Echt handgemachter Karneval
Engelshof „Ich bin kein Schneider“, betont Renato Frings an seinem Verkaufsstand auf dem Karnevalströdelmarkt im Engelshof, „ich bin Künstler.“ Mehrere Meter aufwendig gestalteter Jacken hängen an seinen Kleiderständern im Saal des Bürgerzentrums, ein Ganzkörperspiegel ermöglicht den Kunden einen Rundumblick auf das zugegebenermaßen nicht ganz kostengünstige Outfit.
„Zuerst schluckt man mal, wenn man die Preise sieht“, gibt der kaufwillige Markus Schwab zu. Die Qualität rechtfertige allerdings die Preise jenseits der 100 Euro, auch der immense Arbeitsaufwand müsse schließlich bezahlt werden. Applikationen aus Bildern, Rüschen, Borten und Glitzer machen aus jeder Jacke ein einzigartiges Bekleidungsstück. „Mit so einem Unikat sticht man aus der Menge heraus, es verschwindet nicht nach einer Saison im Schrank oder im Müll“, wirbt Markus Schwab, schließlich sei so ein Stück mit den im Karnevalsfachhandel erhältlichen Kostümen nicht vergleichbar.
Secondhandware, aber auch viel Selbstgestaltetes und Selbstgenähtes finden die Besucher des sechsten Karnevalströdelmarktes an den 40 Ständen im Engelshof. „Einen Tag nach der Bekanntmachung der Veranstaltung ist der Saal ausgebucht, nach zwei Tagen sind alle Stände vergeben“, erläutert die Verantwortliche für Erwachsenenbildung und Veranstaltungen im Bürgerzentrum Engelshof, Annette Ciura. Schon der erste Karnevalströdelmarkt sei sehr gut angenommen worden, mittlerweile habe er sich etabliert. „Aussteller und Besucher genießen die entspannte Atmosphäre hier, die Grundeinstellung ist durchweg positiv“, erklärt sie.
Im Trend liegt das Event auch wegen des Nachhaltigkeitsgedankens, bereits getragene Kostüme und handgemachte Stücke ergänzen sich in den Auslagen der Anbieter, bei der Präsentation setzt so mancher auf Eyecatcher.
So überstrahlt ein Pappmaché-Soldat aus den Fünfzigern die Secondhandware von Bärbel und Willi Baumanns, magisch zieht der breit grinsende Geselle das Publikum an. Auf die Frage nach dem Preis des originellen Hinguckers antworten die Baumanns allerdings einhellig, ihr Antikmarkt-Schnäppchen sei absolut unverkäuflich. Beim Karnevalströdelmarkt interessiert sie vor allem der Spaß. „Es ist bunt und lustig, anders als auf anderen Trödelmärkten. Was wollen wir mehr?“ fragt Bärbel Baumanns natürlich rein rhetorisch, besonders im Winter sei die Veranstaltung eine willkommene Abwechslung, fügt sie hinzu. Franziska Gebel und ihr Mann Marc Waberski statten ihre zwei Loriotfiguren mit ständig wechselnden Kopfbedeckungen aus, auch sie bekommen regelmäßig Angebote für ihre Kappenträger mit Kultstatus. Zwischen 35 und 49 Euro kosten die selbstgenähten Faschingskappen für Damen und Herren. Hochwertige Stoffe in kühnem Mustermix bestimmen das Designkonzept von Franziska Gebel, sie selbst bezeichnet es gerne als „Understatement“. „Wir wollen Alternativen zu Rot-Weiß bieten“, sagt Franziska Gebel zu ihrem fantasievollen Sortiment. „Weg von der Masse, hin zu handmade“, lautet ihr Motto. Auf Stoffsuche geht das Ehepaar gerne auf holländischen Märkten. Im Handel, so Marc Waberski, werde es immer schwieriger, an gute Qualität heranzukommen. Möbel- und Dekorationsstoffe kommen bei der Neuinterpretation der traditionellen Narrenkappe zum Einsatz, das Zeug zum alleinigen Karnevalsaccessoire hat sie allemal. „Man zieht die Kappe an und ist schon angezogen“, meint Franziska Gebel überzeugt.
Unter dem Label „schönbunt - handmade“ verkauft auch Elke Spantig Kappen in allen Regenbogenfarben. „Der Name ist Programm“, erklärt sie, mit Gatte Thomas hält sie die Stellung an ihrem Stand auf der Bühne im Engelshof. Über einen Warenüberschuss macht sie sich keine Gedanken, verschiedene Geschäfte vertreiben ihre Kreationen, wenn der Karnevalströdelmarkt vorbei ist.
