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Der Nachwuchs will den Ruf von Porz aufpolieren

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Bezirksbürgermeister Henk van Benthem leitete die Sitzung und ließ die Schüler per Handzeichen abstimmen.

Porz – Freies WLAN in der Porzer Innenstadt, mehr Sportangebote für Jugendliche im Bezirk und eine bessere Verkehrsführung am Schulzentrum in Zündorf: So lauten einige der Forderungen der Schüler in der ersten Sitzung der Jugendbezirksvertretung. Im großen Saal des Bezirksrathauses hatten sich rund 100 Schüler aus vier Porzer Schulen eingefunden, um politische Entscheidungsprozesse zu erproben. So wurde lebhaft diskutiert, kontrovers gestritten und am Ende demokratisch abgestimmt.

Erst im März hatten die Porzer Bezirksvertreter entschieden, eine Jugend-Bezirksvertretung abzuhalten und jährlich zu wiederholen. Vor der ersten Auflage hatten die Bezirksvertreter Marlis Meurer (CDU), Elvira Bastian (FDP), Dieter Redlin (Grüne), Simon Bujanowski und Lutz Tempel (beide SPD) mit den Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 18 Jahren die Sitzung vorbereitet. Beteiligt waren Oberstufenschüler der Politik- und Sozialwissenschaftskurse aus dem Lessing-Gymnasium, der Lise-Meitner-Gesamtschule, der Max-Planck-Realschule und des Stadtgymnasiums.

„Ich war überrascht, wie interessiert die Jugendlichen an kommunalen Themen sind“, erzählt Tempel, der eine elfte Klasse der Lise-Meitner-Realschule fit gemacht hatte. Vier Anträge hat er mit den Schülern vorbereitet. Einer davon hat ihn besonders überrascht. Die Schüler wünschen sich ein besseres Logo für Porz. Den alten Namen „Porzity“, der auch in Leuchtschrift über der Fußgängerzone in Porz-Mitte hängt, finden die Jugendlichen veraltet. „Das Wortspiel spricht mich überhaupt nicht an“, sagte die 17-jährige Sarah, als sie den Antrag vortrug. Porz habe „einen schlechten Ruf“ und der könnte auch durch ein modernes Logo aufgewertet werden.

Die Schüler trugen ihre Anliegen am Rednerpult vor, und Vertreter der Verwaltung gaben ihre Einschätzungen dazu ab (l.). Schüler und Politiker diskutieren in einer Sitzungspause über die Anträge (r.).

„Nur mit neuen Schildern und einem Logo lässt sich das nicht machen“, zweifelte Francesco vom Lessinggymnasium den Sinn des Antrages an. Spielplätze sanieren und mehr Freizeitangebote seien da sicher hilfreicher, so der 15-Jährige. Die Antragsteller nahmen die Kritik an und erweiterten ihre Forderung: Es soll ein Wettbewerb zur allgemeinen Verschönerung des Stadtbezirks gestartet werden. Der so ergänzte Antrag wurde schließlich mehrheitlich angenommen.

Wie bei einer richtigen Sitzung der Bezirksvertretung waren auch in der Jugendsitzung Vertreter der Verwaltung anwesend, die Einschätzungen zu den Anträgen abgaben. Mit den Antworten der städtischen Mitarbeiter gaben sich die Schüler allerdings nicht einfach zufrieden, sondern diskutierten kenntnisreich. Etwa bei der Forderung, die Verkehrsführung am Schulzentrum zu ändern.

Der Vorschlag der Schüler: eine Einbahnstraßenregelung auf der Heerstraße und die Öffnung des Kirchwegs zur Wahner Straße. Jörg Fellecke vom Amt für Straßen und Verkehrsentwicklung plädierte für die aktuelle Reglung und argumentierte, dass Einbahnstraßen meist zu erhöhter Geschwindigkeit führen würden. Darauf entgegneten die Schüler jedoch selbstbewusst: „So wie die Situation jetzt ist, kann es aber nicht bleiben, es ist schlecht.“

Die Schüler trugen ihre Anliegen am Rednerpult vor, und Vertreter der Verwaltung gaben ihre Einschätzungen dazu ab (l.). Schüler und Politiker diskutieren in einer Sitzungspause über die Anträge (r.).

Trotz des Einwands der Verwaltung verabschiedeten die Schüler ihren Antrag mehrheitlich. Den Vorsitz der zweistündigen Sitzung hatte Bezirksbürgermeister Henk van Benthem, der versprach, einige der Anträge auch in die Bezirksvertretung einzubringen. „Da soll noch einer sagen, die Jugend heute sei unpolitisch“, zeigte sich CDU-Frau Marlis Meurer am Ende der Jugend-BV zufrieden.

Und auch die Schüler waren zufrieden mit der Veranstaltung. „Es war sehr interessant, ich hätte nicht gedacht, dass wir unsere Anträge durchkriegen“, sagte die 14-jährige Martyna. „Das ist gelebte Demokratie“, freute sich Grünen-Politiker Redlin. Und Simon Bujanowski forderte die Schüler auf, sich auch in Zukunft zu beteiligen.

„Wir brauchen eure Perspektive, die der Jugend, die fehlt uns nämlich“, so der SPD-Fraktionschef. Geplant ist, bereits im Frühjahr 2020 eine weitere Sitzung der Jugendbezirksvertretung abzuhalten.

Sarah, 17 Jahre

Martyna, 14 Jahre