgesehen.
Bachlauf seit 1000 Jahren künstlich
„Wir haben noch dringenden Beratungsbedarf“, kommentiert Bezirksbürgermeister Norbert Fuchs die Vorlage. Die Strunde sei bereits seit mehr als 1000 Jahren kein natürliches Gewässer mehr. Der Bach habe Mühlen angetrieben, sein Verlauf sei schon im Mittelalter grundlegend verändert worden. Fuchs: „Wir fragen uns, ob hier nicht sinnlos Geld hinausgeworfen wird.“ Ähnlich bewertet man das Thema beim Bürgerverein Dellbrück. „Die Vorschläge sind unsinnig“, sagt der Vorsitzende Lothar Fricke. Zum einen würden sie mit dem neu gestalteten Kultur- und Erlebnispfad entlang des Bachs kollidieren, der mit viel Aufwand im Rahmen der Regionale 2010 entstanden war. Andererseits solle der heutige Bachlauf seiner kulturhistorischen Bedeutung wegen erhalten bleiben. Zweifel gibt es auch am Nutzen der Fischtreppen. „Abgesehen von ausgesetzten Goldfischen in Dellbrück gibt es hier keine Fische“, erklärt Horst Noack von der Bürgervereinigung Dellbrück.
Joachim Bauer vom Grünflächenamt leitete im Zuge der Regionale 2010 die Verschönerung des Grünzugs entlang der Strunde. Auch er äußert sich zurückhaltend: „Ich bin zwar grundsätzlich für eine Renaturierung, doch die Strunde bietet kaum Möglichkeiten, so etwas zu machen.“ Im Abschnitt östlich des Thurner Hofs seien einige Vorhaben nachvollziehbar, doch im weiteren Unterlauf sei der Bach doch „total eingepackt“.
Henning Werker, Abteilungsleiter der StEB, reagiert gelassen auf die Skepsis: „Es handelt sich doch zunächst um eine Ideensammlung, die Grundlage späterer Planung sein soll.“ Sein Unternehmen sei verpflichtet, jeden Gewässerlauf auf ökologische Verbesserungen zu untersuchen. Und darauf, wie sich Flora und Fauna optimal entwickeln können. Auf einem Workshop seien mit Umweltverbänden und anderen Fachleuten Vorschläge gesammelt worden. Umgesetzt werde, was machbar sei. Werker: „Erst müssen wir planen. Dann beraten die politischen Gremien der Stadt darüber. Außerdem wird die Öffentlichkeit daran beteiligt.“
