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Olympischer MomentFund aus den Anfängen des Bobsports

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Ein Lenkschlitten von etwa 1920 aus dem Nachlass eines Bonner Schmieds.

Ein Lenkschlitten von etwa 1920 aus dem Nachlass eines Bonner Schmieds. 

Heute ist deutsche Ingenieurskunst Gold wert für Athletinnen und Athleten in den Eiskanälen in aller Welt. 

Mit den hochmodernen und bis ins letzte Detail ausgetüftelten Sportgeräten, in denen Athletinnen und Athleten aktuell bei den Olympischen Winterspielen Milano Cortina den Eiskanal hinunter sausen, hat dieses rostige Ausstellungsstück aus dem Deutschen Sport & Olympia Museum auf den ersten Blick nicht viel gemein. Und doch: Dieses sperrig anmutende Gefährt mit Kufen und Lenkrad ist ein Vorläufer der heutigen Bobs.

Es wurde nach dessen Tod in der Scheune eines Bonner Schmieds gefunden. Der selbst gebaute Schlitten verfüge über eine funktionsfähige Lenkung – das Lenkrad sei durch die Achse und Seilzüge mit den vorderen Kufen verbunden, heißt es auf der zugehörigen Infotafel im Museum. Kai Hilger, Kurator des Deutschen Sport & Olympia Museums in Köln, ist der Ansicht, dass der Vorläufer-Bob rund 100 Jahre alt und ein Modell am Übergang vom Winter-Spaß zu ernsthaftem Sport sei. 

In den Anfängen des Bobsports saßen vier Athleten zusammen auf einem Schlitten mit Lenkrad

Seit den 1920er-Jahren gibt es internationale Meisterschaften im Bobsport, damals noch ausgetragen mit Schlitten für fünf Athleten. Heute passen in den größten Bob vier Sportler. Der Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD) wurde 1911 gegründet, der Vorläufer der heutigen Internationale Bobsleigh & Skeleton Federation 1923.

Zu den ersten Olympischen Winterspielen wurde nachträglich die Internationale Wintersportwoche 1924 in Chamonix erklärt. An dem Event am Mont Blanc nahmen 300 Athleten und 13 Athletinnen aus 16 Nationen teil und maßen sich in den Sportarten Bobfahren, Eishockey, Eiskunstlauf, Eisschnelllauf und nordischer Skisport maßen. „Weiterhin fanden ein Curlingturnier und als Vorläufer des heutigen Biathlons ein Mannschafts-Militärpatrouillenlauf statt“ – so schreibt es ein Team aus Kölner Sporthistorikern im kürzlich erschienenen Buch „Olympische Spiele und Olympische Bewegung? Klare Antworten aus erster Hand“.  

Die heute so charakteristische Haube fehlte dem Bob in seinen Anfängen noch

Im Kölner Olympiamuseum ist auf Bildern von den damaligen Wettbewerben in Chamonix ein Bob zu sehen, der dem Bonner Scheunenfund sehr ähnelt. Die heute so charakteristische Haube hat das Gefährt noch nicht. Und der an vorderster Position sitzende Athlet hält ein Lenkrad in den Händen und nicht wie heute zwei Steuerseile. 

In der Liste der Bobfahrer mit den meisten Olympiasiegen und olympischen Medaillen finden sich auf den ersten sieben Plätzen Fahrer aus Deutschland und der DDR, die Liste der Frauen führen zwei Kanadierinnen vor drei Deutschen an. Diese deutsche Dominanz im Bob hat viel mit herausragender Technik zu tun, deutsche Ingenieurskunst ist im wahrsten Sinne des Wortes Gold wert im Eiskanal.

Dahinter steckt das Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten (FES) in Berlin, das aus einer 1962 in der DDR an der Deutschen Hochschule für Körperkultur in Leipzig gegründeten „Entwicklungsstelle für Sportgeräte“ hervorgegangen ist. Bis heute wird dort getüftelt und getestet, um deutsche Athletinnen und Athleten mit den bestmöglichen Sportgeräten auszustatten. 

Anlässlich der Winterspiele Milano Cortina 2026 blicken wir mit der Serie „Olympischer Moment“ in die Historie: 17 Tage lang geht es um Ausstellungsstücke, die im Deutschen Sport & Olympia Museum in Köln in der aktuellen Sonderausstellung „Höher, schneller, kälter!“ zu sehen sind. www.sportmuseum.de