Ärger über leerstehende Neubauten

An der Nachtigallenstraße stehen seit längerem mehr als hundert bezugsfertige Neubauwohnungen leer.
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Wahn – An der Nachtigallenstraße stehen 123 neue Wohnungen leer – seit rund einem dreiviertel Jahr. In vielen Teilen der Stadt wird Wohnraum dringend benötigt. In Wahn ist er vorhanden und wird nicht genutzt. Auf den Wegen im großzügigen Innenhof des Neubaus wächst schon das Unkraut. Die Zufahrten zur Tiefgarage und den oberirdischen Parkplätzen auf dem rund 7100 Quadratmeter großen Areal sind mit Bauzäunen abgesperrt; die Klingelschilder allesamt namenlos.
Das Bauprojekt Nachtigallenhof, zwischen Ludwig-Schneider-Straße und Im Bodesfeld, liegt gegenüber dem Maximilian-Kolbe-Gymnasium an der Nachtigallenstraße. Ein ganzer Häuserriegel aus drei Gebäuden mit begrüntem Innenhof und Tiefgarage für 80 Autos – gebaut von dem Kölner Projektentwickler Inter Doga.
Der Bau ist seit vergangenem Jahr fertig, das bestätigte auf Nachfrage des „Kölner Stadt-Anzeiger“ die Stadt schriftlich. In der Auskunft heißt es „die mängelfreie Bescheinigung der abschließenden Fertigstellung erfolgte im September 2018“. Seitdem ist jedoch noch kein Mieter eingezogen. Auf der Homepage der Firma Inter Doga wird das Projekt Nachtigallenhof ausführlich beschrieben – über Probleme nach der Fertigstellung steht dort allerdings nichts. Auf Anfrage teilt der Projektentwickler lediglich mit, dass ein Rechtsstreit im Zusammenhang mit dem Bauprojekt bestehe, deshalb könnten die Wohnungen noch nicht vermietet werden. Genaue Angaben zu dem Gerichtsverfahren und der möglichen Dauer könne und dürfe man nicht machen, gab das Unternehmen mit Verweis auf das laufende Verfahren an.

An der Nachtigallenstraße stehen seit längerem mehr als hundert bezugsfertige Neubauwohnungen leer.
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Auch den Bezirksvertretern ist nicht verborgen geblieben, dass in Wahn anscheinend bezugsfertige Wohnungen leer stehen. In der Mai-Sitzung hat die CDU-Fraktion eine Anfrage an die Verwaltung gestellt. „Leider haben wir bis jetzt immer noch keine Auskunft erhalten“, sagt Antragstellerin Birgitt Ogiermann. Viele Anwohner hätten sie auf das Projekt angesprochen und wollten wissen, was da los sei. „Es ist schon merkwürdig, dass ein Bau anscheinend abgenommen ist, aber keine Mieter einziehen“, sagt auch CDU-Fraktionschef Werner Marx. Allerdings müsse man nun erst einmal die Antwort der Verwaltung an die Politik abwarten.
Die wird es aber erst nach der Sommerpause im September geben. Ein Vorgehen, das Christian Brunswig unmöglich findet. Er wohnt in der Nähe des Neubaus und wundert sich schon länger, warum die anscheinend fertigen Wohnungen immer noch leer stehen. „Es ist ein Skandal, dass offensichtlich fertige Wohnungen leer stehen und weder Verwaltung noch Stadt sich kümmern“, ärgert sich Brunswig. Überall fehle Wohnraum und hier sei er vorhanden und werde nicht genutzt.
Schon in den Anfängen des Bauprojektes an der Nachtigallenstraße gab es Probleme. Im Oktober 2012 verhängte die Stadt einen Baustopp, da die Anbindung des Geländes ungeklärt war. Rund ein Jahr herrschte Stillstand auf der Baustelle. Ursprünglich war die Tiefgaragenzufahrt über die Ludwig-Schneider-Straße geplant. Auf Druck von Anwohnern entschieden die Bezirksvertreter, dass die Tiefgaragenzufahrt an der Nachtigallenstraße liegen soll. Im September 2013 bescheinigte die Stadt dann die endgültige Baugenehmigung für die 123 Wohnungen, mit der von der Politik geforderten Tiefgarageneinfahrt an der Nachtigallenstraße. Von da an dauerte es dann noch rund fünf Jahre bis die Gebäude hochgezogen waren. Wann die ersten Bewohner einziehen ist aber immer noch völlig unklar.
Werner Marx, CDU-Fraktionschef
