Abo

Neue Schulen für Hunderte Kinder

Lesezeit 4 Minuten
Grundschüler auf dem Weg zur Schule

Grundschüler auf dem Weg zur Schule

Nippes/Chorweiler –  Der Mangel ist noch größer als zuletzt angenommen. Nach der Auswertung neuer Zahlen zur Bevölkerungsentwicklung und einer Analyse für jeden Stadtteil hat die Stadtverwaltung ihren Schulentwicklungsplan aktualisiert. Um den Herausforderungen gerecht zu werden, müssen in den nächsten Jahren 54 neue Schulen gebaut werden. Hinzu kommen Erweiterungen und neue Klassen in bestehenden Einrichtungen.

Der Druck ist bereits jetzt so groß, dass auch unkonventionelle Lösungen diskutiert werden. Die Stadt prüft die Anmietung von Bürogebäuden oder den Umbau eines leerstehenden Möbelhauses in Poll. „Der Notstand ist so groß, dass über alles nachgedacht werden muss“, so der Schulentwicklungsplaner Frank Pfeuffer. Auch die Schließung von Haupt- und Realschulen ist weiterhin im Gespräch, um die Gebäude für die stärker nachgefragten Plätze an Gymnasien und Gesamtschulen zu nutzen. Schnelle Lösungen bietet der aktualisierte Plan jedoch nicht. Die Stadt geht davon aus, dass auch in den nächsten Jahren Hunderte Familien, die einen Gesamtschulplatz für ihr Kind wünschen, eine Absage bekommen werden.

Die Zahl der Kölner Erstklässler wird bis zum Jahr 2022 auf rund 10 500 Kinder ansteigen. Das ist eine Steigerung im Vergleich zum kommenden Schuljahr von über 1000 Kindern (siehe Grafik). Zeitversetzt wird auch die Zahl der Fünftklässler deutlich steigen.

Der Stadtbezirk Chorweiler gehört neben Mülheim, Rodenkirchen und Porz zu den Teilen der Stadt, wo die Kinderzahl am stärksten steigen wird. Auf einzelne Stadtteile im Kölner Norden herunter gerechnet besteht vor allem für Kinder in Volkhoven/Weiler, Seeberg und Chorweiler besonderer Handlungsdruck. Folgt man den Annahmen der Bevölkerungsprognose ist die Lage im Stadtbezirk Nippes entspannter. Eine Ausnahme ist der Stadtteil Weidenpesch.

Bei den Zahlen für Chorweiler ist der Bedarf für den geplanten neuen Stadtteil Kreuzfeld mit einbezogen. Die städtischen Planer haben den Vorschlag, hier einen attraktiven Bildungscampus aufzubauen, übernommen. Zwei Grundschulen und eine Gesamtschule sind aufgelistet. Mit dem „Bildungscampus Köln-Nord“ verbindet sich zudem die Idee, ein innenstadtnahes Berufskolleg nach Kreuzfeld zu verlegen. Mit dem Umzug würde ein Standort frei, den man dann für eine weitere Gesamtschule oder ein weiteres Gymnasium nutzen könnte.

Der Schulentwicklungsplan benennt auch den Standort Netzestraße/Swinestraße im Chorweiler Norden als Grundstück für eine neue Gesamtschule. Die Bezirksvertretung hatte vorgeschlagen, eine neue Gesamtschule für den Bezirk in Worringen zu bauen. Das hält die Verwaltung für möglich. Man tendiere aber eher zum Standort in Chorweiler. Möglicherweise sei es aber sinnvoll, sogar an beiden Standorten Gesamtschulen zu eröffnen.

Umzüge in Weidenpesch

Ein Gesamtschulprojekt, das deutlich schneller realisiert werden kann als die eher fern liegenden Optionen im Norden, ist der Neubau an der Schmiedegasse in Weidenpesch. Derzeit würden mit den Gewerbebetrieben auf dem Areal Verhandlungen über deren Umsiedlung geführt. Geprüft wird, ob man der Schule einen vorgezogenen Start in einem Interimsquartier ermöglichen kann.

Für Nippes benennt der Entwicklungsplan zwei „Suchaufträge“: Sowohl eine neue Gesamtschule wie auch ein weiteres Gymnasium seien nötig. Doch bislang gibt es kein geeignetes Grundstück.

Die Vorschläge des Schulentwicklungsplans werden in den nächsten Wochen in den Bezirksvertretungen und im Stadtrat debattiert. Der Stadtrat soll in seiner Juni-Sitzung entscheiden. Streitpunkt zwischen den Ratsparteien ist die Frage, ob die Stadt nicht angesichts des großen Mangels einen Schwerpunkt auf den Ausbau des Gesamtschulangebots legen muss. SPD und Linke fordern das. Die Schulverwaltung wie auch das Ratsbündnis von CDU und Grünen setzen auf einen gleichberechtigten Ausbau von Gesamtschul- und Gymnasialplätzen. Durch die Rückkehr der Gymnasien zur längeren Schulzeit bis zum Abitur, bestehe auch hier dringender Handlungsbedarf.

Wegzug von Familien einkalkuliert

Wo sind sie hin? Der Blick auf die Zahlen und die Grafik, mit denen die Stadt die Schülerentwicklung darstellt, irritiert. Die Zahl der Fünftklässler liegt um rund 500 unter der Zahl der Erstklässler vier Jahre zuvor. Die Statistiker glauben, dass immer mehr Familien mit jungen Kindern ins Umland ziehen werden. Sie sprechen von einem „negativen Wanderungssaldo“ – eine Annahme, die sich nicht bewahrheiten muss. (fra)

KStA abonnieren