Abo

123 Wohnungen bleiben weiter ungenutzt

2 min

Wahn – An der Nachtigallenstraße steht ein ganzer Neubaublock mit 123 Wohnungen seit mehr als einem Jahr leer. Anwohner und Politiker wundern und ärgeren sich schon lange, warum die anscheinend fertigen Wohnungen nicht bezogen werden. Auch der „Kölner Stadt-Anzeiger“ hat im August über den Leerstand berichtet. Passiert ist seitdem jedoch nichts.

Nun hat die Verwaltung eine schriftliche Mitteilung in der November-Sitzung der Bezirksvertretung zu dem Thema abgegeben. Darin heißt es, dass es zwischen dem Bauträger und dem Käufer der Immobilie zu „Unstimmigkeiten“ gekommen sei, die „einer rechtlichen Klärung“ bedürfen. Genauere Angaben über das Gerichtsverfahren und die Dauer könne man nicht abgegeben – aus Datenschutzgründen. Allerdings seien die Wohnungen auch noch nicht bezugsfertig, heißt es in dem Schreiben der Verwaltung.

Entgegen dem äußeren Anschein sei der Innenausbau der Wohnungen noch nicht abgeschlossen. Im aktuellen Zustand könne man die Wohnungen nicht auf dem Markt anbieten. Bevor der Innenausbau der Wohnungen abgeschlossen werden kann, müsse aber zuerst der Gerichtsstreit zwischen Bauträger und Käufer beendet werden, führt die Verwaltung weiter aus. Auch greife in diesem speziellen Fall die neue Wohnraumschutzsatzung nicht. Die Satzung erlaubt es der Verwaltung, eine Zweckentfremdung von bestehen Wohnraum zu sanktionieren. Darunter fällt eigentlich auch ein Leerstand von mehr als drei Monaten.

In der Nachtigallenstraße handle es sich aber eben nicht um geschützten Wohnraum, da die meisten Wohnungen noch nicht bezugsfertig sind, so die Erklärung des zuständigen Amtes für Wohnungswesen. Zudem greife ein anderer Passus der Wohnraumschutzsatzung, wonach eine Zweckentfremdung des Wohnraums nicht vorliegt, wenn Wohnraum verkauft werden soll und deshalb vorübergehend leer steht. Trotz Gerichtsverfahren sei der Verkauf noch in der Abwicklung, eine Zweckentfremdung scheide also aus. Abschließend heißt es in der schriftlichen Stellungnahme der Verwaltung: „Die Wohnraumschutzsatzung gibt daher der Wohnungsaufsicht derzeit keine Handhabe für ordnungsbehördliche Maßnahmen gegen die derzeitige Eigentümerin. Die Wohnungsaufsicht begleitet jedoch den Abschluss dieses Bauträgerprojekts eng, um einzugreifen, wenn die Wohnraumschutzsatzung es zulässt.“

Das Bauprojekt trägt den Namen Nachtigallenhof und liegt zwischen Ludwig-Schneider-Straße und Im Bodesfeld, gegenüber dem Maximilian-Kolbe Gymnasium an der Nachtigallenstraße. Es handelt sich um einen Häuserriegel aus drei Gebäuden mit begrüntem Innenhof und Tiefgarage für 80 Autos. Auf den Wegen im großzügigen Innenhof des Neubaus wuchert schon das Unkraut.

Die Zufahrten zur Tiefgarage und den oberirdischen Parkplätzen sind mit Bauzäunen abgesperrt, die zahllosen Klingelschilder alle namenlos. Ein tristes Bild, das sich kurzfristig nicht ändern wird, so lässt es die Auskunft der Verwaltung jedenfalls befürchten.