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„Rock am Klärwerk“Verwaltung bremst Festival-Macher aus

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Enttäuschte Organisatoren: Johannes Koza, Katrin Jahnke, Maximilian Körner (v. l.)

Köln – Eigentlich wollten sie nur ein kleines Open-Air-Musikfestival veranstalten. Ein halbes Dutzend Bands für bescheidene acht Euro Eintritt. Doch dann gerieten sieben junge Kölner in einen Genehmigungsmarathon – mit dem Resultat, dass die Stadt das Festival verboten hat. „Seit einem Jahr haben wir hart gearbeitet und viel investiert“, sagt einer der Initiatoren, der 26-jährige Johannes Koza: „Wahrscheinlich zum größten Teil umsonst.“

Schon seit drei Jahren geben er und sechs andere Organisatoren, allesamt zwischen 19 bis 29 Jahren alt, mit der Veranstaltung „Rock am Klärwerk“ im Stadtteil Flittard jungen Bands die Gelegenheit, sich der Öffentlichkeit zu präsentieren. Till Kniola, im Kulturamt für Popmusik zuständig, sagt: „Das ist wirklich ein schönes Projekt, das wir in Köln gern sehen.“ Gerade, weil es im Rechtsrheinischen stattfinde, wo es weniger Veranstaltungen gebe. „Es ist eine wichtige Gelegenheit für junge Musiker, sich auszuprobieren.“ Das Kulturamt fördert daher auch das Festival, das seinen Namen vom nahen Klärwerk in Stammheim hat, wo 2012 die Premiere stattfand.

Doch andere städtische Dienststellen sehen die Initiative weniger positiv: Am Samstag, 30. August, soll die diesjährige Ausgabe des Festivals auf dem Beachplatz Flittard stattfinden. Bereits im April hatten die Veranstalter beim Ordnungsamt die nötig Schankerlaubnis beantragt – wie in den Vorjahren auch. „Der Antrag ist angeblich nicht angekommen, obwohl wir eine Faxbestätigung hatten. Als wir davon erfuhren, haben wir am selben Tag einen neuen Antrag gestellt. Mitte Juli wurden wir dann aufgefordert, eine schallschutztechnische Voreinschätzung einzureichen“, schildert Koza. Die jungen Leute scheuten keine Zeit und Kosten, gaben ein entsprechendes Gutachten in Auftrag und sandten es umgehend ein. „Zwei Wochen später bekamen wir einen Anruf, dass nun keine Zeit mehr sei, den Antrag zu bearbeiten“, sagt Koza. In der Not erhielten die sieben Nachwuchsveranstalter auch Unterstützung vom Verein Popkultur Köln, der sich um die Förderung von Pop- und Rockmusik kümmert – und sich bei den Behörden für das Festival einsetzte. „Doch es folgte die endgültige Absage durch das Bauaufsichtsamt – die Erschließung des Geländes sei nicht gesichert, die Wege für Besucher und Krankenwagen zu eng“, fast Johannes Koza die Begründung der Stadt zusammen.

Die Sachlage hat sich im Vergleich zu den Vorjahren allerdings auch verändert: Das Festival soll erstmalig auf einem großen Sportplatz stattfinden, statt einfach auf einer grünen Wiese, weil die Konditionen dort besonders sind, der Ort besonders attraktiv ist. Verstehen kann Johannes Koza die Bedenken der Behörde nicht. „Das Gelände ist 15000 Quadratmeter groß. 3000 Leute würden darauf Platz finden. Wir bauen aber nur eine sieben mal sieben Meter große Bühne und eine Bierbude auf. Wir rechnen höchstens mit 300 bis 400 Besuchern auf 2000 Quadratmetern, die wir abtrennen würden. Wir könnten aber in wenigen Minuten den Platz verdreifachen.“

Nicht nachvollziehbar

Das Bauaufsichtsamt hält die Absage jedoch für gerechtfertigt. „Die Veranstaltung ist nicht genehmigungsfähig“, sagt Amtsleiterin Angela Thiemann. „Es stellt sich die Frage, ob die Veranstalter es nicht einfach nur versäumt haben, in den Vorjahren die nötige Genehmigung einzuholen.“ Die genauen Umstände vor Ort seien ihr persönlich zwar nicht bekannt, so Thiemann. „Wir haben den Vorgang erst seit einigen Tagen auf dem Schreibtisch, aber mein Team hat mit Hochdruck daran gearbeitet.“

„Was die Stadt hier fordert, ist nicht nachvollziehbar. Sie legt hier Kriterien an wie bei »Rock Am Ring«“, kommentiert Manfred Post, Vorstandsmitglied des Klubkomm e.V., dem Interessenverband der Kölner Musikclubs und Veranstalter. Der ehemalige Referent für Popmusik der Stadt hat sich der Sache angenommen. „Ich verstehe, dass man nach der Katastrophe in Duisburg schärfere Vorschriften für Großveranstaltungen hat, aber diese Entscheidung ist fernab von jeglicher Realität.“ Die Zivilgesellschaft könne sich nicht gefallen lassen, dass solches Engagement mit banalen Gründen im Keim erstickt würde, sagt Post. Rosi Lang vom Verein Popkultur Köln ergänzt: .„Ich habe selten so ein gut vorbereitetes Festival erlebt. Die jungen Leute sind mit dem Herzen dabei und denken nicht an Profit.“

Zwar deutet sich inzwischen eine Alternativ-Lösung in der Schützenhalle Flittard an. Aber erst einmal wollen die Veranstalter, Post und der Verein Popkultur Köln weiter um das Open Air ringen. „Wir wollen stimmungsvoll im Grünen sein, wie es sich für ein Sommermusikfestival gehört“, betont Koza.