Die Siegermedaille der Garmisch-Spiele ist mit einem Durchmesser von zehn Zentimetern ungewöhnlich groß.
Olympischer MomentGold von 1936 als Symbol für die Spiele im Spannungsfeld der Politik

Diese Goldmedaille wurde bei den Olympischen Winterspielen von 1936 in Garmisch-Partenkirchen an die Sieger vergeben.
Copyright: Alexander Schwaiger
Bei den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit 1896 in Athen bekamen nur der Erst- und der Zweitplatzierte eine Medaille. Für den Sieger gab es sie in Silber, die des Zweiten war kupfern. Das damalige Griechenland verfolgte einen strikten Sparkurs, die wirtschaftliche Situation war schwierig, da war nicht mehr drin für die ersten Olympioniken. Die heute üblichen Gold-, Silber- und Bronzemedaillen für die drei Erstplatzierten eines Wettbewerbes wurden erstmals bei den Olympischen spielen 1904 in St. Louis vergeben – seither gehören sie fest zum olympischen Zeremoniell.
Nachzulesen ist das alles in dem kürzlich erschienenen Buch „Olympische Spiele und Olympische Bewegung? Klare Antworten aus erster Hand“ (UVK Verlag München/utb, 27,90 Euro). Darin hat ein Autorenteam um Stephan Wassong, den Direktor des Zentrums für Olympische Studien und Leiter des Instituts für Sportgeschichte an der Deutschen Sporthochschule Köln, spannende Fakten rund um die Olympischen Spiele zusammengestellt. Eine der älteren Goldmedaillen kann man im Deutschen Sport & Olympia Museum sehen: Dort ist die Goldmedaille der Winterspiele von 1936 in Garmisch-Partenkirchen ausgestellt.
Ursprünglich wurden die olympischen Siegerehrungen gesammelt bei der Schlussfeier durchgeführt
Mit einem Durchmesser von zehn Zentimetern sei sie „ungewöhnlich groß“, heißt es auf der zugehörigen Infotafel. Dazu der Hinweis, dass alle Siegerehrungen im Rahmen der Schlussfeier stattfanden. Den Hymnen-Marathon mag man sich gar nicht vorstellen, heute werden die Athletinnen und Athleten jeweils zeitnah nach ihren Wettbewerben geehrt. Ein Siegerpodest, das so genannte „Treppchen“, mit drei Sockeln für den Gewinner in der Mitte, den Zweitplatzierten zu dessen Rechten und den Drittplatzierten zur Linken gibt es seit den Winterspielen 1932 in Lake Placid.
Die Goldmedaille von 1936, von den Propaganda-Spielen des deutschen Nazi-Regimes, ist aber auch ein Symbol dafür, das die Olympischen Spiele schon immer auch im Spannungsfeld der Politik standen. Die Kölner Sporthistoriker haben den Fragen zur Handlungsfähigkeit der Olympischen Bewegung, „wenn das olympische Ideal der Völkerverständigung und des Friedens auf politische Realitäten trifft, die von Spaltung, Gewalt und bewaffneten Konflikten geprägt sind“, ein ganzes Kapitel gewidmet.
Auch die aktuellen Winterspiele Milano Cortina sind nicht frei von politischen Schatten. Russische Sportlerinnen und Sportler dürfen wegen des Angriffskriegs ihres Heimatlandes gegen die Ukraine zum wiederholten Mal nur nach strenger Auswahl als neutrale Athleten antreten, also ohne russische Farben oder Hymne. Und gerade wurde der ukrainische Skeletonfahrer Wladyslaw Heraskewytsch ausgeschlossen, weil er mit einem Helm an den Start gehen wollte, auf dem Bilder von im Ukraine-Krieg gestorbenen Sportlern zu sehen sind. Das verstoße gegen die Regeln, urteilte das Internationale Olympische Komitee (IOC).
Die Olympischen Spiele 1936, sowohl Anfang des Jahres die Winterspiele in Garmisch-Partenkirchen als auch die Sommerspiele in Berlin, sah Hitler als Chance zur Selbstdarstellung des nationalsozialistischen Deutschlands. Es wurde viel Geld in die Sportstätten investiert und antisemitische und rassistische Anfeindungen wurden im olympischen Umfeld so gut es geht verborgen. Die Kölner Sporthistoriker schreiben in ihrem Buch: „Große Teile der Sportwelt erlagen 1936 dann auch der Illusion eines die Menschenrechte achtenden, friedliebenden Deutschlands.“ Dabei sammelten Athletinnen und Athleten des Deutschen Reichs 33 der großen Goldmedaillen – so viele wie keine andere Nation.
Anlässlich der Winterspiele Milano Cortina 2026 blicken wir mit der Serie „Olympischer Moment“ in die Historie: 17 Tage lang geht es um Ausstellungsstücke, die im Deutschen Sport & Olympia Museum in Köln in der aktuellen Sonderausstellung „Höher, schneller, kälter!“ zu sehen sind. www.sportmuseum.de

