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VeedelsarchivHerbe Schönheit im Nippeser Osten

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Die ausgestopften Vögel in den Bäumen des Afrikaviertels stellen die Mitglieder des Archivs für Stadtteilgeschichte vor ein Rätsel.

Nippes – Bei den ausgestopften Vögeln, die in einigen Bäumen rund ums Nippeser Afrikaviertel sitzen – etwa die zwei Fasane an der Ecke des „Tangaplatzes“ Ecke Gustav-Nachtigal-/Namibiastraße –, waren selbst die Experten vom Archiv für Stadtteilgeschichte ratlos. „Wir wissen nicht, woher sie kommen“, so Harald Niemann, der mit Pit Hoff und der Vorsitzenden des Veedelsarchivs, Kathi Bücken, rund 15 Teilnehmer durch Nippes führte. „Das muss ein Künstler gewesen sein, doch niemand weiß, wer es war – auch bei uns hat sich noch niemand gemeldet.“

Unter dem Titel „Nippes – sein unbekannter Osten“ feierte nun die neue Stadtteilführung der Hobby-Archivare ihre Premiere. Die Mitwandernden – sowohl Nippeser als auch „Auswärtige“ – erfuhren an rund 15 Stationen zwischen Leipziger Platz, Afrikaviertel, Clouth-Gelände, Johannes-Giesberts-Park und St.-Bonifatius-Kirche allerlei Wissenswertes und Anekdoten über das bisher wenig beachtete Quartier östlich der Neusser Straße. Denn während der Nippeser Westen mit Baudri- und Wilhelmplatz, Nippeser Tälchen, dem quirligen Stadtteilzentrum rund um den „Golde Kappes“ sowie Stellwerk- und Sechzigviertel viel Flair verströmt, ist der Osten eher eine herbe Schönheit. Denn er wird durchschnitten von der Verkehrsachse Niehler Straße, von vielen Nippesern auch die „hässliche Schwester der Neusser Straße“ genannt.

Afrikaviertel aus den 1930er Jahren

Einer der Haltepunkte war etwa die Villa der Industriellenfamilie Kretzer, das heutige Haus Nordstraße 17a – die damals am Rand des Stadtteils lag. „Nippes hörte hier früher auf, dann kamen nur noch Kappesfelder“, schilderte Hoff. „Daher rührt auch der Name Nordstraße.“ Das angrenzende Afrikaviertel wurde in den 1930er Jahren hochgezogen – und mit Straßennamen versehen, die an ehemalige deutsche Kolonien und deren Statthalter erinnern. „Alle Häuser hier sind in gleichem Rahmenmaß erbaut, noch ein Garten dran – und fertig war das Viertel“, so Niemann. Die nach Carl Peters und Adolf Lüderitz benannten Straßen bekamen jedoch im Zuge einer kritischen Auseinandersetzung mit der kolonialen Vergangenheit Deutschlands während der 1990er Jahre neue Namen. „Nur Gustav Nachtigal blieb im Straßenbild übrig. Er verstand sich eher als Völkerkundler und Forscher denn als Kolonialherr.“

„Wenn man hier genau hinschaut, sieht man, dass die Fassaden ein paar Meter nach hinten versetzt sind“, erinnerte Hoff auf der Niehler Straße an die einstigen Planungen, die Meile zum Zubringer der innerstädtischen Autobahn zu machen. „Hier herrschte früher dörfliches Flair, bevor die alten Häuser einer Straßenverbreiterung weichen mussten.“ Der Plan für die City-Autobahn durch den Inneren Grüngürtel wurde jedoch in den 1980er Jahren endgültig verworfen.

Zweistündiger Veedelsrundgang

Auch das 15 Hektar große frühere Clouth-Areal war Thema des Rundgangs. „Hier sollen Wohnungen und nicht störendes Kleingewerbe entstehen“, fasste Hoff vor dem Werkstor 4 die Planungen zusammen. Für Gelächter sorgte die Anekdote aus einer städtischen Informations-Veranstaltung. „Hier befand sich bis vor kurzem die Kunststofffabrik Carl Thomas. Deren Inhaber stand in der Veranstaltung auf und meinte: «Ist ja schön, was Sie mit meinem Grundstück vorhaben» – denn die Stadt hatte den Kleinbetrieb am Rande des Clouth-Geländes bei ihren Planungen vergessen.“ Südlich des Industrieareals führten die Hobby-Archivare die Teilnehmer auch zur kleinsten Siedlung von Nippes: Neun Backstein-Einfamilienhäuser an der Franz-Clouth-Straße liegen etwas versteckt hinter den Werkshallen. „Hier wohnten einst leitende Clouth-Angestellte – die brauchten abends aus der Fabrikverwaltung nur rausfallen und zur Haustür rein.“ Fast kein Teilnehmer kannte die heimelig anmutende Siedlung zuvor. „Ich wette, selbst 90 Prozent der Nippeser kennen sie nicht“, so eine Teilnehmerin erstaunt.

Nach dem zweistündigen Veedelsrundgang, der am Startpunkt Leipziger Platz auch sein Ende fand, quittierten die Teilnehmer die Führung mit Applaus. Die Archivare werden die Entwicklung weiter aufmerksam verfolgen. „Der Nippeser Osten ist ein riesiges Gebiet – seien wir gespannt, was daraus wird“, so Niemann.

Am Samstag, 8. September, findet der Stadtteilrundgang erneut statt. Treffpunkt ist um 15 Uhr vor dem Leonardo-da-Vinci-Gymnasium am Leipziger Platz. Teilnahmebeitrag: 9 Euro, ermäßigt 7 Euro.

www.archiv-koeln-nippes.de