„Das ist mein persönliches Mallorca“

Kornelia Adlerhuis liebt ihren Schrebergarten und die Farbe Magenta in allen Schattierungen.
Copyright: Inge Swolek
Zollstock – Seit fast 200 Jahren gibt es Schrebergärten in Deutschland. Obwohl immer wieder als spießig und kleinbürgerlich verschrien, suchen immer mehr Menschen das große Glück im kleinen Garten. Dazu gehört auch Kornelia Adlerhuis, die seit fünf Jahren stolze Besitzerin einer Parzelle im Zollstocker Kleingartenverein am Oberen Komarweg ist.
„Ich wohne seit 30 Jahren in der Kölner Südstadt, in einer schicken Maisonettewohnung, allerdings ohne Balkon. Als ich noch jünger war und noch keinen Hund hatte, habe ich einen solchen Austritt an die frische Luft gar nicht vermisst. Doch in den letzten Jahren hat sich das gewandelt. Es war mir aber gar nicht bewusst, wie schwierig es ist, eine Kleingarten-Parzelle zu bekommen. Man steht auf langen Wartelisten und muss sich gedulden, bis etwas frei wird. Oder man kennt jemanden, der einen kennt“, erzählt die Kleingärtnerin Adlerhuis von ihrem Weg in die Kleingarten-Anlage. Ihr Gartenhaus mit imitierter Fachwerkfassade, das einst einem älteren Ehepaar gehörte, sei total runtergekommen gewesen, die Inneneinrichtung barockig und holzig, es hätte modrig und feucht gerochen, eigentlich eine kaum mehr zu rettende Schrottbude. Aber Kornelia Adlerhuis ließ sich nicht abschrecken. Einen ganzen Sommer hat sie gearbeitet, alles Alte herausgerissen, gestrichen und neu eingerichtet.
In der Anfangsphase habe sie auch schnell Kontakt zu den neuen Nachbarn bekommen, doch mit dem ersten Pinselstrich in ihrer Lieblingsfarbe Magenta kippte die Stimmung. Die Nachbarn rollten mit den Augen und kurz darauf kam ein Brief vom Vorsitzendem des Kleingartenvereins, mit der Aufforderung, sich an die Vereinssatzung zu halten.

Kornelia Adlerhuis liebt ihren Schrebergarten und die Farbe Magenta in allen Schattierungen.
Copyright: Inge Swolek
„Ich sei katholisch und Magenta eine liturgische Farbe, die auch häufig in der Natur vertreten sei, habe ich zurückgeschrieben. Seit dieser Antwort habe ich nie wieder was gehört. Ich habe lila Gießkannen gekauft, die Wasserleitung und das Gartentor in Pink angestrichen und ausschließlich Blumen in den Farben Rosa, Pink, Lila und Magenta gepflanzt. Seitdem bin ich die Exotin im Chrysanthemenweg Gang 9“, so die alleinstehende Zahnhygienikerin.
In der Zollstocker Kleingartenanlage gibt es über 120 Parzellen, die zwischen 200 und 550 m² groß sind, die dazugehörigen Gartenhäuser, die laut Bundeskleingarten-Satzung maximal 24m² Grundfläche haben dürfen, sind überwiegend gemauert.
Ein gelegentliches Übernachten ist zwar erlaubt, dauerhaftes Wohnen aber verboten. Auch die Bepflanzung ist genau geregelt. Mindestens die Hälfte der Fläche, die nicht von der Gartenlaube belegt ist, muss kleingärtnerisch genutzt werden. Das heißt: Hier müssen Obst und Gemüse angepflanzt werden.

Sie hat sich ihre eigene Oase in der Großstadt geschaffen, ohne Zwerge, dafür mit Katzenfiguren und einem echten Hund.
Copyright: Inge Swolek
Die übrige Fläche kann als Erholungsfläche mit Zierpflanzen und Gras bepflanzt werden. Bäume dürfen nicht höher als vier Meter werden, Waldbäume sind grundsätzlich verboten. In Schrebergärten wird nichts dem Zufall überlassen, alles ist in der Satzung, die übrigens bundesweit gilt, geregelt – bis auf die Farbe. Und damit scheint Kornelia Adlerhuis eine Lücke entdeckt zu haben.
Ansonsten hält sie sich natürlich an die Hausregeln, sie hält die Mittagsruhe ein, baut Zucchini, Kürbisse, Tomaten, Möhren und Brokkoli an. Sie hat einen wunderbar duftenden Kräutergarten und Blumen zieren die Parzelle soweit das Auge reicht. Allein im Frühjahr haben hier 500 Tulpen und 300 Narzissen geblüht. „Das hier ist mein zweites Zuhause, im Sommer verbringe ich die Hälfte des Monats in meinem kleinen Paradies, es ist mein persönliches Mallorca. Während die Ferienorte alle überfüllt sind, ist es hier gerade in den Sommerferien sehr ruhig, fast schon idyllisch. Der Kalscheurer Weiher ist um die Ecke, da gehe ich mit meinem Hund Kallie häufig spazieren, und ich bekomme hier mehr Besuch als bei mir in der Südstadt. Viele meiner Freunde machen eine Radtour und kommen dann hier im Grünen auf ein Kölsch vorbei.“
Wie in vielen Schrebergärten gibt es auch in Zollstock einen erkennbaren Generationenwechsel. In einigen Gartenlauben und in den Beeten sind beim Besitzerwechsel bis zu 150 Figürchen in Form von Maikäfern, Schmetterlingen, Zwergen, Clowns und Erdmännchen entsorgt worden.

Sie hat sich ihre eigene Oase in der Großstadt geschaffen, ohne Zwerge, dafür mit Katzenfiguren und einem echten Hund.
Copyright: Inge Swolek
Die jungen Leute zupften nicht so emsig und zwanghaft in den Beeten, pflanzten viel Biogemüse und verzichteten gänzlich auf Zwerge& Co. Außerdem blieben sie abends länger, während der klassische Kleingärtner spätestens um 18 Uhr das Gelände verlasse. „Abends herrscht hier eine wunderbare Stimmung, man hört gedämpfte Musik, mal Reggae, mal deutsche Schlager oder Soul. Alles mischt sich irgendwo in den lauen Abend und schwebt über den Schrebergärten, ein super Lebensgefühl in einer Großstadt“, erzählt die Frau, die mit ihrer Liebe zu Magenta kurzzeitig das Bundeskleingartengesetz, durcheinandergebracht hat. Aber das stört sie nicht weiter, sie genießt ihre magenta-grüne Oase einfach als ihren zweiten Wohnort, als ihre persönliche Sommerfrische.
SCHREBERGÄRTEN IN KÖLN
In Köln gibt es aktuell über 100 Kleingartenvereine mit rund 15.000 Pächtern. Einer davon ist der Kleingarten-Verein um den Oberen Komarweg. Diesen gibt es seit 1918, in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bestand er aus mehr als 1000 Parzellen. Heute sind es ca. 125 Gärten. In der Stadt Köln sind insgesamt rund 625 Hektar als Kleingartenfläche ausgewiesen, dies entspricht rund 1,5% des 40.502 Hektar großen Stadtgebietes. Generalverpächter ist der „Kreisverband Kölner Gartenfreunde e. V.“ (Quelle: Stadt Köln). (swo)
Kornelia Adlerhuis, die bei ihren Nachbarn als Exotin gilt
