„Nicht mehr wegzudenken“Ditib feiert fünfjähriges Bestehen der Zentralmoschee

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Tulpen-Festival

Die Tulpe gilt in islamischer Kunst als mystisches und göttliches Symbol.

Köln – In der islamischen Kunst spielt die Tulpe eine bedeutende Rolle. Auf Türkisch heißt sie „Lale“; das ursprünglich persische Wort – „Laleh“ – setzt sich aus den gleichen Buchstaben zusammen wie der Name Allahs. Deshalb gilt die Blume als mystisches und göttliches Symbol. So erklärt sich, warum die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (Ditib) die viertägige Feier zum fünfjährigen Bestehen ihrer Zentralmoschee in Ehrenfeld „Tulpen-Festival“ genannt hat.

Am Donnerstag hat es begonnen; da war es genau fünf Jahre her, dass im Kuppelsaal das erste gemeinschaftliche Freitagsgebet stattfand und das Gotteshaus der Gemeinde übergeben wurde. Es sei ein „Tag größter Freude“ gewesen, ein „Tag der Erfüllung und des Ankommens“, sagte Ditib-Bundesvorsitzender Kazım Türkmen bei der Eröffnung des Festivals. Der Neubau sei eine „Investition in eine gemeinsame Zukunft“ und ein „gelingendes Miteinader“. Die Besucherzahlen zeigten: „Die Strahlkraft dieser Moschee ist groß.“ Es sei nicht nur ein Ort der Religion, sondern auch des sozialen und kulturellen Lebens. „Wir sind uns der Verantwortung bewusst und wollen ihr gerecht werden“, sagte er und betonte: „Dieses Gotteshaus heißt jeden willkommen.“

Fertigstellung verzögerte sich aufgrund von Streitigkeiten

Bezirksbürgermeister Volker Spelthann (Grüne) erinnerte daran, dass sich die Ditib seit 1984 zunächst mit einer „Hinterhofmoschee“ begnügen musste. Den Neubau nach einem Entwurf von Paul Böhm zeichne „architektonischer Wagemut aus“; prominent am Eingang zu Ehrenfeld platziert, sei das repräsentative Gebäude, das auch für die Religionsfreiheit in einem liberalen Rechtsstaat stehe, aus dem Stadtbezirk „nicht mehr wegzudenken“.

Der Grundstein für die Moschee mit ihrer 37 Meter hohen Kuppel und ihren 55 Meter hohen Minaretten wurde im November 2009 gelegt. Im Februar 2011 war Richtfest. Wegen Streitigkeiten verzögerte sich die Vollendung. Offiziell eröffnet wurde das Gebäude, zu dem ein Konferenzsaal, Seminar- und Büroräume, eine Einkaufspassage und eine Tiefgarage gehören, im September 2018 im Beisein des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan.

Spelthann: Moschee trägt viel zum Leben in Ehrenfeld bei

Die Moscheegemeinde, ein integraler Bestandteil des Lebens in Ehrenfeld, leiste viel, sagte Spelthann; als Beispiele nannte er die Seelsorge, die Flüchtlings- und Seniorenarbeit und die Corona-Impfaktion im vorigen Dezember. Dass sich die Gemeinde mit dem Festival „zur Straße hin öffnet“, sei nicht nur wegen der von der Pandemie erzwungenen langen Zeit der Zurückhaltung ein „überfälliger Schritt“.

Tulpen-Festival2

Bei der Eröffnung am Donnerstag war auch der ehemalige Kölner Oberbürgermeister Fritz Schramma anwesend.

Kölns Ex-Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) sagte, lange habe er „voller Leidenschaft“ zusammen mit anderen für diese Moschee „gekämpft“; dabei habe er „Anfeindungen und Angriffen“ auch aus der eigenen Partei standhalten müssen. Die frühere Hinterhofmoschee sei einer so großen Religionsgemeinschaft wie die der Muslime in Köln nicht mehr „würdig“ gewesen.

Heute sei der Neubau ein „akzeptiertes, respektiertes Prachtstück am Stadttor“ zu Ehrenfeld. Schramma, der Mitglied des Beirats zum Moscheebau war, streifte, dass Konflikte mit der Ditib nicht ausblieben. Wenn er die Vorgänge bisweilen „auch mit kritischen Bemerkungen begleitet“ habe, so sei dies immer positiv gemeint gewesen. „Ich war und bin an eurer Seite. Wenn ihr mich braucht, bin ich gerne dabei.“ Bei allem, was er gegebenenfalls kritisch äußere, werde er auch in Zukunft ein „Freund der Ditib“ sein.

Festival dauert bis Sonntag

Das Tulpen-Festival dauert bis Sonntag, 12. Juni. Sehenswert ist die Ausstellung „Look Up“ mit Fotografien von Karl-J. Gramann, die aus der Sicht von unten die Decken sakraler und profaner Bauten sowie Treppenhäuser zeigen. Zum weiteren Programm gehören Konzerte, Vorträge, Lesungen, eine Folkloreshow und eine Tanzaufführung. An der Seite der Moschee, wo die Fuchsstraße verläuft, sind Info- und Imbissstände, eine Hüpfburg und ein Spielezirkus aufgebaut.

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