Autobahnbrücke in Trümmer gelegt
Wahn – Das Stakkato schwerer Bohrhämmer gab der Nacht einen ungewohnten Rhythmus, und schwere, dumpfe Aufprallgeräusche waren in Wahn und Wahnheide weithin vernehmbar. Am Freitag und in der Nacht zum Samstag wurde die westliche Hälfte der Autobahnbrücke über die Heidestraße abgebrochen. Das 1966 errichtete Bauwerk mit je zwei Fahrspuren in jeder Richtung genügt den Anforderungen des stetig gewachsenen Fahrzeugverkehrs auf der Flughafenautobahn nicht mehr. Auch abgesehen von den Erweiterungsplänen wäre die Betonkonstruktion sanierungsbedürftig gewesen, schon vor Jahren mussten unter der Brücke zusätzliche Stützen eingebaut werden.
Nachdem der Landesbaubetrieb Straßen NRW im Jahr 2018 mit den aufwendigen Brückenerneuerungsarbeiten begonnen hat, stellte der Abbruch der Fahrspuren in Richtung Bonn einen entscheidenden Schritt dar. Die Vorbereitungen waren nicht leicht: Im Gegensatz zu vielen anderen Brücken besteht die Wahner Autobahnbrücke nicht aus je einem Teilbauwerk pro Richtungsfahrbahn, sondern ist in einem Stück gebaut.
Damit der Verkehr auf der A59 nicht für längere Zeit unterbrochen werden musste, wurde das alte Bauwerk in einem schwierigen Verfahren in zwei Hälften getrennt. Das ermöglicht den Abbruch in zwei Phasen, wobei jeweils eine Brückenhälfte für den Verkehr erhalten bleibt. Im vorigen Herbst wurde eine Behelfsbrücke auf der östlichen Seite errichtet. Der Verkehr gen Köln wird derzeit über diese Behelfsbrücke geführt, in Richtung Bonn wird die östliche Hälfte der alten Brücke genutzt.
Für den eigentlichen Abbruch waren umfangreiche Vorbereitungen notwendig – er sollte schließlich an einem Wochenende abgeschlossen werden und zu möglichst geringen Verkehrsbeeinträchtigungen führen. Umleitungen für den Verkehr zwischen Wahn und Wahnheide sowie von der Autobahn wurden ausgeschildert, Buslinien wurden umgeleitet, Fußgänger und Radfahrer mussten Umwege in Kauf nehmen.
Fußgänger und Radfahrer nahmen die Absperrungen von beiden Seiten durchweg als gegeben hin. Allenfalls um die ungewöhnlichen Arbeiten und die Baufahrzeuge aus der Nähe zu sehen, kamen Neugierige jeden Alters bis an die Absperrungen kurz vor der Autobahnauffahrt in Wahn heran. Zahlreiche Autofahrer hielten die Umleitungsschilder und Absperrbaken auf der Heidestraße dagegen offenbar für einen unverbindlichen Vorschlag. Fast im Minutentakt fuhren am Samstag Autos bis direkt zur Baustelle vor und wendeten erst, als die Fahrer sahen, dass tatsächlich auch für sie kein Weg über die Trümmerberge führte.
Der Weg von Wahn und Wahnheide auf die Autobahn blieb befahrbar, während zusätzlich zur schon seit Monaten bestehenden Sperrung der Abfahrt in Fahrtrichtung Köln aktuell auch die gegenläufige Abfahrt gesperrt war.
Damit die Fahrbahndecke der Heidestraße nicht durch den Fall der wuchtigen Betonbrocken beschädigt wurde, legten die Baufachleute dort ein sogenanntes Fallbett an und ließen eine mächtige Schicht aus Sand auffahren, die den Aufprall milderte. Nachdem die alte Brückenhälfte abgebrochen war und die großen Trümmer eine Etage tiefer auf der Heidestraße gelandet waren, wurden sie mit Spezialfahrzeugen weiter zerkleinert; fürs Recycling wurden Beton, Asphalt und Stahl getrennt und auf Lkw geladen. Den ganzen Samstag über transportierten die Fahrzeuge die Trümmer ab. Später wurde auch die Kies-Schutzschicht wieder auf Kipplaster geladen und abtransportiert, damit die Sperrung am frühen Montagmorgen wieder aufgehoben werden konnte.
Die westliche Brückenhälfte in Fahrtrichtung Bonn wird nun neu errichtet. Über die breitere Brücke kann nach Abschluss der Arbeiten der gesamte Verkehr geführt werden. Die Behelfsbrücke ist dann nicht mehr nötig und kann zurückgebaut werden.
Sobald der Verkehr in Richtung Bonn auf der neuen, westlichen Brückenhälfte fließt, kann auch die östliche Hälfte (Wahnheider Seite) der alten Brücke abgebrochen und neu errichtet werden. Das Bauwerk soll voraussichtlich bis Ende 2021 fertiggestellt sein.
Ausbau zwischen Bonn und Köln
Weil die Verkehrsbelastung auf der Flughafenautobahn A59 seit Jahren zugenommen hat, soll die Autobahn zwischen Porz und Bonn-Nordost erweitert werden. Der Ausbau hat im Bedarfsplan für Bundesfernstraßen von 2016 die höchste Prioritätsstufe. Geplant wird in vier Abschnitten, beginnend mit der drei Kilometer langen Strecke zwischen Autobahndreieck Porz und der Anschlussstelle Flughafen. Zwischen 2005 und 2015 nahm die Verkehrsbelastung hier um rund 20 Prozent zu. 2015 nutzten täglich durchschnittlich etwa 11 2000 Kraftfahrzeuge die Strecke; bis 2025 wird eine weitere Zunahme auf 125500 Fahrzeuge pro Tag prognostiziert.
Zum sechsspurigen Ausbau des 6,4 Kilometer langen zweiten Abschnitts zwischen Flughafen und Lind mit zusätzlichen vierten Spuren in Richtung Oberhausen ist der Vorentwurf in Bearbeitung. Der Brückenneubau an der Heidestraße stellt eine erste, sichtbare Vorbereitung für den Autobahnausbau dar. (bl)
