BebauungsplanEin Juwel auch für die Zukunft

Christoph Hülsebusch (r.) vom Stadtplanungsamt informiert die Bürger.
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Gremberghoven – Viel Unmut, viele Forderungen und ein wenig Zuversicht, so kann man die Stimmung der Bürger in Gremberghoven zusammenfassen. Zumindest derer, die zur Informationsveranstaltung der Stadt in die Turnhalle der Friedrich List Grundschule gekommen waren. Thema war der vorgesehene Bebauungsplan für den historischen Ortskern des Viertels, der von der alten Eisenbahnersiedlung geprägt ist. Mit strikten Regeln für neue Bauvorhaben innerhalb des Plangebietes will die Stadt diesen schützen. Dazu zählen auch die zahlreichen Grünflächen. Vorgeschrieben werden sollen unter anderem die Höhe neuer Gebäude und der Fassadenanstrich, zudem wird genau festgelegt, wo überhaupt gebaut werden darf. "Die Siedlung ist ein Juwel, und das wollen wir für die Zukunft erhalten", sagt Rita Pesch-Beckers vom Amt für Denkmalschutz und Denkmalpflege.
Gebaut hat die Siedlung von 1921 an die damalige Reichsbahndirektion für ihre Angestellten, die im nahe gelegenen Rangierbahnhof Gremberg arbeiteten. Vorbild für die anfangs rund 700 Wohnungen war die aus England stammende Gartenbewegung. Sie sah unter anderem vor, neue Siedlungen mit großzügigen Gärten für die Selbstversorgung auszustatten. Die so entstandenen kleinen Ein- und Mehrfamilienhäusern mit bis zu 400 Quadratmeter großen Gärten prägen noch heute das Viertel.
Den Charakter der Gartensiedlung mit dem vielen Grün wollen auch die meisten Bewohner erhalten. Allerdings wünschen sie sich ebenso die Erlaubnis in ihren Gärten zu bauen, etwa ein Gartenhäuschen oder eine Terrasse. Doch diese Vorhaben kollidieren mit einigen der neuen Regeln. "Gebäude, die schon stehen, haben Bestandsschutz, doch neue Vorhaben müssen sich nach den künftigen Vorschriften richten", erklärt Christoph Hülsebusch vom Stadtplanungsamt. So darf ein Anbau nur einstöckig sein. Die Vorschriften seien alle mit den Denkmalpfleger abgestimmt. Allerdings können auf Wunsch der Bevölkerung noch Änderungen erfolgen. Deshalb forderte Hülsebusch alle Anwesenden auf, ihre Vorschläge schriftlich einzureichen, damit diese berücksichtigt werden können.

Die Pläne der Stadt Köln für die Eisenbahnersiedlung werden kritisch begutachten.
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Vorschläge und Kritik hatten die Bürger reichlich. Etwa Sonja Möller, Anwohnerin an der Rather Straße: "Auf der einen Seite wollen sie die Gartenstadt schützen, auf der anderen Seite werden einige Gärten für eine Bebauung freigegeben, das widerspricht sich doch." Dem konnte Ina Beate Fohlmeister vom Amt für Stadtentwicklung nur den wachsenden Bedarf an Wohnraum entgegenhalten: "Da müssen wir auch Flächen im Denkmalgeschützen Gremberghoven nutzen." Allerdings seien im historischen Ortskern nur drei kleine Gebiete östlich der Hohenstaufenstraße für eine mögliche Bebauung ausgewiesen worden. Andere Anwohner bemängelten vor allem ein fehlendes Verkehrskonzept. Viele Straßen im Viertel sind extrem schmal, geparkte Autos sorgten oft für Staus - an anderer Stelle werde viel zu schnell gefahren. Häufig wurde die fehlende Infrastruktur in Gremberghoven bemängelt, auch wenn die nicht Thema war.
Der letzte Lebensmittelhändler ist schon vor Jahren fortgezogen, und auch Post- und Polizeistelle sind seit langem verschwunden. Zu diesem Komplex konnten die Vertreter der Verwaltung aber nur wenig Konkretes berichten. "Wir sind schon lange in Gesprächen mit den Einzelhandelsketten, doch bis jetzt wollte niemand in Gremberghoven investieren", berichtete Hülsebusch.
Darüber hinaus ist Gremberghoven Teil eines Förderprogramms der Stadt Köln, das sozial schwache Viertel stärken will. So soll demnächst der Posten eines Quartiermanagers geschaffen werden, Fassadenverschönerungen finanziell unterstützt und Geld für Jugendprojekte bereitgestellt werden.

Immer noch sind viele der alten Bauten renovierungsbedürftig (l.). Großzügige Gärten wie am Talweg prägen das historische Viertel. Fotos: Figge
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Meinung ist gefragt
Bürger können ihre Eingaben zum Bebauungsplan, aber auch zu anderen Themen, beispielsweise einem Verkehrskonzept, noch bis zum 10. November schriftlich an Bezirksbürgermeister Henk van Benthem richten (Friedrich-Ebert-Ufer 64-70, 51143 Köln). Der Bebauungsplan umschließt die denkmalgeschützten Bereiche beidseitig der Hohenstaufenstraße, die Grundstücke entlang von Bahnhofplatz, Rather Straße, Talweg und Heilig-Geist-Straße sowie die Bebauung am Langobardenplatz und am Frankenplatz. (af)

Immer noch sind viele der alten Bauten renovierungsbedürftig (l.). Großzügige Gärten wie am Talweg prägen das historische Viertel. Fotos: Figge
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