Abo

„Nur über meine Leiche“Nippeser Künstlerin präsentiert Vorsorgebuch fürs Ableben

3 min
Die Künstlerin Tina Damm alias „Miss Cherrywine“ hat ein Vorsorgebuch für die eigene Beerdigung geschaffen.

Die Künstlerin Tina Damm alias „Miss Cherrywine“ hat ein Vorsorgebuch für die eigene Beerdigung geschaffen.

Tina Damm hat ein Ausfüllbuch für die eigene Beerdigung entworfen. Das Ziel: sich auf niederschwellige Weise mit dem Thema zu beschäftigen.

„Für viele Menschen ist es unglaublich schwer, sich mit dem Thema Tod zu beschäftigen. Sie sagen: ‚Bleib mir bloß weg damit‘“, hat Tina Damm alias „Miss Cherrywine“ beobachtet. Die Nippeser Sängerin hingegen wurde früh damit konfrontiert, da ihre Mutter recht jung verstarb, und sie weitere Todesfälle in ihrer Familie miterlebte. „So bin ich ursprünglich zu dem Thema gekommen. Es ist in meiner Familie eine Bewältigungsstrategie, schwierige Situationen mit Humor zu nehmen.“

Seit 2025 tourt sie mit ihrem Programm „Salon Mortel“, neben weiteren Solo- und Gruppenauftritten durch die Republik. Dabei präsentiert sie Chansons, erstaunliche Fakten und schwarzglitzernden Humor – frei nach dem Motto: „Sind wir nicht alle ein bisschen sterblich?“. 

Durch das damalige Crowdfunding, um die Show vorbereiten zu können, kam auch ihr Vorsorgeheft „Nur über meine Leiche!“ zustande. Dieses hatte sie einst den Unterstützern zum Download angeboten. „Doch immer mehr Leute sagten mir, dass sie es als Buch haben wollen, um es sich zu Hause hinzulegen oder zu ihren Unterlagen fügen zu können.“

Die eigene Trauerfeier vorbereiten – und das Leben reflektieren

Im 30-seitigen Heft kann man auf aufgelockerte Art und Weise für die eigene Beerdigung planen: Was sollen die Gäste tragen, welche Musik soll laufen – und welche Titel auf keinen Fall? Wer soll die Rede halten, und was sollte in ihr vorkommen? Wo, und in welcher Form überhaupt, soll die Trauerfeier stattfinden? Auch um den digitalen Nachlass, etwa E-Mail- und Social-Media-Konten, geht es. 

Mal zum Ankreuzen oder Einkreisen, mal mit freiem Formulieren oder Malen, kann man seinem Umfeld etwas Orientierung für den eigenen letzten Weg geben – oder die Wünsche verbindlich machen, in Form einer Verfügung. Doch auch die verbleibende Lebenszeit spielt eine Rolle: Auf einer Seite kann man festhalten, was man auf jeden Fall noch machen oder erleben will – oder, auf einer „Alles-ist-möglich-Liste“, gerne tun würde, wenn Geld keine Rolle spielte und man nicht scheitern könnte. 

Ihr Werk treffe auf ein Echo aus ganz Deutschland, erzählt Damm. „Es sind ganz unterschiedliche Zielgruppen, die das Heft bestellen: etwa Bestatter und Trauerbegleiter, aber auch Privatpersonen.“ Es sei gerade für Vorsorgemuffel und Menschen mit Berührungsängsten konzipiert. Vor dem Hintergrund ihrer Eltern, die viele ihrer Wünsche nicht mehr umsetzen konnten, habe die Beschäftigung mit dem Thema sie animiert, sich als Künstlerin selbstständig zu machen, verrät die frühere Veranstaltungsleiterin der Sozial-Betriebe-Köln (SBK). „Ich hatte mich entschlossen, zu schauen, was mir für mein Leben noch wichtig ist – und das war vor allem die Bühne, auf der ich bis dahin nur nebenberuflich gestanden habe.“