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Alle Infos im ÜberblickDer Geisterzug startet in diesem Jahr erstmals in Köln-Riehl

Lesezeit 4 Minuten
Drei als Geister geschminkte Menschen mit Sombreros mit Lichterketten.

Im Jahr 2019 ging der Geisterzug durch Lindenthal.

Am 11. Februar startet der alternative Zoch zwischen Flora und Zoo in Köln-Riehl. Alle Infos im Überblick.

Mehrere Wochen und Monate liefen die Überlegungen, Planungen und Konzeptions-Arbeiten, nun ist es spruchreif: Auch in diesem Jahr wird es einen Geisterzug geben. Wie schon im Jahr 2020 geht er jedoch nicht am angestammten Termin am Karnevalssamstag, sondern am Samstag eine Woche zuvor – somit am 11. Februar.

Unter dem Motto „Fastelovend es för all – halal, koscher un liberal“ zieht der Geisterzug erstmals überhaupt durch Riehl. Start ist um 18 Uhr am Plätzchen zwischen Flora und Zoo, von wo aus die Geister auf 4,5 Kilometer Streckenlänge durch Riehl, Niehl und Nippes gehen; das Abschlussfest mit Kundgebung ist auf dem Wilhelmplatz geplant. Ein Thema des auch als politische Demonstration konzipierten und als solche angemeldeten Zuges ist diesmal die Offenheit gegenüber den Religionen, und ein Plädoyer für die kölsche Toleranz wider dem religiösen Fundamentalismus.

Kölner Organisatoren wünschen sich mehr Gemeinschaft

„Mit dem Geisterzug 2023 möchten wir alle hier lebenden Menschen dazu motivieren, die kulturellen und religiösen Unterschiede nicht länger zur Abgrenzung zu nutzen, sondern als Diskussionsgrundlage zum besseren Kennenlernen“, schreibt das Organisations-Bündnis. Entlang des Zugweges liegen die Synagoge der Jüdisch-Liberalen Gemeinde „Gescher LaMassoret“ Köln, die auch zu den Veranstaltungspartnern des diesjährigen Geisterzuges zählt, die durch die berühmte Predigt von Kardinal Frings bekannte katholische Kirche St. Engelbert am Riehler Gürtel, die Naumannsiedlung, die von dem jüdischen und 1944 von den Nazis in Auschwitz ermordeten Architekten Manfred Faber erbaut wurde, sowie die Moschee der Ahmadiyya Muslim Jamaat an der Eichhornstraße in Niehl.

Alles zum Thema Karnevalsumzüge

Vergangene Woche traf sich das Organisationsteam des Geisterzuges 2023 zu einer Vorbesprechung im offenen ökumenischen Gemeindezentrum „Ö-Treff“ an der Philipp-Wirtgen-Straße 7 in Riehl – darunter Mitglieder des Geisterzug-Trägervereins „Ähzebär un Ko“ um den Vorsitzenden Erich Hermans, Christa und Walter Eumann vom Runden Tisch Riehl, Sabine Alm vom karnevalistischen Veedels-Dachverband „Riehler Fastelovendsfründe“ und Rafi Rothenberg, Vorstandsvorsitzender der Jüdisch-Liberalen Gemeinde. Zu diesem Zeitpunkt war noch nicht endgültig klar, an welchem Termin der Geisterzug geht – ob am Karnevalssamstag oder, wie 2020, eine Woche zuvor.

Kölner Polizei sorgt für Sicherheit des Geisterzugs

Nachdem Ähzebär un Ko die Demonstration am gleichen Tag für den 11. Februar angemeldet hatte und von der Polizei binnen 48 Stunden nichts Gegenteiliges zurückkam, ist der Termin inzwischen gesetzt. Für den Fall der Nicht-Genehmigung hätte es Alternativen gegeben – etwa einen „herkömmlichen“ Zoch an Karnevalssamstag auf kleinerer Strecke. Am Karnevalssamstag-Nachmittag, dem 18. Februar, zieht zudem, unabhängig vom Geisterzug, der Riehler Zoch durchs Veedel. „Um den Charakter als Demonstration zu unterstreichen, haben wir bei der Anmeldung das Zoch-Motto um den Nachsatz „Mer fiere politisch“ ergänzt“, erläuterte Hermans.

„Als Demo haben wir den großen Vorteil, dass die Polizei die Sicherheit des Zochs übernimmt.“ Die Ahmadiyya-Gemeinde aus Niehl, ursprünglich als Mit-Organisator des Geisterzuges angedacht, hatte sich kurz davor zurückgezogen; dafür ist jedoch geplant, weitere Organisationen aus den Stadtteilen oder entlang des Zugwegs mit einzubinden – etwa das katholische Reformbündnis „Maria 2.0“. Hierzu laufen noch Gespräche. Wer beim Geisterzug mitmarschieren will, kann die KVB-Linien 16 (Reichenspergerplatz) oder 18 (Zoo/Flora) zur Anreise nutzen; die Rückkehr ist mit den Linien 12 oder 15 (Flora- oder Lohsestraße) möglich.

Dieser Kölner Zoch setzt ganz auf Kreativität

Wie schon seit den Anfängen des Jeisterzochs spielt die Verbindung von Karneval und Politik eine entscheidende Rolle: Die Kostüme sollten nach Möglichkeit gruselig sein und/oder zum Motto passen. Es gibt so gut wie keine motorbetriebenen Fahrzeuge, keine festen Zuggruppen, auch keine Musik aus den Lautsprechern und kein Wurfmaterial. Dafür aber sind die Teilnehmer aufgefordert, selbst kreativ zu werden. Das Team hofft, dass möglichst viele Geister den Weg nach Riehl antreten.


Der Geisterzug – Geschichte und Strecke

Rund 4,5 Kilometer durch Riehl, Niehl und Nippes wird der Geisterzug 2023 am Samstag, 11. Februar, zurücklegen. Die Aufstellung der Geister am Plätzchen zwischen Zoo und Flora beginnt um 18 Uhr, der Abmarsch ist für 19 Uhr geplant. Über Stammheimer Straße, Riehler Gürtel, Garthestraße, Philipp-Wirtgen-Straße, Hildegardisstraße, Naumannstraße, Goldfußstraße, Barbarastraße und Amsterdamer Straße geht es durch Riehl in Richtung Niehl.

Über die Friedrich-Karl-Straße und den Niehler Kirchweg erreicht der Zoch Nippes und die Neusser Straße, wo er in die Viersener Straße einbiegt. Auf dem Wilhelmplatz sind Abschlusskundgebung und Auflösung geplant. Es ist, nach 1997 („Afrikanische Träume“), 2007 („Ming Ahl es Kölsche“) und 2014 („Däm Agrippina ze Ihre: Lans dr Stroß vun Xanten noh dr Paffepooz“), das vierte Mal, dass der Geisterzug durch Nippes geht. Der 2014er-Zug startete zudem in Niehl. Der Geisterzug fand 1991 erstmals statt, als Anti-Golfkriegs-Demonstrationszug in Reaktion auf die Absage des offiziellen Karnevals.

Jedes Jahr geht der alternative Zoch eine andere Strecke; meist gibt es einen Zusammenhang zwischen dem jeweiligen Motto des Zochs und der Strecke beziehungsweise den Veedeln, durch die er zieht. Wie im Anfangsjahr ist er als Mischform von Karnevalszug und politischer Demonstration gedacht. Es gibt keine Kamelle und Strüßjer, und weitgehend keine elektronischen Hilfsmittel oder Musik vom Band.

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