Auch im Alter am besten mitten im Leben
Porz – Informationsnachmittag samt Podiumsdiskussion zum Wohnangebot für Senioren in Porz – Es fehlt an Wohnraum
In der schönsten aller Welten wäre es so: Alte Menschen können bis zuletzt in ihren eigenen vier Wänden leben, selbstbestimmt und gut betreut, umgeben von einer Nachbarschaft, in der man aufeinander achtet und sich gegenseitig hilft. Doch bleibt das für viele Senioren unerreichbar. Durch Krankheit oder Pflegebedürftigkeit sind zahlreiche Männer und Frauen oft ganz plötzlich gezwungen, ihre Wohnumstände zu ändern– und dann geht keineswegs immer alles nach Wunsch.
„Wohnen im Alter – wie wollen wir leben?“ war als Thema eines Informations- und Gesprächsnachmittags im Bezirksrathaus Porz deshalb ein Angebot an Porzerinnen und Porzer in der zweiten Lebenshälfte, sich frühzeitig mit diversen Möglichkeiten auseinanderzusetzen.
Den Veranstaltern vom Runden Tisch für Seniorenarbeit und der Seniorenkoordination im Stadtbezirk ging es aber nicht allein um individuelle Lösungen für unterschiedliche Wohnwünsche im Alter, sondern auch um die Entwicklung der Stadtgesellschaft. Bei einer Podiumsdiskussion widmeten sich Vertreter von Wohnungsbaugesellschaften, Senioreneinrichtungen, Verwaltung und Bürgervereinen der Frage, wie sich die Stadt verändern sollte, um Senioren einen guten Platz zum Leben zu bieten. Wenngleich Porz für ältere Menschen bemerkenswert viele Angebote bereithält, wie Bezirksamtschef Karl-Heinz Merfeld sagte, ist der Bedarf an seniorengerechten Wohnungen doch steigend – wie überhaupt der Wohnbedarf. In Porzer Stadtteilen zu bauen, stößt aber auf allerlei Widerstände, wurde bei der von KStA-Redakteur Helmut Frangenberg moderierten Diskussion deutlich. Die Wohnungsbaugesellschaften würden neue Häuser errichten, wenn sie bei der städtischen Grundstücksvergabe nicht schon abgeschreckt würden.
„Auf teurem Grund können wir keine Wohnungen bieten, die für unsere Mieter erschwinglich sind“, sagte Uwe Seibel, Vorstand der Porzer Wohnungsbaugesellschaft Gewog. Dass sogenannte Nachverdichtungen, also Bauten in bestehenden Wohngebieten, nicht bei allen Bestandsmietern gut ankommen, berichtete Carola Klems von der GAG. Angesichts der zu Herzen gehenden Dramen, die sich mit wohnungssuchenden Menschen in den Vermietungsbüros abspielten, sei das Bauen auf engerem Raum aber unverzichtbar. Es könne nicht die Lösung sein, auf Wohnungsbau zu verzichten, damit alle Privilegien anderer Bewohner aufrechterhalten blieben. Simin Fakhim-Haschemi von der Vernetzung der Porz-Poller Bürgervereine mahnte angesichts des ungebremsten Zuzug-Wunsches vieler Neubürger nach Köln: „Vielleicht müssen wir uns von dem Gedanken verabschieden, dass wir Wohnraum für alle schaffen.“ Zweifellos müsse das Wohnangebot für Menschen, die im Alter etwas Passendes in der vertrauten Umgebung suchen, verbessert werden. Dies aber bitte mit Augenmaß – Neubauten sollten sich der Umgebung anpassen.
Sybille Jeschonek (Sahle Wohnen) sprach vom oft geäußerten Wunsch, in Neubaugebieten auch Seniorenwohnungen und kleine Pflegeeinrichtungen zu errichten. Leider habe sich die Erwartung nicht erfüllt, kleine Einheiten würden geringere Kosten mit sich bringen – im Gegenteil. Das bestätigte Ralf Becker vom CMS Seniorenpflegestift. Eine gewisse Größe brauche eine solche Einrichtung, um Menschen mit den verschiedensten Alterserkrankungen gut versorgen zu können. Seiner Erfahrung nach ist für die Bewohner der Einrichtung wichtig, mitten in Porz zu bleiben und am Leben gleich vor der Haustür teilhaben zu können.
Charitini Petridou-Nitzsche, Koordinatorin der Senioren-Netzwerke Ensen und Zündorf, machte die Qualität des Wohnens im Altergleichfalls nicht nur an seniorengeeigneten Wohnungen, sondern vor allem an der Umgebung fest. „Wir stellen fest, dass überall da, wo Nachbarschaftshilfe gut funktioniert, eine gute Mischung von Bewohnern vorhanden ist und die Mietpreise bezahlbar sind, die Wohnzufriedenheit im Alter gut ist“, machte sie deutlich. Brunni Beth, Leiterin der Seniorenkoordination im Stadtbezirk, verwies aber auf Nachholbedarf bei niederschwelligen Pflegeangeboten.
Im Foyer des Bezirksrathauses konnten sich Besucher über zahlreiche Möglichkeiten des Wohnens im Alter informieren. Wohneinrichtungen, Pflege- und Hilfsdienste und Netzwerke informierten über ihre Angebote. Die Beraterinnen und Berater waren sich einig darüber, dass frühzeitige eigene Information und Planung fürs Wohnen im Alter enorm wichtig seien. So gab Christine Blees von Parisozial auch jüngeren Interessenten schon Tipps zur Vorbereitung altersgerechter Umbauten in Haus oder Wohnung. Sie berät Menschen, die im Alter eine Wohnraumanpassung durch Hilfsmittel brauchen oder die ihre Wohnung wechseln müssen – was Monate bis Jahre dauern kann.
Eine Möglichkeit, am Leben junger Menschen teilzunehmen und sich dabei manche Unterstützung zu sichern, ist „Wohnen für Hilfe“. Das von der Stadt und der Universität getragene Projekt vermittelt Studenten passgenau als Mitbewohner für ältere Menschen . Sandra Wiegeler hat mit Kollegen schon über 700 solcher Wohngemeinschaften arrangiert und sagt: „Wir freuen uns über generationsübergreifende Erfolge.“
seniorenkoordination-porz@awo-koeln.de
Sandra Wiegeler
Uwe Seibel, Gewog
