Kirchen-Neubau in WeidenpeschWohnungen am Glockenturm der Erlöserkirche

Die 1951 eröffnete Erlöserkirche mit ihren Gemeinderäumen soll einem Neubau weichen.
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Weidenpesch – Es ist ein avantgardistisches, annähernd würfelförmiges Gebäude, das die in die Jahre gekommene Erlöserkirche beerben soll. Und es dürfte für Aufsehen im Ort sorgen: Der Neubau mit fünf Etagen soll die 1951 erbaute, nicht mehr renovierbare Kirche an der Derfflingerstraße 9 mitsamt Gemeinderäumen ersetzen. Markant ist der aufgesetzte Glockenturm, der den bisherigen dominanten seitlichen Turm der Erlöserkirche architektonisch zitiert. Vor dem Eingang des neuen Gotteshauses, nahe der Einmündung zur Hohenfriedbergstraße, entsteht laut der Pläne ein großzügiger Vorplatz mit Bänken. Die Bäume an der Straßenecke sollen dabei erhalten bleiben. Auch der Kindergarten der Kirchengemeinde sowie 13 Wohnungen, die in den oberen Etagen platziert sind, finden im Gebäudekomplex Platz. Ebenfalls zum Entwurf gehören eine Tiefgarage sowie Solarkollektoren auf dem Dach.
Der siegreiche Entwurf stammt vom Stuttgarter Planungsbüro Harris + Kurrle. Beim Architekten-Wettbewerb der Evangelischen Gemeinde Mauenheim/Weidenpesch hatte es sich gegen sieben Mitbewerber durchgesetzt. Den zweiten Platz belegte das Zollstocker Büro Gernot-Schulz, das unter anderem die Erweiterung des Weidener Rhein-Centers plante. Auf Rang drei landete das Saarbrücker Architektenbüro Wandel Lorch, das das geplante Jüdische Museum auf dem Rathausplatz entwarf.
Das Votum – sowohl für den Siegerentwurf als auch für die weiteren Plätze – traf die 13-köpfige Jury um die isländische Architektur-Professorin Jórunn Ragnarsdóttir als Vorsitzende einstimmig. „Frau Ragnarsdóttir meinte, wir hätten in unserem Wettbewerb die Crème de la Crème der deutschen Kirchenbaumeister versammelt“, sagte der Diplom-Architekt und -Projektsteuerer Volker Langenbach schmunzelnd, der den Architektenwettbewerb vorbereitete und betreute.
Zusammenhängende Gebäude
Den Ausschlag gab für die Preisrichter, dass der Siegerentwurf den Kirchenraum, den Kindergarten und die Wohnungen harmonisch in einem zusammenhängenden Gebäude als neuem Gemeinde-Mittelpunkt vereine. „Die Verfasser schaffen es, die drei Hauptfunktionen in einem skulpturalen Baukörper zusammenzufassen, ohne dass die vorgegebenen inhaltlichen Brüche das Gebäude gestalterisch zergliedern“, so das Gremium.
In einem zum Gemeindegarten hin gelegenen, mit der Kirche baulich verbundenen Gebäudeteil soll die neue Kita der Evangelischen Gemeinde mit drei Gruppen entstehen, darunter zwei Gruppen für unter Dreijährige. Damit gibt es im Neubau eine Kita-Gruppe mehr als im derzeitigen evangelischen Kindergarten an der Nibelungenstraße in Mauenheim, der mit der Eröffnung der neuen Räume nach Weidenpesch umziehen wird. Ebenfalls in jenen Gebäudeteil integriert sind Gemeinderäume wie das Pfarrbüro, Besprechungs- und Küsterzimmer, eine Kinderwagen-Abstellkammer und Toiletten. Auf der Terrasse des Kita-Gebäudes werden auch Gemeindefeste stattfinden.
Als weiterer Pluspunkt des Siegerentwurfs galt für die Preisrichter, dass – neben der das Stadtbild prägenden architektonischen Qualität und insbesondere der gut gelungenen Platzierung der Kita – viel vom Kirchengarten übrig bleibe. „Und sämtliche Räume des Neubaus werden barrierefrei, das ist bei der alten Kirche auch nicht der Fall“, ergänzt Langenbach.
Auf ein wenig Kritik stieß der Entwurf für den Innenraum der Kirche, der manchem Gemeindemitgliedern zu kühl, neutral und nüchtern herüberkam. „Den Kirchenraum empfanden einige Teilnehmer beim zweiten oder dritten Preis als besser gelöst. Natürlich sind aber Konzept-Änderungen noch möglich. Wir wollen das Gespräch mit dem Architektenbüro suchen“, hieß es aus Kreisen des Presbyteriums.
Ein genauer Zeitpunkt für Abbruch und Neubau steht indes noch nicht fest. „Unsere alte Kirche wird erst abgebrochen, wenn alle Planungen und Gespräche mit dem siegreichen Architektur-Büro abgeschlossen sind“, betonte Langenbach.
