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VogelpopulationTierrufe halten die Kölner Bevölkerung wach

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Eine junge Waldohreule (Archivbild)

Riehl – Sie sind jung, vor kurzem erst aus dem Ei geschlüpft – doch sie sorgten in den vergangenen Tagen und Wochen in einigen Gebieten der Stadt für viel abendliche Unterhaltung. So auch in Riehl, insbesondere in den Straßenzügen rund um die Naumannsiedlung und die Barbarastraße. Dort hörte man jetzt beinahe jeden Abend und jede Nacht krächzend-piepsende Geräusche aus Grünflächen und baumbestandenen Innenhöfen. Sie stammen von Eulen-Babys, die mit ihren durchdringenden Rufen Futter von den Eltern fordern. Denn im Spätherbst und Frühwinter war die Paarungszeit der nachtaktiven Jäger; im März oder April die Ei-Ablage der Weibchen. Inzwischen sind die Jungtiere geschlüpft.

Eulen rufen die ganze Nacht durch

„Mein Mann schläft normalerweise wie ein Murmeltier, aber damit ist es momentan vorbei. Eine der Eulen hat sich offenbar in einem Baum direkt neben unserem Schlafzimmerfester häuslich niedergelassen“, so eine Anwohnerin der Barbarastraße. „Pünktlich zwischen elf und halb zwölf Uhr fängt sie an zu rufen und hört dann fast die ganze Nacht nicht mehr auf. Ich habe mir schon Ohrstöpsel gekauft.“ Und so mancher Nachbar in der Naumannsiedlung hielt die Fenster geschlossen, damit die vorlauten Vögel ihn nicht um die nächtliche Ruhe brachten.

Auch die Partyservice-Inhaberin und Hauswirtschafts-Lehrerin Waltraud Berg, die ebenfalls an der Barbarastraße wohnt, hat die grellen Schreie in den vergangenen Tagen vernommen. „Man hört sie laut und sehr, sehr deutlich; wenn ich abends auf dem Balkon stehe, ist da immer ein Fiepen.“ Wie etliche Riehler hatte sie zunächst gerätselt, welches Tier hinter den merkwürdigen Lauten stecken möge. Die Verursacher hat sie noch nie zu Gesicht bekommen – schließlich operieren die Missetäter im Schutz der Dunkelheit und zeigen sich überdies nicht gern. „Zuerst konnte ich es nicht eindeutig zuordnen. An Eulenkinder habe ich schon einmal gedacht, weil es nachtaktive Tiere sein müssen, wegen der späten Uhrzeit. Marder beispielsweise sind ja nicht so laut“, so Berg, die viele Menschen im Stadtteil noch von ihrem Suppenmobil „Frau Berg kocht“ auf dem Wochenmarkt kennen dürften.

Die Waldohreule (Asio otus) ist eine in Köln häufige Eulenart. Auch in Deutschland und fast ganz Europa – mit Ausnahme der Region am Nordkap – ist sie flächendeckend verbreitet. Deutschlandweit gibt es rund 30 000 Paare, in Europa bis zu 240 000.

Die Eulen lieben Wälder mit vielen Lichtungen, Heiden und abwechslungsreiches Grünland. Sie bauen keine eigenen Nester: Die Tiere nutzen bevorzugt verlassene Greifvogel-, Krähen- oder Elstern-Nester für die Aufzucht ihrer Jungen.

Zu lokaler Prominenz hat es die Eule im Kölner Westen gebracht: Aus Sorge um die Tiere, die das Laternenlicht stören könnte, protestieren Naturschützer seit Jahren gegen die geplante beleuchtete Laufstrecke am Adenauerweiher. Als Ausweichquartier für die Eulen werden nun Kunsthorste an anderer Stelle geprüft. (bes)

Eulen immer häufiger in der Stadt

Karl-Heinrich Terglane, Mitarbeiter der Greifvogelstation auf Gut Leidenhausen in der Wahner Heide, bestätigt, dass es sich bei den Urhebern der Geräusche um Eulen handeln muss – vermutlich um Waldohreulen. „Die Futterrufe der jungen Eulen nennt man Lahnen, gerade die hört man auch nachts.“ Allgemein seien Eulen immer häufiger in der Stadt zu beobachten, weil sich die Bestände gut entwickelt haben. „Es ist das Phänomen der Urbanisierung: Viele Tiere legen ihre Scheu vor den Menschen ab und siedeln in städtischen Gebieten“, erläutert Terglane. „Im Volksgarten und am Aachener Weiher verzeichnen wir ebenfalls gute Eulen-Bestände; auch in Gärten der Stadt kommen die Tiere vor.“

Die Eulen-Unterarten sind unterschiedlich stark in Köln präsent. „Die Waldohreule ist hier sehr gut vertreten, die Schleiereule nur in Ausnahmefällen: Sie siedelt eher im Umland. Und der Uhu hat sich unserer Beobachtung nach bisher nicht in die Stadt getraut. Für Steinkäuze ist die Kölner Bucht ein Ausnahmegebiet, drum herum findet man sie eher nicht.“

Bettelrufe von Eulenbabys

Auch für Thorsten Kestner, Leiter der Vogel-Pflegestation „Paasmühle“ in Hattingen, handelt es sich bei den nächtlichen Ruhestörern in Riehl mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit um Eulenbabys. „Es sind die Bettelrufe von Jungtieren; die Tiere brüten gern in Gartenanlagen, Parks oder auf Friedhöfen.“ Dass sich die Vögel verstärkt bemerkbar machten, hängt seiner Meinung nach vor allem mit der allgemeinen Erholung des Bestandes seit den 1970er Jahren zusammen. „Manche Säugetiere wie Füchse oder Waschbären suchen gezielt die städtische Umgebung, aber das ist bei Eulen eher nicht so. Andererseits: Wo Menschen sind, sind auch Mäuse und Ratten – und die wiederum sind für Eulen als Beute interessant.“

Allgemein gelten die Vögel als standorttreu, sie wählen mitunter über Jahre den gleichen Ort zum Brüten aus. „Aber es hört auf jeden Fall schnell wieder auf“, beruhigt er die geplagten Anwohner.