Blütentraum auf kargen Flächen

Vorstandsmitglieder der Vernetzung Porzer Bürgervereine und Mitarbeiter der Biostation bei der Einsaat auf der Fläche vor der Pestalozzischule, eine von drei künftigen Wildblumenwiesen
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Wahn – Klatschmohn als typische Pionierpflanze und Kornblumen werden zu den ersten Wildblumen gehören, die mit ihren Blüten vom kommenden Jahr an die bisher artenarme Wiese an der Nachtigallenstraße in ein duftendes Farbenmeer verwanden sollen. Die Vernetzte Gemeinschaft der Porz/Poller Bürgervereine, die vor zwei Jahren für den Stadtbezirk ein Wildblumenprojekt zum Insektenschutz ins Leben gerufen hat, ließ das Areal vor der Pestalozzischule jetzt umbrechen und aufarbeiten. Und dann betätigten sich Vorstandsmitglieder der Bürgervereine persönlich als Sämänner und -frauen.
Margeriten und wilde Möhre, Pastinaken und Odermennig, Glockenblumen und Schafgarbe gehören zu den 28 verschiedenen Blumen, deren Samen auf der Wiese ausgebracht wurden. „Wir arbeiten bei diesem Projekt mit der Biologie-Station Bonn/ Rhein-Erft zusammen“, sagt Simin Fakhim vom Vorstand der Vernetzung. Beim Einkauf von Wildblumensaaten sei man auf die Biostation gestoßen, die vorrangig im Rhein-Erft-Kreis und in Bonn Naturschutzgebiete betreut den gezielten Schutz von Lebensräumen für Pflanzen und Tiere betreibt und auch geeignetes regionales Saatgut mit entwickelt.
Auf der Wahner Fläche hat die Biostation unter Leitung von Christian Chmela den Boden vorbereitet, Beratung bei der Saatenauswahl geleistet und wird die Fläche laut Vertrag drei Jahre lang betreuen. „So eine Wiese kann nicht sich selbst überlassen werden“, gibt Gerrit Klosterhuis von der Biostation Ausblick auf die kommenden Arbeiten. Was da grünt und blüht, wird beobachtet und mit geeigneten Pflegemaßnahmen unterstützt. Ein- bis zweimal jährlich wird gemäht, „aber nicht die ganze Fläche auf einmal, damit die Insekten nach der Mahd noch einen Rückzugsraum behalten“, sagt Klosterhuis.
Die Saaten, die jetzt mit Sand vermischt auf die Fläche verteilt wurden, sind ausnahmslos heimischen Ursprungs. „Das ist vom kommenden Jahr an bundesweit Pflicht – dann darf auf öffentlichen Flächen nur noch regionales Saatgut ausgebracht werden“, erläutert Christian Chmela. Blumen, die für den jeweiligen Standort typisch und für die dortigen Witterungsbedingungen gut geeignet sind, helfen den bedrohten Insekten am besten, Nahrung und Lebensraum zu finden. „Die Blumen sind erstaunlich widerstandsfähig“, hat Hans Baedorf bei schon im Vorjahr angelegten Wildblumenbeeten der vernetzten Bürgervereine beobachtet.
Herbert Gellings, Vorsitzender des Bürgerverein Wahn, Wahnheide, Lind, beteiligte sich mit Kollegen an der Aussaat und hat gleich weitere Flächen für künftige Blumenwiesen im Sinn. „Ich spreche die Nachbarn darauf an“, sagte er weitere Werbung für Wildblumenwiesen zu.
Außer der Wahner Fläche haben die vernetzten Vereine jetzt auch eine Parzelle in Urbach (in der Nähe von Kirche und Hospiz) und ein Areal an der Adelenhütte in Porz einsäen lassen. Die sehr große Porzer Fläche erhält außer Wildblumen auch einen Wildgräseranteil.
Aus dem städtischen Verschönerungsetat haben die Bürgervereine Mittel für das Projekt bekommen, das Insekten und Menschen erfreuen soll. Die Initiatoren freuen sich schon auf die ersten Blüten im kommenden Frühjahr – dafür ließen sie sich bei der Einsaat gern nassregnen. Den Blumensamen wird der Segen von oben beim ersten Kontakt mit gut vorbereiteter Porzer Erde jedenfalls guttun.
